Di

05

Jun

2012

Die Website & das Über mich

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Seit ein paar Wochen ist meine neue Website online. Der Umstieg ist für mich wie der Wechsel von einem alten Fahrrad auf ein schnittiges Auto! Der Zugriff auf die einzelnen Seiten ist einfach, die Website ist übersichtlich strukturiert, und sie bietet mir erstmals die Möglichkeit, mit meinen Leserinnen und Lesern zu kommunizieren.

Es gibt nun nämlich endlich ein richtiges Kontaktformular, ich habe einen Newsletter und einen Blog.

 

Ich habe mir überlegt, mit welchem Thema ich den Blog am besten starte. Nach einigem Nachdenken habe ich beschlossen, die Frage aufzugreifen, wie man denn ein Über mich für eine Website schreibt – immerhin bin ich eben auch vor der Aufgabe gestanden, so eine Selbstdarstellung verfassen zu müssen.

Der trockene akademische Lebenslauf der alten Website war mir schon lange ein Dorn im Auge. Er hat zwar einen Überblick über die wichtigsten Etappen meines Werdegangs geboten, aber der hinter dem  Lebenslauf stehende Mensch war nicht greifbar. 

Warum und wie schreibe man ein Über mich? Wie geht man das an?

Bevor ich mir das "Wie" überlegt habe, ist für mich zunächst einmal das "Warum" im Vordergrund gestanden: Warum schreibe ich etwas über mich auf meiner Website? Welches Ziel verfolge ich? Die Antwort: Ich bin eine EPU, eine Einpersonenunternehmerin. Die Schreibwerkstatt bin in erster Linie ich – auch, wenn ich pojektabhängig mit einem Team zusammenarbeite.

Wer sich für mein Angebot interessiert, interessiert sich automatisch auch für mich und stellt sich verschiedene Fragen, zum Beispiel:

 

Wer ist das eigentlich?
Wird sie mein Problem lösen können?
Kann sie das wirklich, was sie hier anbietet?
Welche Ausbildung und berufliche Erfahrung hat sie?
Wie sieht sie aus? Ist sie mir sympathisch?

 

Jeder von uns stellt sich solche Fragen, wenn er mit einem bestimmten Anliegen im Netz unterwegs ist, nach einer Lösung für ein Problem sucht und auf einer Website landet.

Der Mensch im Mittelpunkt

Ausbildung und beruflicher Werdegang sind bei der Darstellung von EPUs in meinen Augen ein "Muss"; sie sollten auf jeden Fall in das "Über mich" hinein. Mir war es darüber hinaus wichtig, zu erklären, wie ich überhaupt zu meinem heutigen Beruf gekommen bin. Anders als ein Tischler, der eine Tischlerlehre gemacht hat, oder ein Arzt, der Medizin studiert hat, bin ich Schreibberaterin / -coach / -trainerin. Ich übe eine Tätigkeit aus, für die es keine standardisierte Ausbildung gibt.

 

Außerdem sollten die Leserinnen und Leser meiner Über-mich-Seite auch ein Gefühl für den Menschen bekommen, der sich hier präsentiert. Ein Leben verläuft selten geradlinig – auch mein Leben hat manch eine Kurve gemacht. Das sollte und durfte deutlich werden.

 

Damit bin ich dann beim "Wie" gelandet: Es war klar, dass ein herkömmlicher tabellarischer Lebenslauf nicht in Frage kam. Es sollte ein Fließtext werden. Ich habe dann beschlossen, den Text so zu schreiben, als würde ich jemanden etwas über mich erzählen. So konnte ich sicher sein, dass der Text nicht umständlich formuliert sein würde. Wer etwas erzählt, verwendet einfache Worte und konstruiert selten Mammutsätze. Darüber hinaus war es mir mit Hilfe des Fließtextes möglich, zu erklären, was mir wichtig ist: das verständliche Vermitteln von Inhalten, die die Leserinnen und Leser erreichen, das Schreiben von Texten, die Nutzen stiften, die Freude am Schreiben und der Wunsch, diese Freude auch weiterzugeben.

Denken Sie an Ihre Leserinnen und Leser, wenn Sie Ihr Über mich schreiben!

Schreiben Sie nicht einfach drauf los und denken Sie nicht nur an sich. Planen Sie Ihren Text. Versetzen Sie sich zunächst einmal in Ihre Leserinnen und Leser bzw. Besucherinnen und Besucher der Webseite: Welche Informationen sind wichtig, welche nicht? Überlegen Sie sich dann, ob eine Selbstdarstellung in Form einer Tabelle oder eines Fließtextes besser geeignet ist.

 

Wenn Sie sich für eine Tabelle entscheiden, überlegen Sie, ob Sie mit dem jüngsten oder am längsten zurückliegenden Ereignis anfangen. Der Vorteil einer Tabelle liegt in ihrer Übersichtlichkeit. Sie rückt die Lebensstationen und das Geleistete eines Menschen in den Vordergrund. Eine Tabelle wirkt zumeist nüchtern, ermöglicht es aber den Leserinnen und Lesern, sich rasch zu orientieren.

 

Wenn Sie sich für einen Fließtext entscheiden, überlegen Sie sich, welchen Ton Sie anschlagen möchten. Soll ihr "Über mich" ernst, seriös, freundschaftlich, witzig oder ironisch formuliert sein? Haben Sie dabei im Auge, wie dieser Ton bei Ihren Leserinnen und Lesern ankommt. Nicht alles, was Sie möglicherweise lustig finden, wird auch als lustig wahrgenommen. Die Grenze zwischen lustig und peinlich ist schnell überschritten. 

Und schließlich: Beschönigen Sie nichts und mogeln Sie nicht. Ihr Leben ist eben so und nicht anders verlaufen. Wenn Sie eine Einpersonenunternehmerin bzw. ein Einpersonenunternehmer sind, bleiben Sie beim "Ich". Sprechen Sie auf Ihrer Website nicht von "wir". Kundinnen und Kunden von EPUs schätzen es, dass sie persönlich von der Firmeninhaberin bzw. dem Firmeninhaber betreut werden. Das "Ich" ist Ihre Stärke! Daher: Bleiben Sie authentisch. 

Hier geht es zu meinem Über mich.

Abbildungsnachweis:

Shutterstock, Bildnummer: 129385217, Urheberrecht: niroworld

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Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Petra Schuseil (Donnerstag, 01 November 2012 11:46)

    Liebe Huberta, für mein neues Wordpress-Blog werde ich Deine Anregungen gerne aufnehmen. Finde ich klasse, wie ausführlich Du das hier beschreibst. DANKE. Herzlich vom ZÜrichsee. Petra

  • #2

    Huberta Weigl (Donnerstag, 01 November 2012 16:32)

    Fein, freut mich, dass es nützlich ist.
    Viele liebe Grüße in die Schweiz, liebe Petra!
    Huberta

  • #3

    Nina Wolf (Freitag, 27 November 2015 13:49)

    Liebe Huberta,
    Vielen Dank für die tollen Ideen. Mir ist es sehr schwer gefallen, überhaupt einen Anfang zu machen und jetzt hab ich schon einige Ideen!
    Mir ist ein Fehler aufgefallen und ich wollte Dir Bescheid geben. Mensch im Mittelpunkt 8. Zeile "Schreiberaterin". Denke, da fehlt ein b.
    Nochmals danke und beste Grüße,
    Nina Wolf

  • #4

    Huberta Weigl (Freitag, 27 November 2015 17:46)

    Liebe Nina,

    vielen Dank für dein positives Feedback.
    Danke auch für den Hinweis auf den Tippfehler. Der Artikel gehört zu den ersten, den ich nach der Gründung der Schreibwerkstatt (damals noch ganz ohne Lektorinnenteam an meiner Seite) geschrieben habe.

    Herzlichen Gruß
    Huberta