So

19

Aug

2012

Rezension: "Schreibdenken. Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln"

Ulrike Scheuermann
Schreibdenken

Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln

1. Auflage 2012

Einband kartoniert, 126 Seiten mit 13 Abb., Format 12 x 18,5 cm

UTB & Verlag Barbara Budrich 

UTB-Titelnummer 3687
ISBN 978-3-8252-3687-8


Buchausgabe: 10,30  (A), 9,99 € (D), 15,90 SFr (CH)
Online-Zugang (digitale Version): 7,99 €
Buchausgabe & Online-Zugang: 11,99 €
Informationen zum Online-Zugang finden Sie auf der Website von UTB

Schreibdenken = Schreiben + Denken

Wer kennt das nicht? Den ganzen Tag führen wir in Gedanken irgendwelche Selbstgespräche. Oft sind diese Selbstgespräche alles andere als produktiv. Manchmal drehen wir uns im Kreis oder ziehen uns sogar selbst hinunter. Greift man hingegen zu Stift und Papier und schreibt die Gedanken auf, kann der Nachdenkprozess plötzlich produktiv werden – vor allem dann, wenn man sich die "richtigen" Fragen stellt oder diese gestellt bekommt.  

Das Schreiben kann das Denken also in neue Richtungen lenken. Gleichzeitig sind Schreiben und Denken untrennbar miteinander verbunden: Ohne Gedanken entsteht kein Text, sondern allenfalls eine Kritzelei.

In ihrem eben erschienenen Buch "Schreibdenken" erklärt Ulrike Scheuermann – Psychologin, Coach und Autorin –,  wie man das Schreiben zur gezielten Reflexion in der Lehre, beim Lernen, beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten und im Selbstcoaching einsetzen kann. Anders als andere Schreibratgeber basiert das Buch nicht nur auf Literaturrecherchen, sondern auch auf eigenen Ergebnissen der Autorin.

Das Buch wendet sich in erster Linie an Studierende und Lehrende. Die Zielgruppe kann man freilich durchaus weiter fassen: Grundsätzlich wird jeder, der das Schreiben als Denkwerkzeug für sich entdecken möchte, aus dem Buch viel lernen.

Wie funktioniert "Schreibdenken"?

"Schreibdenken" bedeutet, dass man seine Gedanken innerhalb eines begrenzten Zeitraums rasch, unzensiert und assoziativ zu Papier bringt. Anschließend wertet man das Geschriebene aus bzw. arbeitet damit weiter.

"Schreibdenken" hilft, wie Scheuermann überzeugend darlegt, bei Schreibblockaden, es fördert den Schreibfluss, es führt zu strukturierteren Überlegungen und es verhindert, dass Studierende nach dem Copy-and-Paste-Prinzip schreiben. "Schreibdenken" ist für alle Schreibtypen geeignet: für den Planer, den Drauflosschreiber, den Versionenschreiber und den Patchworkschreiber.     

 

Besonders interessant sind die vielen Übungen, die Ulrike Scheuermann vorstellt (Denkbilder, Denkwege, Schreibsprints etc). Die Autorin schildert die Übungen so anschaulich, dass sie sofort ausprobiert und in den Schreiballtag integriert werden können. 

Was Lehrende lernen können

Laut Ulrike Scheuermann halten Lehrende heute meist nicht mehr an der Idee fest, dass Studierende das Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten durch Versuch und Irrtum lernen. Auch die Vorstellung, Schreiben sei eine Frage des Talents wird, so die Autorin, zunehmend hinterfragt.

Aber ist das tatsächlich der Fall? Ich bin seit 15 Jahren in der universitären Lehre tätig. Lehrende, die die von Scheuermann beschriebene Haltung haben, sind, soweit ich das beobachte, die Ausnahme und nicht die Regel. Die wenigsten Lehrenden befassen sich mit Schreibdidaktik. Viele wehren sich richtiggehend gegen die Vorstellung, sie könnten Schreiben abseits von Zitierregeln und den üblichen "Basics" lehren. 

Es wäre schön, würde das schmale Buch von Ulrike Scheuermann Lehrende dazu ermutigen, die Vermittlung von Schreibkompetenz als selbstverständlichen Teil von Übungen und Seminaren zu betrachten. Das Buch bietet jedenfalls eine Fülle von Übungen, die sich ausgezeichnet im Unterricht einsetzen lassen. 

Fazit

"Schreibdenken" ist ein Buch, das ungeheuer viele Anregungen enthält – allerdings nur dann, wenn man nicht (wie ich) bereits die 2011 erschienene "Schreibfitness-Mappe" von Ulrike Scheuermann gelesen hat.

Das Buch ist schmal (es umfasst nur 126 Seiten) und dennoch inhaltsreich. Mir persönlich hätte das Lesen mehr Freude gemacht, wenn der Verlag eine etwas größere Schrifttype oder zumindest einen etwas größeren Zeilenabstand gewählt hätte, aber dann wäre wohl der günstige Preis nicht möglich gewesen. Die Studierendengruppe, die den Druck des Buches kurz begutachtet hat, war unterschiedlicher Meinung: Ein Teil stimmte mit mir überein, ein anderer Teil war sehr angetan, dass das Buch die Inhalte in optisch verdichteter Form präsentiert. Tenor: "Fast wie ein Reclam-Heft. Das kann man gut mitnehmen und auch unterwegs lesen."


Weitere Informationen zum Buch finden Sie hier:

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe

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