Mi

06

Feb

2013

Wie lang soll das Literaturverzeichnis meiner Bachelor- oder Masterarbeit sein?

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Viele Studierende sind verunsichert, wenn sie ihre Bachelorarbeit oder Masterarbeit schreiben. Sie wünschen sich Faustregeln – Regeln, an denen sie sich festhalten können.

 

Der Wunsch nach einer Faustregel betrifft auch das Literaturverzeichnis. Immer wieder einmal werde ich gefragt: Wie lang soll das Literaturverzeichnis meiner Bachelorarbeit bzw. Masterarbeit sein? Die Antwort darauf ist einfach: So lang wie nötig! Da Sie wahrscheinlich jetzt finden, dass diese Antwort ziemlich unbefriedigend ist, möchte ich Ihnen im Folgenden erklären, woran Sie ein unvollständiges Literaturverzeichnis erkennen bzw. wie Sie zu einem Literaturverzeichnis mit der "richtigen" Länge kommen.

Welche Literatur Sie lesen sollten

Sie sollten alle Literatur lesen, die für Ihre Bachelorarbeit oder Masterarbeit relevant ist. Relevant sind zumindest einmal die Meilensteine der Literatur. Damit meine ich alle Publikationen, in denen zentrale Forschungsergebnisse zu Ihrem Thema vorgestellt wurden. Daneben gibt es weitere Literatur, die Sie ebenfalls berücksichtigen müssen, weil sie zu Detailfragen wichtige Erkenntnisse beinhaltet. 

 

Damit Sie die Literatur, die für Ihr Thema relevant ist, lesen können, müssen Sie sie natürlich erst einmal finden, und das funktioniert nur dann, wenn Sie die verschiedenen Rechercheinstrumente kennen. Machen Sie sich also am besten gleich zu Studienbeginn mit den zahlreichen OPACs und Datenbanken vertraut (Google ist für die Recherche wissenschaftlicher Literatur nicht das Mittel der ersten Wahl).

Sie sollten nicht nur die OPACs und Datenbanken als solche kennen, sondern auch wissen, was Sie dort überhaupt finden. Ich erlebe es oft, dass Studierende einen OPAC wahllos mit Schlagwörtern füttern, aber nicht wissen, welche Literatur dort überhaupt erfasst ist. Es gibt zum Beispiel allerhand OPACs, in denen zwar Zeitschriftentitel, aber nicht die Titel der einzelnen Aufsätze drinnen sind.

Haben Sie ein Thema zur Bearbeitung übernommen, versuchen Sie, sich zunächst einmal einen Überblick über die Literatur verschaffen. Je mehr Literatur es gibt, desto schwieriger ist das. Und wenn Sie noch wenig Erfahrung im wissenschaftlichen Arbeiten haben, wird Ihnen die Recherche sicherlich nicht leicht von der Hand gehen. Das ist ganz normal und vor allem zu Beginn des Studiums kein Anlass zur Sorge! Ich war am Anfang auch ziemlich "wackelig" in diesem Bereich. 

Welche Literatur Sie in das Literaturverzeichnis aufnehmen müssen

In Ihr Literaturverzeichnis nehmen Sie die Literatur auf, die Sie in den Fußnoten bzw. in den Klammern erwähnt haben. Literatur, die Sie zitieren, müssen Sie in das Literaturverzeichnis packen! 

 

Ob Sie noch weitere Publikationen in das Literaturverzeichnis aufnehmen, liegt an Ihnen bzw. könnte auch in den Zitierregeln, nach denen Sie arbeiten, festgelegt sein. Ich persönlich halte nichts davon, ein Literaturverzeichnis mit Titelangaben vollzustopfen, die man für den Anmerkungsapparat gar nicht verwendet hat. Es geht nämlich nicht darum zu zeigen, dass man fleißig war und jede Menge Literatur recherchiert hat, sondern es geht darum, die Leserinnen und Leser bei der Hand zu nehmen und wissend durch das Dickicht der Literatur zu lotsen.    

Der Unterschied zwischen einem Literaturverzeichnis und einer Bibliografie

Die Begriffe Literaturverzeichnis und Bibliografie werden häufig synonym verwendet. Beide enthalten Literaturangaben, beide meinen ein Schriftenverzeichnis. Manche Forschungsinstitutionen oder Redaktionsteams unterscheiden jedoch zwischen den Begriffen. In den Richtlinien zur Manuskriptgestaltung der "Deutschen Gesellschaft für Psychologie" (3. Auflage, Göttingen 2007, S. 84) heißt es etwa:

"Das Literaturverzeichnis des Artikels enthält die notwendigen Informationen für den Leser, um die im Artikel angeführten Quellen identifizieren und in Bibliotheken auffinden zu können. In das Literaturverzeichnis dürfen nur jene Arbeiten aufgenommen werden, auf die im Artikel Bezug genommen wird. Im Unterschied zu einem Literaturverzeichnis enthält eine Bibliographie Hintergrundliteratur oder weiterführende Literatur; Beiträge in Fachzeitschriften enthalten Literaturverzeichnisse, keine Bibliographien."    

Woran erkennt man, dass ein Literaturverzeichnis unvollständig ist?

Man muss gar nicht Expertin bzw. Experte eines Fachs sein, um die Qualität eines Literaturverzeichnisses beurteilen zu können. Ein unvollständiges Literaturverzeichnis erkennen Sie u.a. an folgenden Punkten:

Das Literaturverzeichnis ist extrem kurz.

Wenn zum Beispiel das Literaturverzeichnis einer 80-seitigen Masterarbeit nur 10 Publikationen beinhaltet, ist da sicherlich der Wurm drinnen. In so einem Fall weiß ich, dass die Autorin bzw. der Autor nicht sorgfältig recherchiert hat. 

Das Literaturverzeichnis beinhaltet nur selbständige Publikationen.

Viele Forschungsergebnisse werden in Artikelform veröffentlicht. Wenn in einem Literaturverzeichnis einer Bachelor- oder Masterarbeit überhaupt keine Aufsätze angeführt sind, ist mir sofort klar: Die Autorin bzw. der Autor hat nicht gründlich genug nach Literatur recherchiert bzw. ist ihr oder ihm die Bedeutung von unselbständigen Publikationen im Wissenschaftsbetrieb (noch) nicht klar. 

Die Arbeit behandelt ein Thema, zu dem es zwangsläufig fremdsprachige Veröffentlichungen geben muss, das Inhaltsverzeichnis umfasst aber nur deutschsprachige Literatur.

Wenn jemand eine Arbeit über das nahe Paris gelegenen Schloss Versailles geschrieben hat und im Literaturverzeichnis finden sich nur deutschsprachige Titel, stimmt etwas nicht, denn natürlich wird auch in Frankreich zu Versailles geforscht. In diesem Fall vermute ich sofort: Die Autorin bzw. der Autor kann kein Französisch und hat deshalb die französische Literatur links liegen gelassen.

Die Folgen eines unvollständigen Literaturverzeichnisses

Wenn Sie wichtige Literatur in Ihrer Bachelorarbeit oder Masterarbeit unberücksichtigt gelassen haben, entspricht die Arbeit nicht wissenschaftlichen Standards. Stress, Zeitmangel, fehlendes Wissen um die diversen OPACs, mangelnde Sprachkenntnisse etc. können für Sie persönlich eine Erklärung sein, weshalb Ihr Literaturverzeichnis nicht o.k. ist, die Öffentlichkeit, insbesondere andere Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler, werden dafür aber kein Verständnis haben.

 

Damit Sie besser nachvollziehen können, was ich meine, hier ein Beispiel:
Stellen Sie sich vor, Ihre Masterarbeit ist so gut, dass Sie von einer renommierten Fachzeitschrift eingeladen werden, die Ergebnisse dort zu publizieren. Ihr Artikel ist erschienen und eine andere Forscherin bzw. ein anderer Forscher veröffentlich etwas zu demselben Thema, berücksichtigt aber Ihren Artikel nicht. Wie würde es Ihnen damit gehen?

3 Tipps zum Schluss

  • Fangen Sie möglichst früh mit der Literaturrecherche an. Eine wissenschaftliche Arbeit kann man nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion schreiben.
  • Egal, ob Sie sich im 1., 2. oder 10. Semester befinden, wenn Sie nicht sattelfest in der Literaturrecherche sind, besuchen Sie einen der zahlreichen Kurse, die die großen Bibliotheken anbieten. Sie sollten einfach genau wissen, was Sie wo finden.  
  • Seien Sie nicht zu schnell frustriert. Einen Überblick über die Literatur zu gewinnen, braucht Zeit, und je mehr Erfahrung man im wissenschaftlichen Arbeiten hat, desto rascher überblickt man den Forschungsstand zu einem Thema und weiß, ob man alles Wichtige zusammengetragen hat. Recherche ist Übungssache!

 

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