So

24

Mär

2013

Wenn man in keine Schublade passt ...

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Früher habe ich am Institut für Kunstgeschichte der Uni Wien gearbeitet und war Universitätsassistentin bzw. Kunsthistorikerin. Ganz logisch!


Heute fällt mir die Antwort auf die Frage, was ich so mache schwerer. Ich mache nämlich verschiedene Dinge und passe weder von meinem Werdegang noch von meiner Tätigkeit in eine Schublade. 

Ein Tischler hat eine Tischlerlehre absolviert und ein Friseur eine Friseurlehre. Ausbildung und Beruf sind klar umrissen und jeder weiß, womit ein Tischler oder ein Friseur sein Geld verdient. Bei mir ist das anders. Die Blogparade, zu der Wibke Ladwig aufgerufen hat, zeigt aber, dass ich nicht die Einzige bin, die auf die Frage "Und was machen Sie so beruflich?" verschiedene Antworten parat hat und hin und wieder auch einmal ins Stottern kommt.

Der Anfang des "Dilemmas"

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Wenn man es genau nimmt, fängt das ganze "Dilemma" bereits mit meiner Ausbildung an: Ich habe an der WU Wien BWL und an der Uni Wien sowie an der FU Berlin Kunstgeschichte studiert. Das hat bei manchen Menschen in meinem Umfeld Begeisterung hervorgerufen, andere hatten dafür kein Verständnis. Die Frage "Was willst Du denn damit machen?" habe ich oft gestellt bekommen und, wenn ich ehrlich bin, wusste ich das gar nicht so genau. Ich hatte damals keine klare Vision von meiner beruflichen Zukunft, ich wusste nur, welche Inhalte mich interessieren.

 

Kaum war ich mit den beiden Studien fertig, habe ich dann eine Stelle am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien bekommen. 10 Jahre habe ich dort gearbeitet. Ich habe geforscht, publiziert, promoviert, viele, viele Lehrveranstaltungen gehalten, Studierende betreut und mich um eine Menge anderer Dinge gekümmert (von der PR des Instituts bis zur Organisation von großen Exkursionen ins Ausland). Rückblickend war es die perfekte Schulung für das, was ich jetzt mache – dazu gleich mehr.  

 

Als meine befristete Uni-Stelle ausgelaufen ist, habe ich erst einmal freiberuflich gearbeitet: als Schreibcoach für Studierende, als Wissenschaftlerin und Ausstellungskuratorin. 2011 habe ich dann die Schreibwerkstatt gegründet. Seitdem bin ich ... ja, was denn eigentlich? Auf jeden Fall einmal Unternehmerin, aber das ist ja nicht alles.

Ich bin ...

Schreibcoach bzw. -beraterin

Zunächst einmal bin ich Schreibcoach bzw. -beraterin. Ich begleite und unterstütze Menschen bei ihren Schreibprojekten: Studierende, die mit ihrer Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation nicht vorankommen, aber auch Menschen, die ein Sach- oder Fachbuch planen. Ich biete Einzelcoachings und Workshops an, arbeite aber auch als externe Lehrbeauftragte an mehreren Universitäten. 

Texterin

Als Texterin bin ich v.a. im Marketing-Bereich tätig. Ich texte Webseiten, Flyer, Newsletter, Blog-Artikel etc. Manchmal schreibe ich die Texte von Grund auf neu, oft aber bekomme ich Texte auch mit der Bitte, sie zu verbessern oder umzuschreiben.  

Kunsthistorikerin

Als Kunsthistorikerin halte ich fallweise Lehrveranstaltungen an der Universität Wien und Vorträge. Mein aktuelles Buchprojekt ist eine Monografie über den Barockbaumeister Jakob Prandtauer (>> Website zum Buch).    

Demnächst auch: Social-Media-Beraterin

Sonst bin ich gerade dabei, die Social-Media-Werkstatt aufzubauen. Facebook & Co. haben mich in ihren Bann gezogen, so dass ich seit letztem Jahr auf diesem Gebiet eine Ausbildung mache, um demnächst dann mit Social-Media-Beratung zu starten. Mein Arbeitsschwerpunkt wird der Einsatz von Social Media für Unternehmen aus dem Kunst-, Kultur- und Wissenschaftsbereich sein (Museen, Konzertveranstalter, Forschungsinstitutionen, Universitäten etc.).

Und die Antwort auf die oben gestellte Frage?

Sie fällt unterschiedlich aus. Sie hängt davon ab, mit wem ich spreche. Abhängig von meinem Gegenüber besteht dann meist auch Erklärungsbedarf (kein Wunder), dem ich bei Interesse gerne nachkomme. Ich habe mich inzwischen gut damit abgefunden, dass ich in keine Schublade passe. Dennoch gibt es einen natürlich gemeinsamen Nenner meiner verschiedenen Aktivitäten, und der heißt "Kommunikation". 

Update (Juni 2013)

Ich habe den einjährigen Diplomlehrgang "Social-Media-ManagerIn" an der Werbeakademie Wien abgeschlossen. Hurra!  :) 

Abbildungsnachweis:
Pixabay

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Kommentare: 8
  • #1

    Reni Herz (Sonntag, 24 März 2013 20:20)

    Spannend, dies zu lesen. Ich finde mich in diesen Zeilen sehr wieder.

    Auch ich passe in keine Schublade und muss mich oft erklären, weil meine berufliche Biographie ebenfalls nicht der Norm entspricht. "Eine hauptberuflich selbständige Sprachlehrerin? Ja warum arbeiten Sie denn nicht an einer Schule?" - So werde ich oft gefragt. Das ist eine lange Geschichte und manchmal weiß ich nicht so recht, wie ich sie sinnvoll verkürze, damit mein Gegenüber sie wieder irgendwie in seinen Schubladen unterbringt :)

    Ich finde es jedenfalls spannend, nicht die Autobahn genommen zu haben, sondern viele Seitenstraßen, denn nur so konnte ich an dem Platz ankommen, der mir entspricht.

  • #2

    Huberta Weigl (Sonntag, 24 März 2013 20:29)

    Liebe Reni,

    das klingt unglaublich gut! Man sollte einfach seinen Weg gehen, auch wenn das nicht immer leicht ist.

    Dein Beispiel zeigt, dass man sich von einer Lehrerin eben erwartet, dass sie an einer Schule arbeitet. Aber, nix da! Es gibt auch andere Möglichkeiten.

    Was mich betrifft, so weiß ich nicht, ob ich in 10 oder 15 Jahren noch das mache, was ich heute mache. Der Platz kann sich also durchaus wieder ändern. Vor 2 Jahren wusste ich nicht, dass ich ein Unternehmen gründen werde. Viele Dinge sind gar nicht absehbar.

    Herzlichen Gruß
    Huberta

  • #3

    Cedric Huss (Mittwoch, 27 März 2013 10:39)

    Liebe Huberta

    Auch mir gefällt dieser Artikel sehr gut. Zum einen kenne ich als freischaffender Tänzer die Erklärungsnot, wenn es um den Beruf geht, obwohl die Berufsbezeichnung die Tätigkeit ziemlich gut umschreibt. Für viele Menschen ist dieser Beruf dann doch sehr exotisch. Wenn ich dann an meine Erklärungen noch hinzufüge, dass ich Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft studiere, verstehen einige nur noch "Bahnhof". Was mir aber an deinem Artikel noch fast besser gefällt, ist, dass er wunderbar aufzeigt, dass auch individuelle Lebensläufe zu beruflichem Erfolg führen können. Ich denke mit Selbstbewusstsein, Kreativität und Fleiß lassen sich noch einige Nische(n) finden.

    Liebe Grüße

    Cedric

  • #4

    Huberta Weigl (Mittwoch, 27 März 2013 13:17)

    Lieber Cederic,

    danke für deinen anregenden Kommentar. Du verbindest auf wunderbare Weise Praxis und Theorie. Ich kann gut nachvollziehen, dass auch du, abhängig mit wem du gerade sprichst, in den Augen deines Gegenübers Fragezeichen siehst.
    Und ja, es gibt sie, die Nischen. Ich bin mir sicher, dass du die richtige Nische für dich findest (zumal ich dich ja auch kenne)!

    Herzlichen Gruß
    Huberta

  • #5

    Birgit Bauer (Samstag, 06 April 2013 17:15)

    Liebe Huberta,

    dein Blog bringt mich zum Schmunzeln - schön, dass es anderen auch so geht!

    Ich habe Biologie studiert (Passion Nr. 1) und während meines Studiums unendlich viel Nachhilfe gegeben. Na ja, Lehrerin werden wollte ich nie - wir haben ein paar in der Familie - aber um das Studium zu finanzieren, erschien mir der Job ideal.

    Wie es genau geschah, kann ich heute nicht mehr sagen, aber mit diesem Studentenjob legte ich letztendlich den Grundstein für meine erste Firma - einem Lerninstitut (Der Pauker). Allmählich weitete sich mein Arbeitsfeld aus und es entstand fast nebenher meine zweite Firma - Bildungsraum - Weiterbildung für Erwachsene...

    Puh, doch Lehrerin? Nein, in erster Linie Unternehmerin. Aber um meiner ersten und ursprünglichsten Passion - meiner Liebe zur Natur - treu zu bleiben und zugleich einer weiteren - dem Reisen - gerecht zu werden, begann ich vor ca. 15 Jahren damit, Naturreisen zu leiten. Selbständigkeit Nr.3 sozusagen. Und eine der besten :-)

    Der rote Faden? Ich bleibe mir selbst treu und gehe unterschiedlichsten Interessen nach. Schön, dass dies möglich ist. Und schön, dass ich in keine Schublade passe ;-)

    Herzliche Grüße, Birgit

    PS Übrigens, ich finde deine Schreibwerkstatt ganz prima.

  • #6

    Huberta Weigl (Samstag, 06 April 2013)

    Liebe Birgit,

    danke für Deine Zeilen. Ich habe in Studienzeiten übrigens auch fleißig Nachhilfestunden gegeben. Das Vermitteln hat mir damals schon Spaß gemacht. Aber beide hätten wir wohl nie geahnt, dass wir einmal ein Unternehmen gründen würden!
    Ich war gerade auf Deiner Website. Ihr habt ein spannendes Angebot.

    Herzlichen Gruß
    Huberta

  • #7

    jana (Mittwoch, 10 April 2013 08:55)

    Angesichts des selben Problems habe ich dann eine eigene Berufsbezeichnung fuer mich gefunden: Content creator. Ich schreibe bezahlterweiser Texte fuer das Internet, ist aber weder wissenschaftlich noch journalistisch noch sonstwie einzuordnen. New media, new jobs

  • #8

    Huberta Weigl (Mittwoch, 10 April 2013 14:01)

    Liebe Jana,

    ja, man kann die Berufsbezeichnung auch selbst formulieren. Why not - Hauptsache die Kunden wissen, was gemeint ist.

    Herzlichen Gruß
    Huberta Weigl