Mo

27

Mai

2013

Wie schreibt man einen Forschungsstand?

junges mädchen schreibend in bibliothek

In größeren wissenschaftlichen Arbeiten sowie in Uni-Arbeiten (Hausarbeit, Bachelor- oder Seminararbeit, Masterarbeit, Dissertation) ist es üblich, im Anschluss an die Einleitung einen kurzen Überblick über den Forschungsstand bzw. die Forschungslage zu geben.

Vielen Studierenden fällt das Schreiben eines Forschungsstandes jedoch schwer. Aus diesem Grund möchte ich das Thema heute einmal aufgreifen und ein paar Tipps dazu geben.

Wozu braucht man überhaupt einen Forschungsstand?

Wer wissenschaftlich arbeitet, stützt sich niemals nur auf eigenes, sondern immer auch auf fremdes Wissen. Meist macht erst das publizierte Wissen anderer die eigene Forschungsleistung möglich. Und wer wissenschaftlich arbeitet, muss deutlich machen, an welchen Stellen er sich auf das Know-how anderer stützt. Dies geschieht in Form von Hinweisen auf die verwendete Literatur (Belege, Zitate).

Für eine wissenschaftliche Arbeit zieht man in der Regel eine größere Menge an Literatur heran, wobei nicht jede Publikation gleich wichtig ist. Und genau an dieser Stelle kommt nun die Forschungslage bzw. der Forschungsstand ins Spiel. Hier geben Sie einen Überblick über die wichtigste Literatur, auf die Sie sich in Ihrer Arbeit stützen (die Meilensteine der Forschung zu Ihrem Thema).

Mit dem Forschungsstand

  • helfen Sie Ihren Leserinnen und Lesern, einen Überblick über die Literatur zu gewinnen. Wer Ihren Forschungsstand liest, weiß, zu welchen Publikationen er greifen soll, wenn er sich selbst in das Thema einarbeiten möchte.
  • sorgen Sie für Transparenz. Sie machen gleich zu Beginn deutlich, auf welche Fremdleistungen Sie sich maßgeblich beziehen. 
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Wie schreibt man einen Forschungsstand?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, einen Forschungsstand zu schreiben: Entweder ordnen Sie Ihren Literaturüberblick nach Themenkomplexen oder Sie geben einen rein chronologischen Überblick über die wichtigsten Publikationen. 

Auf keinen Fall sollten Sie den Forschungsstand zu voll packen. Es geht nicht darum, dem Leser zu zeigen, was Sie alles studiert haben (wie fleißig Sie waren), sondern um einen kompakten Überblick über die wichtigste Literatur.

Wichtig: Listen Sie die Literatur nicht nur auf, sondern erklären Sie, welchen Beitrag die jeweilige Publikation zum Erkenntnisgewinn geleistet hat. Also, zum Beispiel: Was hat der Autor als Erster erkannt oder hinterfragt? Es muss ja einen Grund geben, weshalb Sie die betreffende Publikation unter die Meilensteine reihen – und den sollten Sie dem Leser deutlich machen.

Beispiele:
XY hat 1950 erstmals dargelegt, dass ...

Die wichtigste Literatur zum Thema A ist nach wie vor der Aufsatz von XY, der aufzeigt, dass die Ergebnisse ...

Nach wie vor grundlegend ist die Monografie von XY. Sie arbeitet deutlich heraus ...
Im Unterschied zu X hat Y in seiner 2011 erschienenen Arbeit ... 


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Vergessen Sie nicht auf die Literaturbelege

stuent vor bücherregal

Beachten Sie bitte, dass Sie nicht auf die Literaturbelege vergessen dürfen. Sobald Sie eine bestimmte Publikation ansprechen oder einen Autor nennen, müssen Sie den zugehörigen Beleg anführen!

Wenn Sie also etwa darauf hinweisen, dass sich Hans Sedlmayr 1956 in seiner Monografie über Johann Bernhard Fischer von Erlach umfassend mit der Karlskirche beschäftigt hat, dann müssen (!) Sie eine Fußnote setzen oder in einer Klammer einen Literaturbeleg geben. Da es sich um eine selbständige Publikation (Künstlermonografie) handelt, müssen Sie darüber hinaus auch die betreffenden Seiten zur Karlskirche anführen. 

Zum Schluss ein Beispiel für einen Forschungsstand

Ich werde immer wieder nach Beispielen für einen Forschungsstand gefragt. Am besten nehmen Sie einmal umfassendere wissenschaftliche Publikationen oder Uni-Arbeiten zur Hand und schauen, wie der Forschungsstand gelöst wurde (im positiven wie auch im negativen Sinn). Durch Abschauen bzw. kritisches Lesen kann man sehr viel lernen! Abschlussarbeiten der Universität Wien können Sie übrigens ganz leicht auf Othes abrufen.

Ich lade Ihnen zum Abschluss hier auch noch den Forschungsstand meiner Diplomarbeit hoch. Die Arbeit befasst sich mit dem barocken Stiftsbau von Klosterneuburg (und wurde letztendlich dann in zwei großen Aufsätzen publiziert). Bitte beachten Sie, dass der Text aus dem Jahr 1997 stammt und noch nach der alten Rechtschreibung verfasst ist. Ich stelle den Text unverändert ins Netz. 

Dipl.arbeit, Klosterneuburg, 1997.pdf
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Abbildungsnachweis:
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Kommentare: 3 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Alex (Freitag, 08 Januar 2016 14:30)

    Das war sehr hilfreich, dankeschön!

  • #2

    Huberta Weigl (Samstag, 09 Januar 2016 16:56)

    Gerne!

  • #3

    Anna (Donnerstag, 14 April 2016 15:23)

    Danke!