So

07

Jul

2013

Das Schlusskapitel einer Bachelor- oder Masterarbeit

Vielleicht sitzen Sie gerade am Schlusskapitel der Bachelorarbeit oder Masterarbeit und fragen sich, was Sie da eigentlich schreiben sollen, schließlich haben Sie doch schon alles gesagt. Möglicherweise ist bei Ihnen auch gerade so richtig die Luft raus: Einleitung und Hauptteil der Bachelor- oder Masterarbeit sind fertig und Sie haben überhaupt keine Lust, jetzt noch das Schlusskapitel anzupacken.

Im heutigen Blog-Artikel möchte ich Ihnen zeigen, welche Aufgaben das Schlusskapitel hat, was da hinein gehört und warum Sie es nicht vernachlässigen sollten. Wenn Sie das Schlusskapitel der Bachelorarbeit oder Masterarbeit schreiben, sollten Sie nochmals alle Kräfte sammeln – und dann mit aller Sorgfalt auf zum Endspurt!

Die Funktionen des Schlusskapitels

Bevor Sie mit dem Schreiben eines Textes beginnen, ist es immer gut, wenn Sie sich überlegen, welchen Zweck er erfüllt bzw. welchen Nutzen er für die Leser hat. Das Schlusskapitel Ihrer Bachelor- oder Masterarbeit erfüllt zwei Aufgaben:

  • Für den Leser, der Ihre Bachelorarbeit oder Masterarbeit zum ersten Mal zur Hand nimmt, dient es als Orientierung. Dieser Leser studiert zuerst einmal nur die Einleitung und das Schlusskapitel. Auf der Basis dieser beiden Kapitel entscheidet er, ob er die Arbeit überhaupt liest (haben Sie im Auge, dass Sie ja nicht nur für die Gutachterin bzw. den Gutachter schreiben, sondern für ein breiteres Fachpublikum). Das Schlusskapitel ist also eine Entscheidungshilfe
  • Und wer die ganze Arbeit oder wesentliche Teile davon gelesen hat, ist dankbar, wenn er am Ende nochmals die wichtigsten Ergebnisse in komprimierter Form präsentiert bekommt. In diesem Fall ist das Schlusskapitel eine Merkhilfe.

 

Das Schlusskapitel fasst immer die Ergebnisse Ihrer Arbeit zusammen. Den Weg zu diesen Ergebnissen haben Sie im Hauptteil ausführlich dargelegt, nun geht es nur mehr um die hard facts. Wenn wichtige Fragen offengeblieben sind oder Sie während des Arbeitsprozesses auf neue Fragen gestoßen sind, sprechen Sie das ruhig an. Wissenschaftlich zu arbeiten, bedeutet in den „Wunden der Forschung“ zu bohren. Wenn Sie in Kenntnis der Literatur zu Ihrem Thema im Schlusskapitel auf offene Fragen und weiterführende Aspekte hinweisen, zeigt das, dass Sie verstanden haben, wie Forschung funktioniert.

Das Schlusskapitel gibt Antwort auf folgende Fragen

  • Was sind die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit? Was sollten sich die Leser zusammenfassend merken?
  • Sind während des Arbeitsprozesses unvorhergesehene Schwierigkeiten aufgetreten? Wenn ja, welche? Konnten Sie sie lösen?
  • Sind Sie auf offene Fragen gestoßen, die man in einer weiteren Arbeit untersuchen sollte? Wenn ja, welche Fragen waren das?

Kapitelbezeichnung

An manchen Universitäten oder Fachhochschulen gibt es Vorgaben, die genau regeln, wie das letzte Kapitel bezeichnet werden soll. Wenn Sie keine Vorgaben haben, können Sie die Überschrift des Schlusskapitels frei wählen. Hier ein paar Anregungen:  

 

Schluss

Fazit

Zusammenfassung

Resümee

Ergebnisse

Zusammenfassung und Ausblick

Zusammenfassung und Ausblick auf Forschungsdesiderate
etc.


Überlegen Sie sorgfältig, welche Bezeichnung am besten zu Ihrem Schlusskapitel passt.  

Und wie lang soll das Schlusskapitel sein?

Für die Länge des Schlusskapitels gibt es keine Faustregel. Im Falle einer Bachelor- oder Masterarbeit umfasst es meist ein bis drei Seiten. Es ist wichtig, dass die Länge des Schlusskapitels in einem angemessenen Verhältnis zum Umfang der gesamten Arbeit steht. Wenn Ihre Arbeit also 40 Seiten hat, werden Sie die Ergebnisse niemals in einem kurzen Absatz zusammenfassen können.

 

Ich mache übrigens oft die Erfahrung, dass Studierende das Schlusskapitel in einer Nacht- und Nebelaktion unter großem Zeitdruck schreiben. Das ist nicht optimal. Sie sollten es genauso sorgfältig wie alle anderen Kapitel zu Papier bringen, denn, wie bereits gesagt, manch ein Leser entscheidet anhand der Randkapitel, ob er die Arbeit überhaupt liest. Und wenn Ihre Betreuerin oder Ihr Betreuer das Gutachten schreibt bzw. die Note endgültig festlegt, schaut sie bzw. er sich nochmals in erster Linie die Einleitung und das Schlusskapitel an. 

 

Das könnte Sie auch noch interessieren:
Wie schreibt man eine Einleitung?
Wie schreibt man einen Forschungsstand?
Test: Laufen Sie Gefahr, ein Plagiat zu verfassen?

Abbildungsnachweis:
Pixabay, Nemo 

- Schreibcoaching via Skype -
Sie brauchen kurzfristig Hilfe bei Ihrer Hausarbeit, Bachelor- oder Masterarbeit? Sie kommen mit Ihrer Dissertation nicht so richtig voran?
Als wissenschaftlicher Schreibcoach unterstütze ich Sie gerne.
Klicken Sie >> hier für Infos!

PS: Ghostwriting ist für mich als Wissenschaftlerin tabu.

Kommentar schreiben

Kommentare: 10
  • #1

    Mehmed Saral (Freitag, 24 Oktober 2014 20:37)

    "Ich mache übrigens oft die Erfahrung, dass Studierende das Schlusskapitel in einer Nacht- und Nebelaktion unter großem Zeitdruck schreiben."
    Allerdings! Mein Tipp ist, dass man natürlich zum einen rechtzeitig anfängt zu schreiben, um diesen Druck gar nicht erst aufkommen zu lassen. Zum anderen habe ich die Erfahrung gemacht, dass es eigentlich ganz gut ist, wenn man sich eine Woche lang oder so vor dem Schreiben des Schlusskapitels eine Auszeit von der Abschlussarbeit nimmt. So gewinnt man die notwendige Distanz und Obejektivität zur eigenen Arbeit aus Einleitung und Hauptteil. Außerdem steigt dann die Motivation für den Endspurt und es kommt ein besserer Text bei raus.
    Grüße
    Mehmed

  • #2

    Huberta Weigl (Samstag, 25 Oktober 2014 07:54)

    Dieser Weg ist optimal!

    Beste Grüße
    Huberta Weigl

  • #3

    Saadet (Mittwoch, 28 Januar 2015 11:23)

    Sehr hilfreicher Artikel!
    So und nicht anders wirds gemacht. Vielen Dank Dafür!

    :)

  • #4

    Heike (Donnerstag, 05 Februar 2015 16:25)

    Oh man oh man o.O
    Ich sitze gerade an meiner BA und bin mit dem letzten Kapitel komplett überfordert. Ich werde mir jetzt zwei/drei Tage Zeit nehmen. Danach hoffe ich auf eine Erleuchtung :D Dieser Artikel hat mir auf jeden Fall geholfen, über die Art und Weise wie ich an das letzte Kapitel ran gehe, mehr Klarheit zu bekommen. Danke :)

  • #5

    Huberta Weigl (Donnerstag, 05 Februar 2015 17:48)

    Liebe Heike,

    ich freue mich, wenn Ihnen der Artikel hilft. Ich habe auf Facebook auch eine Studentenschreibgruppe. Zu finden unter: Schreibwerkstatt (Studentengruppe): Schreiben im Studium - Lust statt Frust

    Herzlichen Gruß
    Huberta Weigl

  • #6

    Sabrina (Donnerstag, 17 Dezember 2015 09:54)

    Hallo Huberta,
    mit großem Interesse habe ich deinen Artikel gelesen und er hat mir wiklich sehr weitergeholfen. Ich verfasse derzeit meine diplomarbeit in zusammenarbeit mit einem unternehmen. ich habe einen kleinen theorieteil und der rest der arbeit widmet sich der praktischen anwendung des themas.
    ich weiß nur leider nicht, welchen beitrag ich der wissenschaft damit gebe.

    Haben Sie irgendwelche tipps, wie man eine praktische diplomarbeit abschließen könnte?

    LG,
    Sabrina

  • #7

    Huberta Weigl (Donnerstag, 17 Dezember 2015 18:38)

    Liebe Sabrina,

    ich denke, dass für die Wissenschaft v.a. Ihr praktischer Teil interessant sein wird, weil Sie hier Neues referieren.

    Übrigens: Vielleicht haben Sie ja Lust und wollen in meine Facebook-Studentenschreibgruppe kommen? https://www.facebook.com/groups/SchreibwerkstattStudentengruppe/

    Herzlichen Gruß
    Huberta Weigl

  • #8

    Micha (Sonntag, 15 Mai 2016 08:09)

    Hallo,

    ich habe auch mal eine kurze Frage: Nachdem man nun 50 Seiten stark darauf geachtet, um Gottes Willen jeder Äußerung mit Quellen zu belegen, fühlt sich das Fazit nun echt komisch an. Ist es denn Ihrer Meinung nach richtig, dass ein Fazit keinerlei Verweise mehr braucht, wenn man sich die eigenen Ideen und Überlegungen zum Schluss aus der Arbeit ergeben? Oder sollte man gezielt auf Textstellen der eigenen Arbeit verweisen?

    liebe Grüße

  • #9

    Huberta Weigl (Sonntag, 15 Mai 2016 08:32)

    Lieber Micha,

    wenn Sie die Ergebnisse wirklich nur zusammenfassen, müssen Sie keine Belege setzen.
    Belege wären in der Zusammenfassung notwendig, wenn Sie nochmals eine bestimmte Publikation oder einen bestimmten Autor erwähnen oder ein wörtliches Zitat machen.

    Frohes Schaffen und beste Grüße
    Huberta Weigl

  • #10

    Martin VB (Montag, 06 Juni 2016 09:58)

    @Mehmed

    die Distanz zur Arbeit bekomm ich jeden morgen wenn ich aufsteh und weiß das ich keine Zeit mehr hab bis kommenden Donnerstag

    LG MVB