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02

Sep

2013

Brief und E-Mail: Welche Anrede ist passend?

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Vor ein paar Tagen hat Martina Bloch, die Unternehmen bei der Kundenakquise berät, auf Twitter folgende Frage gestellt: Wie beginnen Sie Ihre E-Mails an Kunden? Sehr geehrte ..., Guten Tag ..., Hallo ..., Liebe ...?

Der Tweet ist für mich Anlass, das Thema der richtigen bzw. passenden Anrede in beruflichen E-Mails und Briefen aufzugreifen, u.a. auch deshalb, weil ich mich selbst manchmal über Anreden wundere. Der Artikel ist daher bewusst persönlich gefärbt, zumal ja die Wahl der passenden Anrede in einem Mail oder Brief ist selbstverständlich immer auch eine Geschmacksfrage ist. Dazu gleich mehr!

Sehr geehrte Frau ... bzw. Sehr geehrter Herr ....

Wenn Sie mit dem Adressaten Ihres Schreibens (egal, ob es nun ein Brief oder ein Mail ist) noch keinen Kontakt hatten, sind Sie mit der Formulierung Sehr geehrte Frau XY bzw. Sehr geehrter Herr XY auf der sicheren Seite. Sie ist nämlich höflich und respektvoll. Wenn Sie diese Anrede wählen, können Sie nichts falsch machen!

Sollten Sie den Namen Ihrer Ansprechperson nicht kennen, schreiben Sie übrigens am besten Sehr geehrte Damen und Herren. Verwenden Sie diese Anrede aber nur in Ausnahmefällen, genau gesagt dann, wenn es Ihnen unmöglich ist, den Namen Ihres Ansprechpartners herauszufinden. Bequemlichkeit sollte nicht dazu führen, ein Mail oder einen Brief an "unbestimmt" zu schicken. Die Chance, dass Ihr Anliegen gehört wird, ist nämlich immer größer, wenn Ihr Mail oder Brief an eine konkrete Person (und zwar die richtige) adressiert ist.

Liebe Frau ... bzw. Lieber Herr ...

Auch mit dieser Anrede können Sie nicht viel falsch machen. Halten Sie sich aber vor Augen, dass Sie bereits persönlicher als Sehr geehrte/r ist. Ich verwende im Erstkontakt in der Regel Sehr geehrte/r und steige dann, vor allem in Mails, gerne auf Liebe/r um.

Guten Tag, Frau ... bzw. Guten Tag, Herr ...

Diese Anrede ist sehr gebräuchlich – wie mir scheint, aber vor allem in Deutschland. In meinen (österreichischen) Ohren klingt sie etwas steif. O.k. ist sie aber allemal. Schwieriger ist es schon mit dem österreichischen Grüß Gott. Manche Menschen finden diese Anrede charmant (ich zähle dazu), andere wiederum lehnen sie radikal ab, weil sie sie wörtlich nehmen und den Gottesbezug unangemessen finden. 

Hallo, Frau ... Hallo, Herr ...

Hier scheinen sich die Geister zu scheiden: In dem Ratgeber Briefe und E-Mails gut und richtig schreiben (Duden Verlag) findet sich auf Seite 48 der Hinweis, dass die Anrede Hallo in E-Mails weit verbreitet und durchaus erlaubt ist – und zwar auch unter Geschäftsleuten, die sich siezen, sofern (wichtig!) ihr Umgangston etwas lockerer ist. In Briefen hingegen ist ein Hallo unter Geschäftsleuten nicht üblich

Ich persönlich würde nicht dazu raten, ein Hallo in einem Erstkontakt via Mail zu verwenden. Ich empfinde es als unpassend. Diese Form der Anrede ist mir zu persönlich. Ich verwende Hallo übrigens auch dann nicht, wenn ich mit jemanden bereits länger hin und her maile – es sei denn, wir sind per Du! Jemanden, mit dem ich per Sie bin, spreche ich mit Sehr geehrte/r ... bzw. Liebe/r ... an.


Ausgehend von Martina Blochs Tweet habe ich übrigens gestern auf meiner Facebook-Seite die Frage gestellt, ob ein Hallo in der Anrede eines Kundens beim Erstkontakt in Ordnung ist oder nicht. Die Resonanz auf die Frage war überwältigend groß (an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an meine Community!) und der Tenor war eindeutig "nein". Allerdings wurde auch darauf hingewiesen, dass es auf das Alter des Absenders bzw. Empfängers und die Branche ankommt. 

Hi, Frau ... Hi, Herr ...

Diese Anrede ist sehr salopp und nahe am Du. Wenn Sie jemanden nicht richtig gut und v.a. nicht persönlich kennen, wählen Sie besser eine andere Anrede. 

Achten Sie auf die Rechtschreibung, vor allem die Kommas

Nach dem Familiennamen der Empfängerin oder des Empfängers kommt ein Komma. Nach diesem Komma müssen Sie klein weiterschreiben, es sei denn, es folgt ein Hauptwort. Und zwischen der Anrede und dem folgenden Text gehört eine (halbe) Leerzeile. Hier ein Beispiel:

 

Sehr geehrter Herr Müller,

 

nachdem wir gestern bereits miteinander telefoniert haben, ...

 

Ob Sie nach dem Hallo bzw. dem Guten Tag ein Komma setzen wollen, wenn dann noch der Name Ihrer Ansprechperson folgt, bleibt Ihnen überlassen (siehe die Antwort von Dr. Bopp). 

Drei Tipps zum Schluss

  • Stimmen Sie die Anrede auf die Empfängerin bzw. den Empfänger Ihres Mails oder Briefes ab. Je besser Sie einander kennen, desto lockerer darf die Anrede sein.
  • Wenn Sie sich unsicher sind, welche Anrede passend ist, greifen Sie lieber zu einer etwas förmlicheren Anrede. Mit Sehr geehrte Frau XY bzw. Sehr geehrter Herr XY können Sie nichts falsch machen.
  • Haben Sie im Auge, dass die Wahl der Anrede, immer auch etwas über Sie aussagt.   
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Kommentare: 8
  • #1

    Nicole Heusser (Montag, 02 September 2013 14:06)

    Ich habe die Diskussion die diesem Blogbeitrag vorangegangen ist, auf Facebook mit Interesse verfolgt. Allerdings stellte sich mir dann eine ganz andere Frage.

    Auf Facebook etc. ist es ja üblich, Fans, also auch (potentielle) Kunden auf der eigenen Fanseite mit "Du" anzusprechen.

    Eine Strategie die ich nicht verfolge, bzw. elegant umgehe, indem ich all meine Postings auf English verfasse, da dies auch passend zu meinem Angebot ist, da ich mal eine Umfrage bei meinen Kunden machte (mit denen ich nur in Ausnahmefällen per Du bin) und ich weiss, dass dieser "saloppe" Umgangston bei meiner Kundschaft eher nicht ankommt (vorwiegend Business English).

    Wieso regt man sich einerseits auf über eine "Hallo" Anrede im Email, duzt aber andererseits auf Fanpages mal auf's Geratwohl?

    Und wenn diese Fans dann tatsächlich Kunden werden, werden diese auch einfach geduzt? Da scheint es in meinen Augen eine Diskrepanz zu geben :-)

  • #2

    Huberta Weigl (Montag, 02 September 2013 14:18)

    Dieser Einwand ist absolut berechtigt. Und ja, auf Englisch stellt sich dieses Problem in der Tat nicht!

    Ich habe lange gezögert, meine Fans auf Facebook zu duzen. Zuerst war ich per Sie, dann habe ich mit Querstrich (Du/Sie) gepostet, letztendlich bin ich aber zum Du übergangen, weil es mir für die Schreibwerkstatt stimmig erscheint.

    Ich mache auf Facebook übrigens die Erfahrung, dass man sich in PNs oder beim Erstkontakt abseits des Internets dann durchaus siezt.

    Zu dem Thema "Du oder Sie auf Facebook" habe ich auf der Website der Social-Media-Werkstatt einen Blog-Artikel geschrieben:
    >> http://www.social-media-werkstatt.at/2013/02/09/du-oder-sie/

    Ich werde den Link gleich noch in den Blogartikel packen.

    Danke für den kritischen Einwand und herzlichen Gruß
    Huberta (Weigl)

  • #3

    Nicole Heusser (Montag, 02 September 2013 14:36)

    Danke für den zweiten Link!

    Das mit dem Querstrich finde ich übrigens für Facebook eine gute Lösung, werde ich mir merken, falls ich doch wieder mal etwas auf Deutsch posten möchte auf meiner Fanseite.

    Ich finde das ein sehr spannendes Phänomen, da hier doch irgendwie noch zwei Welten aufeinander prallen, auch bei mir!

    Herzlichen Gruss zurück,
    Nicole

  • #4

    Birgit Schinnerl (Dienstag, 17 Februar 2015 04:49)

    Die Beiträge sind immer sehr spannend! Ich hatte den Eindruck, als ob "du" wieder vermehrt mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben wird. Stimmt das? Danke, LG, Birgit

  • #5

    Huberta Weigl (Dienstag, 17 Februar 2015)

    Liebe Bigit,

    danke für das positive Fedback. "Du" kann man in Briefen, E-Mails und SMS großschreiben.
    In der Lektorengruppe auf Facebook gab es unlängst zu dem Thema eine Diskussion. Der Tenor war, dass ein großgeschriebenes Du heute etwas altmodisch wirkt.

    Herzlichen Gruß
    Huberta

  • #6

    Denis (Freitag, 10 April 2015 21:32)

    Herzlichen Dank für die vielen hilfreichen Tipps!

    Als "AustroPiefke" (15 Jahre in Österreich) wurde mir immer eingebläut: Härst Daitscha, däs haast bei uns: Werter Herr Musstermann!

    Wie verhält es sich nun mit dem "Werte Damen und Herren!"?

    Herzlichen Dank vorab!

  • #7

    Huberta Weigl (Freitag, 10 April 2015 21:55)

    Lieber Denis,

    das ist eine ausgesprochen altmodische Anrede, zu deren Verwendung ich nicht raten würde. Sie ist auch bestimmt nicht mehr häufig zu lesen bzw. zu hören.

    Beste Grüße
    Huberta Weigl

  • #8

    AngelLuck (Mittwoch, 22 Juni 2016 12:35)

    Ich bin gerade zufällig hier gelandet als ich nach einer unisex Anrede gesucht habe.
    Da ich vor einiger Zeit von meinem Chef ziemlich eins auf den Deckel bekommen habe, weil ich eine Kundin unwissentlich mit Herr angesprochen habe. In unseren Datenbeständen gab es entweder gar keinen Vornamen oder an anderer Stelle stand bei Vorname "HR". Tja ich kenne keinen Vornamen der HR lautet und kann somit auch nicht ableiten ob es sich um Männlein oder Weiblein handelt. Ich hatte es stattdessen als Abkürzung für Herr interpretiert.

    Daher fände ich die Einührung von unisex Anreden wirklich super. Am besten inklusive unisex Berufbezeichnungen.

    Zur Anrede im beruflichen Umfeld schreibe ich normalerweise "Sehr geehrte Frau" oder eben die männliche Variante. Wie gesagt mit unisex Anrede wärs einfacher.
    "Sehr geehrtes Menschlein XY" wäre da dann mein Vorschlag.

    Hallo verwende ich im beruflichen Umfeld, wenn man einen etwas lockeren Umgangston pflegt oder das Du sowieso üblich ist.

    "Liebe/r XY" ist für mich eine sehr persönliche Anrede, verwende ich ausschließlich bei Verwandten oder wirklich sehr engen Freunden. Würde mir nicht in den Sinn kommen sie im Geschäftlichen Umfeld einzusetzten.
    Ausnahme gibt es hier nur, wenn eine vielzahl von Personen angesprochen werden soll. z..B. Liebe Mitarbeiter, Liebe Community oder ähnlches.

    Im Internet Dutz ich eignetlich grundsätzlich alles und jeden. Ich finde das ist einfach der im Ineternet vorherschende Umgangston. Da blitzt ein Sie immer eher unangenehm aus der Masse hervor. Ausnahme ist natürlich wenn das ganze einen geschäftlichen Kontext hat. Würde mir nicht einfallen einen Händler mit Du anzuschreiben.

    LG
    AngelLuck