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04

Dez

2013

Wie schreibt man ein Abstract?

abstract schreiben

Ein Abstract ist ein Text, der Ihre Leser in kompakter Form über den Inhalt Ihrer wissenschaftlichen Arbeit (Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation) informiert. Die Länge ist in der Regel vorgegeben und beträgt meist rund 1.000 bis 1.500 Zeichen inkl. Leerzeichen. Das Abstract ist also sehr kurz, dennoch ist es nicht leicht ein gutes Abstract zu schreiben. Hier nun ein paar Tipps für Ihr Abstract!

Wohin mit dem Abstract?

Bei einer Masterarbeit oder Dissertation folgt das Abstract zumeist direkt nach dem Titelblatt, es steht also vor dem (optionalen) Vorwort und dem Inhaltsverzeichnis. Dem Abstract wird kein eigener Gliederungspunkt zugewiesen. Das erste mit einer Ziffer versehene Kapitel ist die Einleitung („1 Einleitung“).

Die Inhalte: Was gehört alles in ein Abstract hinein?

Im Abstract sollten Sie auf folgende Aspekte eingehen:

  • übergeordnete Bedeutung des Themas
  • Fragestellung der Arbeit
  • wichtigste Thesen
  • wissenschaftliche Methode
  • Schlussfolgerungen / Ergebnisse

Tipps für das Schreiben eines Abstracts

  • Formulieren Sie das Abstract in der Gegenwart. Legen Sie dar, was die Arbeit leistet. Es geht nicht darum, was die Arbeit leisten wird.
  • Wählen Sie einen spannenden Einstieg in Ihr Abstract, wiederholen Sie im Einstiegssatz also nicht den Titel der Arbeit ("Die vorliegende Arbeit befasst sich mit [Titel]").
  • Schreiben Sie das Abstract erst, wenn die gesamte Arbeit fertig ist. Die Grundlage für das Abstract bilden die Einleitung und das Schlusskapitel (Zusammenfassung). Die Inhalte dieser beiden Kapitel finden in stark geraffter Form Eingang in das Abstract.
  • Auch wenn es Ihnen auf den ersten Blick mühsam erscheint: Kopieren Sie nicht Sätze aus der Einleitung oder dem Schlusskapitel in Ihr Abstract, sondern schreiben Sie das Abstract neu. Nur so wird es Ihnen gelingen, einen aussagekräftigen Text zu formulieren.

Der Unterschied zwischen einem Abstract und einer Zusammenfassung

Abstract

Umfang: vorgegeben (meist 1.000 bis 1.500 Zeichen inkl. Leerzeichen).

Kompakte Zusammenfassung der Arbeit, jedoch nicht chronologisch. Nennung der zentralen Thesen und Ergebnisse.

Nur Text. In der Regel keine Zitate und daher auch keine Belege (Ausnahme: wörtliche Zitate).

Kein Hinweis auf offene Fragen.

Zusammenfassung

Umfang: nicht festgelegt. Die Zusammenfassung / das Schlusskapitel ist in der Regel deutlich länger als das Abstract.

Kann die Arbeit (Hauptteil) chronologisch zusammenfassen. Die Reihenfolge der Gedanken kann sich also am Inhaltsverzeichnis orientieren.

Falls auf Literatur Bezug genommen wird oder zitiert wird, sind Belege zwingend notwendig.

Hinweis auf offene Fragen möglich.


Die Rolle des Abstracts im Wissenschaftsbetrieb

junger mann mit buch in bibliothek

Im Wissenschaftsbetrieb dient ein Abstract als Entscheidungshilfe. Wissenschaftler überlegen sich anhand des Abstracts, ob sie einen Text lesen oder nicht. Manchmal dient das Abstract auch als Kaufhilfe: Es gibt wissenschaftliche Publikationen, die online veröffentlicht werden und nur gegen Bezahlung als Ganzes abrufbar sind. In solchen Fällen entscheiden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf Grundlage des Abstracts, ob sie den gesamten Text erwerben wollen.

Mein Tipp, wenn Sie gerade ein Abstract für Ihre Masterarbeit oder Dissertation schreiben müssen: Stellen Sie sich vor, dass auch Ihr Abstract diese Funktion übernimmt. Sie werden dann leichter nachvollziehen können, welche Inhalte in das Abstract gehören, wie Sie es aufbauen und formulieren. Um auch nicht-deutschsprachigen Personen die wichtigsten Inhalte einer wissenschaftlichen Publikation zugänglich zu machen, ist ein Abstract übrigens oft in Englisch verfasst.

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Abbildungsnachweis:

Shutterstock.com: Oben: Bildnummer: 123726841, Urheberrecht: Karramba Production. Unten: Bildnummer: 117229009, Urheberrecht: wavebreakmedia

 

       

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Kommentare: 11
  • #1

    Marion Wind (Samstag, 31 Januar 2015 17:21)

    Liebe Frau Dr. Weigl,
    kann ein Abstract auch in der Wir-Form geschrieben werden ?
    Besten Dank,
    Marion Wind

  • #2

    Huberta Weigl (Samstag, 31 Januar 2015 18:23)

    Liebe Frau Wind,

    im Abstract sollten Sie darlegen, was die Arbeit leistet. Stellen Sie die Arbeit in den Vordergrund und nicht die Autoren. Ein "Wir" wäre in einer wissenschaftlichen Arbeit generell nur dann passend, wenn es ein Autorenteam gibt.

    Beste Grüße
    Huberta Weigl

  • #3

    Marion Wind (Sonntag, 01 Februar 2015 09:36)

    vielen lieben Dank für die prompte Antwort!

  • #4

    Johanna Bauer (Samstag, 07 Februar 2015 23:32)

    Sehr geehrte Frau Weigl!
    Könnten Sie "übergeordnete Bedeutung" genauer Beschreiben?

    MfG
    Johanna Bauer

  • #5

    Huberta Weigl (Sonntag, 08 Februar 2015 12:08)

    Liebe Frau Bauer,

    ja, klar. Hier ein Beispiel aus meinem Forschungsbereich:

    Ich kann eine Arbeit über das Stift Melk schreiben. Dabei befasse ich mich z.B. mit der Baugeschichte, der Rolle des Auftraggebers etc. Wenn ich nun aber wissen will, ob Melk (unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet) eine besondere Klosteranlage ist, muss ich sie mit anderen Klöstern vergleichen. Ich muss sie in einen übergeordneten Kontext einordnen.

    In meinen Lehrveranstaltungen bringe ich manchmal dieses einfache Beispiel: Wenn jemand über ein Glas schreibt, kann er sich mit dem Fassungsvermögen, dem Material, dem Design und vielen anderen Fragen beschäftigen. Wenn er aber herausfinden will, ob dieses Glas etwas Besonderes ist oder nicht (was als Erkenntnis auch völig ok wäre), muss er es mit anderen Gläsern vergleichen und in einem breiteren Kontext betrachten.

    Der übergeordnete Kontext ist letztendlich der Blick über den Tellerrand.

    Hilft Ihnen das weiter?

    Beste Grüße
    Huberta Weigl

    PS: Ich habe übrigens auf Facbeook eine Studentenschreibgruppe. Dort können Sie auch Fragen stellen.

  • #6

    Johanna Bauer (Sonntag, 08 Februar 2015 12:30)

    Ja, das hilft mir sehr weiter!!!
    Vielen Dank für die schnelle und genaue Antwort!

    MfG
    Johanna Bauer

  • #7

    Huberta Weigl (Sonntag, 08 Februar 2015 12:30)

    Gerne! :)

  • #8

    Klara Mohr (Dienstag, 12 Juli 2016 08:53)

    Liebe Frau Weigl,

    ich bewerbe mich für einen Master und muss dafür eine (1-2-seitige) Zusammenfassung meiner Bachelorarbeit einreichen. Diese Art der Zusammenfassung unterscheidet sich von einem Schlusskapitel, wie Sie es oben nennen, nehme ich an. Ich habe den Eindruck, dass die Anforderung eher einem Abstract ähnelt, aber ich weiß es nicht.

    Nun stehe ich vor der Frage, ob ich in ihr wirklich Belege anbringen muss, wenn ich auf Literatur Bezug nehme. Wie ist Ihre Einschätzung?

    Mit bestem Dank
    Klara Mohr

  • #9

    Huberta Weigl (Dienstag, 12 Juli 2016 09:20)

    Liebe Frau Mohr,

    wenn Sie auf Literatur Bezug nehmen, also etwa einen Autor nennen oder ein Zitat machen, sollten Sie schon Belege setzen. Ein Abstract ist meist so allgemein gehalten, dass keine Belege notwendig sind (keine Zitate, keine Nennung von Autoren). Man referiert einfach die wichtigsten Ergebnisse. So würde ich es in Ihrem Fall auch halten.

    Herzlichen Gruß
    Huberta Weigl

  • #10

    Klara Mohr (Dienstag, 12 Juli 2016 10:36)

    Herzlichen Dank für die Antwort, die auch noch so schnell kam!!!
    MFG
    Klara Mohr

  • #11

    Huberta Weigl (Dienstag, 12 Juli 2016 13:47)

    Gerne!