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03

Nov

2014

Was Sie tun können, wenn Ihre Studierenden Rechtschreibschwächen haben

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Löcher stopfen: Unterstützen Sie Ihre Studenten dabei!

Vor einigen Monaten hat Hannah Bethke, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität  Greifswald, auf den Sprachnotstand an den Universitäten hingewiesen.

Studenten können keine Rechtschreibung mehr, so der Titel ihres Gastbeitrags in der "Frankfurter Allgemeinen".

In dem Artikel spricht Hannah Bethke nicht nur klare Worte, sie spricht vielen Lehrenden auch aus der Seele. Tatsächlich haben viele Studierende erhebliche Probleme mit der Rechtschreibung und der Grammatik. Seminar- und Abschlussarbeiten sind mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern oft richtiggehend gespickt. Das Lesen solcher Arbeiten ist nicht nur nicht erfreulich. Es ist eine Zumutung (Hannah Bethke).

 

Die Gründe für die schlechten Rechtschreib- und Grammatikkenntnisse der Studierenden sind vielfältig. Ob junge Menschen heute tatsächlich weniger lesen oder ob sie vielleicht nur andere Textsorten lesen, sei hier dahingestellt. Auf jeden Fall verlassen viele junge Leute die Schule zwar mit der Matura in der Tasche, aber ohne ausreichende Kenntnisse in Rechtschreibung und Grammatik.

Jammern Sie nicht, sondern handeln Sie!

Bekanntlich nützt Jammern nur wenig. Auch Schuldzuweisungen an die Schulen, die ihrem Bildungsauftrag nicht gerecht werden, oder Klagen über das "böse Internet", das Schülerinnen und Schüler vom Lesen guter Bücher abhält, bringen nichts. Besser ist es, Sie handeln und unterstützen Ihre Studierenden beim Stopfen ihrer Rechtschreiblücken.

(Selbst-)Einstufung zu Beginn des Semesters

Lassen Sie die Studierenden in Ihrer Übung oder Ihrem Seminar gleich zu Beginn des Semesters einen kurzen Text schreiben (1–2 A4-Seiten genügen völlig), den Sie sorgfältig korrigieren. So können Sie die Rechtschreibkompetenz der einzelnen TeilnehmerInnen frühzeitig einstufen. Auf der Grundlage des Textes können Sie Studierenden mit Rechtschreibschwächen deutlich machen, dass sie aktiv werden müssen. Meiner Erfahrung nach stufen manche Studierende ihr Rechtschreibwissen nicht richtig ein oder bagatellisieren ihre Rechtschreibschwächen.

Sensibilisieren Sie Ihre Studenten für das Thema "Rechtschreibung"

Ich kenne Lehrende, die sich für bestimmte Themen schlichtweg als "nicht zuständig" erklären. Zu diesen Themen zählt auch die Vermittlung von Rechtschreibkompetenz. Tatsächlich ist es nicht die Aufgabe der Lehrenden, Studierenden Rechtschreibung beizubringen, allerdings gibt es auch keinen Grund, die Studierenden im Regen stehen zu lassen.

Man kann Studierende meiner Erfahrung nach für das Thema "Rechtschreibung" durchaus sensibilisieren. Das gelingt am besten, wenn man ihnen die Bedeutung von guten Rechtschreibkenntnissen nicht nur für den weiteren Verlauf des Studiums vor Augen führt, sondern ihnen vor allem deutlich macht, wie wichtig gute Rechtschreibkenntnisse auch für ihr späteres Berufsleben bzw. ihre Karriere sind. Dass ein zukünftiges Arbeitsumfeld (von den Vorgesetzten über die KollegInnen bis hin zu den KundInnen) von ihrer Rechtschreibung auf ihre Fachkompetenz (!) schließen wird, ist nur wenigen bewusst.

Zeigen Sie Lösungswege auf

Letztendlich sollten Sie Ihren Studierenden konkret aufzeigen, was sie tun können, wenn sie in der Rechtschreibung nicht sattelfest sind – und das ist doch eine Menge. Schauen Sie doch einmal in den Artikel >> So verbessern Sie Ihre Rechtschreibung! Hier finden Sie Tipps für Ihre Studierenden. Meiner Erfahrung nach ergreift ein Teil der Studierenden tatsächlich die Initiative und  holt das fehlende Wissen nach, oft sogar im Laufe des Semesters! 

 

 

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Abbildungsnachweis:

Pixabay, belu1004

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Kommentare: 2
  • #1

    Sonja Thauerböck (Montag, 03 November 2014 17:58)

    Ein hartes Stück Arbeit für den/die Vortregende/n!
    Wir hatten vor ein paar Jahren so einen Fall. Der Geografielehrer der Tochter meiner Freundin hatte es gewagt, im Geografietest auf Rechtschreibfehler hinzuweisen (natürlich ohne sie zu bewerten). Folge war eine sehr hitzige Diskussion, die letztlich zu einem Elternabend führte, bei dem die halbe Nacht lang darüber diskutiert wurde, ob er das als Geografieprofessor überhaupt darf. Darf er nicht, haben die Eltern damals beschlossen.
    Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Studierende, die vorher 18 Jahre ge- oder verhätschelt worden sind, plötzlich vernünftigen Argumenten zugänglich sind, bloß, weil diese jetzt von einem Juristen oder Betriebswirt kommen.
    Auch wenn ich Dir zustimme: spätere Kollegen werden von mangelnder Rechtschreibkompetenz auf mangelnde Fachkompetenz schließen - ich würde mich als Vortragende trotzdem nicht in dieses Hornissennest setzen!

  • #2

    Huberta Weigl (Montag, 03 November 2014 18:03)

    Liebe Sonja,

    danke für deinen Kommentar!

    Du bringst es auf den Punkt: Im Berufsleben wird von der Rechtschreibkompetenz auf die Fachkompetenz geschlossen. U.a. deshalb ist es so wichtig, dass Studierende in der Rechtschreibung eingermaßen sattelfest sind.

    Was die Lehrer betrifft: Die sind seit Herbst durchaus gefordert, betreuen sie doch alle zusammen vorwissenschaftliche Arbeiten (VwA). Und natürlich darf ein Geografieprofessor auf Rechtschreibfehler hinweisen.

    Lieben Gruß
    Huberta