Do

21

Aug

2014

Warum Studenten bloggen sollten

Gastartikel von Bettina Blaß, selbstständige Verbraucherjournalistin, Buchautorin & Dozentin

Weblogs – einst wurden sie als die Klowände des Internets verhöhnt. Heute scheinen sie längst überholt zu sein – gibt es doch What’s App, Facebook, Instagram und noch viel mehr Möglichkeiten, seine Meinung kundzutun. Tatsächlich ist Bloggen aber für viele Gesellschaftsgruppen sinnvoll – auch und gerade für Studenten.

Vor einigen Tagen habe ich einen Beitrag in meinem Blog darüber geschrieben, wie man Studenten fürs Bloggen begeistert. Ich habe ihn an einem Freitagmittag während der Sommerpause veröffentlicht und dementsprechend nicht mit besonders viel Resonanz gerechnet. Das Gegenteil war der Fall: Immerhin 157-mal wurde der Artikel seither gelesen, bei Twitter wurde er zehnmal, bei Facebook seither vierzehnmal geteilt. Das sind zwar keine umwerfenden Werte – aber die Zielgruppe ist klein, das Thema randig. Insofern bin ich über dieses Ergebnis durchaus erstaunt.


Es gab einige Kommentare auf den verschiedenen Plattformen – und immer wieder kam die Frage auf, ob denn nur Journalismus-Studenten bloggen sollten oder das Thema für alle Studierenden wichtig sei. Letzteres natürlich, ist meine ganz klare Meinung.

Vorteile des Bloggens

Bloggen kann in mehrfacher Hinsicht zu einem Karrierevorsprung führen.

1. Vorteil: Technikkenntnisse (Content-Management-System)

Bloggen kann in mehrfacher Hinsicht zu einem Karrierevorsprung führen. Die beiden wichtigsten Vorteile sind:


Wer bloggt, setzt sich mit einer Technik auseinander, nämlich der Software hinter dem Blog, in der Regel also mit einem Content-Management-System (CMS). Nun wird nicht jeder, der einen Uni-Abschluss hat, künftig mit einem solchen System arbeiten müssen, aber an neuer Software kommt kaum jemand vorbei.

Wer sich also mit einem Content-Management-System auseinandersetzt, beweist, dass er zumindest keine Angst davor hat, sich mit neuer Technik vertraut zu machen. Ganz bestimmt werden mit einem CMS künftig jedoch diejenigen arbeiten, die irgendwas mit Medien machen wollen. Also die, die in den Journalismus gehen, in die PR, in die Unternehmenskommunikation oder vielleicht auch in die Werbung. Ich kenne aber beispielsweise auch eine Eventmanagerin, die mit einem CMS arbeitet.

Wer sich selbstständig macht, wird unter Umständen zu Beginn seine Homepage selbst anlegen, um Geld zu sparen. Auch dann ist es sinnvoll, ein CMS bedienen zu können. Nicht zu vergessen, dass es viele Firmen gibt, die mit internen Wikis arbeiten. Auch damit wird leichter zurechtkommen, wer sich mit Content-Management-Systemen ein bisschen auskennt.

2. Vorteil: Sichtbare Fachkompetenz

Der zweite Punkt ist noch wichtiger: Wer bloggt, bringt sich nämlich mit einem Thema in Verbindung. Ein Beispiel: Es wird ein Historiker gesucht, der sich in einer bestimmten Region gut auskennt. Wem wird ein potenzieller Arbeitgeber eher glauben: einem Bewerber, der von sich im Lebenslauf behauptet, dass er schon seit Kindesbeinen an diese Region ins Herz geschlossen hat? Oder dem, der seit einiger Zeit zufällig genau zu diesem Thema bloggt?


Wer bloggt, wird also durch die intensive Auseinandersetzung mit einem Thema zum Experten und auch als solcher wahrgenommen. Es möge nun niemand behaupten, dies helfe nicht bei der Jobsuche: Ich habe einen Kollegen, der aufgrund seines Blogs ständig Aufträge bekommt. Mehrere andere wurden genau wegen ihres Blogs eingestellt. Man kann es also nicht von der Hand weisen: Arbeitgeber befragen das Internet, bevor sie einen potenziellen Bewerber einstellen.

3. Vorteil: Höhere Schreibkompetenz

Wer regelmäßig bloggt schult außerdem ganz nebenbei seine Schreibkompetenz. Und Blogger, die auch in Bild, Video und Audio berichten wollen, lernen noch ein wenig mehr. Man lernt zusätzlich sich selbst, seine Gedanken und seine Texte zu strukturieren – was im Hinblick auf eine Abschlussarbeit an der Uni sinnvoll ist. Man lernt argumentieren und den Umgang mit Kritik – wenn man zum Beispiel gemeine Kommentare unter seine Beiträge bekommt. Man lernt außerdem einen professionellen Umgang mit den sozialen Medien – und dieses Wissen ist heute in jeder Branche wichtig.

4. Vorteil: Geld verdienen

In der besten aller Welten verdient man mit seinem Blog auch noch ein bisschen Geld – beispielsweise über Werbeeinnahmen, Spenden oder Affiliate Links. In einigen Fällen ist das eigene Blog sogar so erfolgreich geworden, dass der Blogger keinen Arbeitgeber mehr braucht oder zumindest seine Arbeitszeit reduzieren kann.

Vorsicht Fettnapf!

Trotz all dieser Vorteile für denjenigen, der ein gutes Blog führt, ist Bloggen auch gefährlich. Zumindest für all die jungen Leute, die davon ausgehen, dass Personaler oder Führungskräfte zu alt seien, um sich im Netz auszukennen.

Beispiel: Ein Blogger schreibt, dass er überhaupt keinen Bock darauf hat, nach dem Abschluss irgendwo täglich die gleiche Arbeit zu verrichten. Das beißt sich mit einem Anschreiben, in dem er zu verstehen gibt, wie sehr er sich darüber freuen würde, die Firma mit innovativen Ideen im Alltag zu unterstützen.

Oder: Ein Blogger reist ein halbes Jahr durch Lateinamerika oder Asien und postet ständig Bilder von wilden Partys am Strand. Im Lebenslauf steht aber, dass er vor Ort war, um die Sprache besser zu beherrschen. Dieser Schuss kann nach hinten losgehen. Darüber sollte sich jeder bewusst sein, der mit seinen Inhalten an die Öffentlichkeit geht.


Wer das jedoch verinnerlicht hat, sollte die Aktion „PR in eigener Sache durch Bloggen“ so schnell wie möglich starten. Denn über Nacht ist noch kein Blogger berühmt geworden. Wer also bis zu seinem letzten Semester an der Uni wartet, wird kaum genügend Zeit haben, um die Früchte seiner Arbeit fristgerecht ernten zu können. Blogger, die jedoch früh genug mit ihrer Arbeit beginnen, können vielleicht schon bald erste Erfolge verbuchen. In diesem Sinne: Hauen Sie in die Tasten!

Über die Autorin

Bettina Blaß ist seit 2003 selbstständige Verbraucherjournalistin, Buchautorin und Dozentin: Sie unterrichtet unter anderem seit 11 Jahren am Journalistischen Seminar der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz Onlinejournalismus. Vor ihrer Selbstständigkeit war sie Multimediaredakteurin bei der Verbrauchersendung WISO im ZDF und danach stellvertretende Redaktionsleiterin bei der G+J Wirtschaftspresse Online.

>> Website von Bettina Blaß: Wirtschaft verstehen

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