Di

02

Jun

2015

Wie Sie Ihr Schreibprojekt optimal starten

start auf sportplatz

Ein Gastartikel von Elisabeth Siencnik zusammen mit Huberta Weigl

 

Oft haben Autoren oder Studierende eine richtig gute Idee für ein Schreibprojekt (Buch, Bachelor- bzw. Masterarbeit, Dissertation etc.), aber sie starten damit nicht, weil ihnen immer etwas dazwischenkommt. Oder sie beginnen ein Schreibprojekt voll Elan und mittendrin fehlen ihnen plötzlich Energie und Motivation. Falls es Ihnen gerade so geht, kann die Ursache im Projektstart liegen, dem Sie vielleicht zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben. Mehr dazu im heutigen Blogartikel, zu dem Sie dieses Mal ganz unten auch ein Arbeitsblatt als PDF finden.

Was Sie tun sollten, bevor Sie mit Ihrem Schreibprojekt loslegen

Schritt 1: Definieren Sie Ihre Ziele nach der SMART-Methode.

SMART steht für spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert. Diese Kriterien sollte jedes Ziel erfüllen. Umgelegt auf Ihr Schreibprojekt bedeutet das, dass Sie folgende Fragen vorab klären sollten:

  • Spezifisch: Worum geht es in meinem Schreibprojekt? Was genau ist mein Thema?
  • Messbar: Wie viele Seiten wird mein Buch bzw. meine Uni-Arbeit umfassen?
  • Attraktiv: Was motiviert mich, das Schreibprojekt anzupacken und auch abzuschließen?
  • Realistisch: Ist mein Ziel erreichbar oder überfordere ich mich (etwa mit der Größe des Themas oder dem geplanten Seitenumfang)?
  • Terminiert: Bis wann soll mein Schreibprojekt abgeschlossen sein?


Wenn Sie bereits mitten in Ihrem Schreibprojekt stecken, aber nicht so richtig vorankommen, dann ist es jetzt an der Zeit, sich ein paar Minuten hinzusetzen und diese Fragen zu beantworten.

 

Ein „smartes“ Ziel allein reicht aber nicht. Sie sollten über ein paar weitere Punkte nachdenken.

Schritt 2: Legen Sie fest, wann Ihr Projekt startet und wann es endet.

Überlegen Sie sich, 

  • wann und mit welchem Schritt Ihr Projekt beginnt oder begonnen hat. Wenn Ihr Projekt bereits läuft: Hat Ihr Vorhaben zum Beispiel mit dem Finden eines Verlags im Vorfeld oder mit dem Niederschreiben der ersten Gedanken begonnen? Hat Ihr Projekt „Masterarbeit schreiben“ mit der Themensuche oder mit der Fixierung des Themas begonnen?
  • wann Ihr Projekt endet. Bei einem Buch: Endet das Projekt beispielsweise mit der Übergabe an die Lektorin oder an den Verlag oder endet es, wenn es im Buchhandel erhältlich ist? Bei einer Uni-Arbeit: Endet Ihr Projekt mit der Abgabe an den Betreuer oder erst, wenn Sie eine Note erhalten haben? Bei einer Dissertation: Gehört die Publikation noch zum Projekt oder nicht?

Schritt 3: Definieren Sie Ihre Nicht-Ziele.

Vielleicht erstaunt Sie das, aber auch die Definition der Nicht-Ziele ist eine wichtige Aufgabe, wenn man ein (Schreib-)Projekt aufsetzt.

 

Überlegen Sie, was alles nicht zu Ihrem Projekt gehört. Meist sind es mehrere Ziele, die bei näherer Betrachtung gar nicht Teil des Projektes sind, obwohl man das zunächst gedacht hat. Vor allem, wenn Sie ein Buch schreiben, gibt es allerhand Dinge, die Sie möglicherweise in ein eigenes (Nachfolge-)Projekt packen und Ihr Projekt so überschaubar halten können, zum Beispiel die Organisation der Buchpräsentation oder die Vermarktung des Buches. 

Schritt 4: Werden Sie sich über die Gründe klar, weshalb Sie das Schreibprojekt durchführen.

Nachdem Sie jetzt smarte, klare und konkrete Ziele haben, fragen Sie sich noch, warum Sie ein Buch, eine Bachelor- bzw. Masterarbeit oder eine Dissertation schreiben. Beschränken Sie sich nicht auf einen Grund, sondern haken Sie nach, so dass Ihnen wirklich alle Motive klar werden.

 

Ich schreibe dieses Buch / diese Uni-Arbeit, weil …

 

Warum noch?

Warum noch?

Warum wirklich?

Und gibt es noch einen anderen Grund?


Warum wir Sie das fragen? Es macht einen großen Unterschied, ob Sie ein Buch schreiben, weil Sie Geld verdienen wollen oder weil Sie über ein Thema schreiben, das Sie schon über Jahre fasziniert, oder weil Sie sich einen Namen in Ihrer Branche machen wollen. Bei Uni-Arbeiten ist es wiederum ein Unterschied, ob Sie einfach nur Ihr Studium abschließen wollen und die Note daher zum Beispiel für Sie keine besondere Rolle spielt oder ob Sie die Arbeit publizieren oder gar in dem Bereich, über den Sie schreiben, beruflich Fuß fassen wollen.

Schritt 5: Vom Ziel zur Vision

fernglas

Im letzten Schritt geht es nun darum, eine Vision zu entwickeln.


Stellen Sie sich vor, Sie halten Ihre gebundene Uni-Arbeit in Händen, Sie präsentieren Ihr Buch in einem festlichen Rahmen oder Sie signieren es bei einer Messe.


Machen Sie sich ein möglichst genaues Bild von dieser Situation und teilen Sie es mit Ihrer Familie, Ihren Freunden und Kollegen und allen, die an Ihrem Projekt beteiligt sind. Sie können sich dieses Bild in Gedanken ausmalen und allen, die am Projekt teilhaben, schildern, noch besser ist es aber, wenn Sie Ihre Vision tatsächlich bildlich festhalten.


Sie können zum Beispiel ein Plakat malen oder eine Collage machen und an die Türe Ihres Arbeitszimmers hängen. Oder Sie erstellen schon einmal vorab das Titelblatt Ihrer Uni-Arbeit bzw. das Cover Ihres Buches und hängen es neben Ihren Schreibtisch. Ihrer Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt!

 

Am Ende des Klärungsprozesses steht jedenfalls immer eine möglichst konkrete Projektvision, die Ihnen dabei hilft, Ihr Vorhaben endlich zu starten oder zu Ende zu führen. Wir freuen uns übrigens besonders, wenn Sie Ihre Vision mit uns teilen!

PDF zum Download

Wie Sie ein Schreibprojekt starten.pdf
Adobe Acrobat Dokument 283.0 KB

Erfahrungsgemäß klären sich die Gedanken am besten, wenn man sie aufschreibt. Wir haben daher die Fragen, die Ihnen beim Projektstart helfen sollen, in ein PDF gepackt, das Sie downloaden können. Nehmen Sie Stift und Papier und beantworten Sie die angeführten Fragen schriftlich. Sie werden sehen, dass mit dem Schreiben ein Nachdenkprozess in Gang kommt, der Sie Ihr Projekt klarer sehen lässt. 

Über die Gastautorin

Elisabeth Siencnik besitzt ein umfassendes Projektmanagement- und Finanzwissen. Sie war jahrelang im Controlling und Projektmanagement bei multinationalen Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen tätig. Die ganzheitliche Sicht- und Arbeitsweise, die sie dabei gewonnen hat, gibt sie seit 2008 als Beraterin und Trainerin weiter. Darüber hinaus arbeitet sie als lösungsfokussierter Coach und als Yogalehrerin. Wenn Sie sich für Fragen des Projektmanagements interessieren, schauen Sie auf den Blog, den Elisabeth Siencnik zusammen mit Martha Andrea Lang  betreibt: www.changing-project-managament.com.

Abbildungsnachweis:

Oben (Start): Pixabay.com, Bildnummer: 151481045, Urheberrecht: igor.stevanovic

Mitte (Fernglas): Pixabay.com, Bildnummer: 224179468, Urheberrecht: Africa Studio

Unten (Autorenfoto): Elisabeth Siencnik

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Kommentare: 4
  • #1

    Michaela Schara (Dienstag, 02 Juni 2015 17:13)

    Eine schöne und sehr griffige Checkliste zur Selbstorganisation & -motivation, Kompliment - empfehle ich gerne weiter!
    Smarte Grüße,
    Michaela

  • #2

    Huberta Weigl (Dienstag, 02 Juni 2015 19:42)

    Liebe Michaela,

    vielen Dank für das schöne Feedback.
    Über Empfehlungen freuen Elisabeth und ich uns sehr!

    Herzlichen Gruß
    Huberta

  • #3

    Susanne Krejsa MacManus (Mittwoch, 03 Juni 2015 00:07)

    Den Fragenkatalog finde ich sehr gut, weil niederschreiben tatsächlich das Nachdenken und Klarheit-Schaffen fördert. Ich kann zu den Fragen noch eine Ergänzung beisteuern: Reicht die Schreibidee/das Thema für die geplante Länge? Tatsächlich verliebt man sich ja in ein paar Gedankenblitze und redet sich gerne ein, dass sie reichen werden. Viele halbfertige Manuskripte landen in der Schublade, weil den Schreibern unterwegs die Luft (=der Stoff) ausgegangen ist. Ich habe beispielsweise festgestellt, dass ich für ein Sachbuch mindestens 3 vollgequetschte Leitzordner Material brauche. Es ist schmerzlich, wenn sich der festgesetzte Abgabetermin nähert und ich diszipliniert mein Tagesquantum schreibe, aber ich zuwenig Inhalt habe. Da hilft es auch nichts, Originalzitate halt ein bißchen großzügiger zuzuschneiden.

  • #4

    Huberta Weigl (Mittwoch, 03 Juni 2015 07:58)

    Liebe Susanne,

    danke für dein Feedback.
    Ja, genug Material bzw. Wissen ist schon wichtig. Ich rate immer dazu, vorab eine Gliederung mit geschätzen Seitenumfängen zu erstellen. Das müsste auch in deinem Fall helfen.

    Die meisten Autoren haben übrigens das umgekehrte Problem: Sie haben zu viel Material, das sie in wenige Seiten pressen wollen. Auch da hilft eine Gliederung mit realistisch (!) geschätzen Seitenumfängen.

    Herzlichen Gruß
    Huberta