Fr

15

Jul

2016

Wissen Sie, was MINDFUCK ist?

Ein Gastartikel von Elisabeth Kreuzhuber

Als Unternehmensberaterin habe ich einige Coachingerfahrung und -ausbildungen und lese mit Interesse Bücher über neue Ansätze im Coaching. Das Konzept „MINDFUCK“ von Petra Bock, Managementberaterin, Autorin und Coach in Deutschland, ist das Beste, was mir seit Langem auf diesem Sektor untergekommen ist. Aber was genau ist MINDFUCK und was können wir aus dem Buch von Petra Bock lernen?

cover des buches MINDFUCK Job
© Droemer Knaur*


Petra Bock

MINDFUCK JOB
So beenden Sie Selbstblockaden und entfalten Ihr volles berufliches Potenzial


2015, Droemer Knaur*
251 Seiten

Printversion: 14,99 Euro (D) bzw. 15,50 (A)

E-Book: 12,99 Euro

» Infos zum Buch auf der Website des Verlags

 

 

MINDFUCK: Wir alle tun es!

Vielleicht wissen Sie, liebe Leserinnen, liebe Leser, nicht, was MINDFUCK ist, ich bin aber ziemlich sicher, dass Sie es oft genug tun – nämlich immer dann, wenn Sie sich im Beruf blockiert fühlen.

Wenn Sie Dringendes aufschieben, sich ärgern, grübeln, sich Worst-Case-Szenarien ausmalen, sich unter Druck setzen oder sich und andere abwerten. Kommt Ihnen bekannt vor? Mir auch. Jede und jeder von uns kennt solche Situationen, in denen wir absolut nicht vorwärtskommen, obwohl wir doch alle viel können, gelernt und auch schon erreicht haben.

 

„MINDFUCK“ – klingt ja nicht besonders vornehm, fand ich zuerst; bei näherer Betrachtung finde ich es allerdings sehr treffend. Alle, die sich für Persönlichkeitsentwicklung interessieren, sind wohl schon mit ihren hinderlichen Glaubenssätzen konfrontiert worden: die schrecklichen Dinge, die wir zu uns selber sagen, mit denen wir uns lähmen, blockieren, behindern.

Wahrscheinlich sind auch Sie erschrocken, als Sie sich das erste Mal bewusst zugehört haben! Erschrocken, wie unfreundlich wir manchmal mit uns selber umgehen, wie wir uns selber unterdrücken oder welche Regeln wir uns vorbeten. Von „Dafür bist du nicht gut genug / zu alt / zu jung / zu gut!“, über „Stell dich nicht so an!“ bis zu „Das wird so nie etwas!“ vergällen wir uns unseren eigenen Erfolg und blockieren überdies auch andere.

Wir haben gelernt, unsere hinderlichsten Glaubenssätze zu identifizieren und positiv zu formulieren, dennoch ertappen wir uns dabei, wie wir sie immer aufs Neue wiederholen! Ich zumindest.

Mehr als nur Glaubenssätze

Petra Bock entwickelt das Konzept der hinderlichen Glaubenssätze überzeugend weiter. Ihrer Ansicht nach haben wir ein ganzes System an Gedanken, mit dem wir uns selbst blockieren. Dieses System nennt sie MINDFUCK.


„Es sind nicht einfach irgendwelche zufälligen Meinungen oder Glaubenssätze, die wir da innerlich für wahr halten, sondern ein ganzes System von Überzeugungen, die in sich eine geschlossene Logik und sogar eigene sprachliche Besonderheiten aufweisen. Sie stammen aus einer früheren Phase unserer eigenen Biographie oder sind Teil eines kollektiven kulturellen Erbes von Überzeugungen über uns selbst und die Welt, die wir über Generationen hinweg erlernt haben.“

 

Das heißt, wir machen uns nicht nur mit einzelnen Glaubenssätzen das Leben schwer, sondern haben unsere ganz eigene sehr komplexe, schlechte Denkgewohnheit entwickelt. Kein Wunder, dass wir immer wieder in unseren destruktiven inneren Dialog zurückfallen! Die gute Nachricht ist, dass wir unser Gedankensystem – MINDFUCK – erkennen und entschlüsseln können. 

Welche MINDFUCKS gibt es?

  • Katastrophen-MINDFUCK: Wir malen uns Horrorszenarien aus, z. B.: „Dann ist alles aus.“ „Der/die/das macht mich fertig.“
  • Selbstverleugnungs-MINDFUCK: Andere sind wichtiger als wir selbst. Achtung: Frauenthema! Zum Beispiel: „Zuerst muss ich … erledigen, (bevor ich dann die Arbeit machen kann, die mir Spaß macht und mich erfüllt).“
  • Bewertungs-MINDFUCK: Wir sind perfektionistisch, bewerten chronisch alle und alles, z. B.: „Bin ich gut/gescheit/erfahren/schön/vorbereitet etc. genug?“
  • Druckmacher-MINDFUCK: Wir setzen uns und andere unter Druck, z. B.: „Wenn das nicht gut wird, dann passiert das und das (etwas Schlimmes).“
  • Regel-MINDFUCK: Wir denken, Dinge funktionieren nur so und nicht anders. Wir sagen: „Man muss …“, „Das geht nur so und so.“
  • Misstrauens-MINDFUCK: Wir trauen uns und anderen nicht oder nichts zu, sagen uns zum Beispiel: „Schaffe ich das?“, „Das können die doch nie!“
  • Übermotivations-MINDFUCK: Wir glauben, was richtig ist, muss Euphorie bringen. Wir lassen Dinge fallen, sobald Gewöhnung eintritt, z. B.: „Ich muss das jetzt unbedingt haben/machen/kaufen (obwohl ich das Geld dafür gar nicht habe).“

 

Diese sieben Überzeugungsmuster zusammen bilden die brutale Logik, mit der wir uns selbst blockieren. Immer, wenn wir uns sabotieren, geraten wir in innere Zustände, in denen wir nicht mehr in der Realität unseres Erwachsenenlebens sind. Wir rutschen ab in Kind-Ich- und Eltern-Ich-Zustände, wir trotzen, schmollen, flüchten, drohen, schimpfen innerlich oder auch nach außen.

So verlieren wir die innere Ebene des Erwachsenen, der oder die wir eigentlich sind. Wir befinden uns in unserer eigenen, längst überholten und schädigenden Parallelwelt. Doch wie verlassen wir die wieder?

Privatdetektiv in eigener Sache – den Blockadecode knacken

Meistens ist es nicht nur ein MINDFUCK, mit dem wir uns selbst blockieren, sondern mehrere oder alle zusammen. Petra Bock gibt eine gute Anleitung, wie man den eigenen Code entschlüsseln kann, zum Beispiel mit dieser Übung:

 

Nehmen Sie ein berufliches Thema, bei dem Sie blockieren, das heißt höchstwahrscheinlich mit MINDFUCK zu tun haben. Dann schreiben Sie alles auf, was Sie genau denken, wenn Sie sich bei diesem Thema blockieren. Ganz sicher sind es mehrere Argumente, die dafür sorgen, dass Sie nicht weiterkommen. Also, Papier und Stift zur Hand nehmen und los!

 

Fertig? Dann schauen Sie sich Ihre Sätze an – welche MINDFUCKS sind jeweils im Spiel? Das ist sozusagen Ihr persönlicher Blockadecode. Wenn Sie das öfter machen, werden Sie Ihre Muster erkennen. Vollständig erkannt ist der Code dann, wenn alles gesagt ist, das Sie zu Stagnation, schlechten Gefühlen, Handlungsstopps oder zum Funktionieren im altbekannten Muster bringt.

Bocks gute Botschaft ist, dass sich hinter jeder Blockade ein natürlicher Impuls verbirgt, dem Sie folgen können, wenn Sie sich nicht selbst blockieren.

Die Autorin spricht von der „natürlichen humanen Grundhaltung“, in der wir ganz von selbst aufgeschlossen, mutig, unerschrocken, originell, kreativ, phantasievoll, interessiert, konzentriert, bewertungsfrei, aufmerksam, neugierig, selbstwirksam, sensibel, balanciert, motiviert und offen sind. Unter natürlicher humaner Grundhaltung versteht Petra Bock die Gesamtheit der konstruktiven, dem Leben zugewandten Einstellungen, Überzeugungen und Sichtweisen, die wir einnehmen, wenn wir in den Modus der Potenzialentfaltung wechseln.

Die Entfaltungsimpulse hinter den MINDFUCKS

Dies sind die förderlichen Einstellungen, die hinter den einzelnen MINDFUCKS darauf warten, von uns geweckt zu werden:

  •  Katastrophen-MINDFUCK: Neugierde, Mut und Unerschrockenheit
  • Selbstverleugnungs-MINDFUCK: Individualität, Originalität und die Fähigkeit, bei sich zu bleiben
  • Bewertungs-MINDFUCK: Großzügigkeit, bewertungsfreie Aufmerksamkeit, offene Wahrnehmung
  • Druckmacher-MINDFUCK: Achtsamkeit mit den eigenen Ressourcen, wirksames eigenes Timing
  • Regel-MINDFUCK: Neugierde, Kreativität, Phantasie
  • Misstrauens-MINDFUCK: Selbstvertrauen, Zutrauen, Vertrauensfähigkeit
  • Übermotivations-MINDFUCK: natürliches Interesse, echte innere Motivation

 

Das bedeutet: MINDFUCKS bieten auch Entfaltungsimpulse! Petra Bock merkt dazu an: 

 

„Unser berufliches Potenzial zu entfalten bedeutet, immer mehr der Mensch zu werden, der wir sind, wenn wir unsere Fähigkeiten, Interessen und Talente voll entfalten. Dies findet aber nicht nur in unserem Inneren statt, sondern zeigt sich vor allem in unserem tatsächlichen Handeln. Erst, wenn wir die Möglichkeiten in der Welt da draußen sehen, ergreifen und handeln, entfalten wir unser Potenzial.“


Die Autorin beschreibt anschaulich und nachvollziehbar anhand von Praxisbeispielen, wie sich der Zustand der Potenzialentfaltung positiv auf Leben und Beruf auswirkt. Sie stellt wichtige Fragen, die die Leserin in die Gänge bringt, und fordert dazu auf, die eigene Situation in interessanten Übungen zu analysieren.

Sie fordert dazu auf, einen Schritt zurückzutreten, den eigenen beruflichen Weg zu betrachten und neue Wünsche und Visionen für die Zukunft zu entwickeln. Das Buch macht definitiv Lust, den eigenen entspannten Weg zum Erfolg wiederzufinden.

Weitere MINDFUCK-Bücher von Petra Bock

  • MINDFUCK – Warum wir uns selbst sabotieren und was wir dagegen tun können
  • MINDFUCK. Das Coaching – Wie Sie mentale Selbstsabotage überwinden
  • MINDFUCK. Love  – Wie wir uns in der Liebe selbst sabotieren und was wir dagegen tun können

» Info zu den Büchern auf der Website von Petra Bock

foto von elisabeth kreuzhuber
Elisabeth Kreuzhuber

Über die Autorin der Rezension

Mag. Elisabeth Kreuzhuber MBA ist selbstständige Unternehmensberaterin und Kunsthändlerin in Wien und Krems. » Website 

Seit Kurzem hat Elisabeth Kreuzhuber eine zweite Website: »  Ein gutes Händchen. Hier bietet sie historische Fotos in neuem Kleid an. Schauen Sie einmal vorbei, es zahlt sich aus!


Briefkuvert als Symbol für den Newsletter

Newsletter der Schreibwerkstatt

Abonnieren Sie hier via E-Mail den Newsletter und erhalten Sie die neuesten Blogartikel zugeschickt.


Den Artikel teilen:

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Tilda B. (Freitag, 15 Juli 2016 17:17)

    Super Rezension!! Gefällt mir sehr in Ton und Inhalt. Mitreissend zu lesen. Merci

  • #2

    Huberta Weigl (Samstag, 16 Juli 2016 11:09)

    Fein, ich freue mich!

    Herzlichen Gruß
    Huberta Weigl

  • #3

    Eva (Samstag, 16 Juli 2016 21:05)

    Ha, ertappt: hier Abteilung Selbstverleugnungs-Mindfuck :-D Aber nicht im Sinne, dass andere MENSCHEN wichtiger wären, sondern im Sinne, dass andere ARBEITEN wichtiger sind, als die, in denen ich mich entfalte (was ja an sich auch stimmt, rein finanziell betrachtet ...) Die anderen hab ich schon so gut wie abgestellt. Zumindest sind sie mir sehr bewusst, wenn sie auftauchen ...

  • #4

    Huberta (Sonntag, 17 Juli 2016 12:15)

    Liebe Eva,

    stimmt, das gibt es auch. Aufschieberits!

    Lieben Gruß
    Huberta