Mo

18

Jul

2016

Vorsicht: Publikationsfalle!

offenes buch, bezeichnet: vorsicht: publikationsfalle

Ein Gastartikel von Maria Männig

Heute kann jede und jeder ein Buch publizieren – vom Fotobuch, das im engsten Familienkreis verschenkt wird, bis hin zum Roman oder zur wissenschaftlichen Publikation. Eine wissenschaftliche Arbeit in Buchform zu veröffentlichen, stellt die Autor_innen in der Regel vor allerhand Herausforderungen. Die größte ist sicherlich die Finanzierung. Wissenschaftliche Veröffentlichungen haben meist eine überschaubare Zielgruppe und der geringe Absatz hat zur Folge, dass die Autor_innen einen Druckkostenzuschuss aufbringen müssen.

Seriöse Verlage

Da in Deutschland Publikationspflicht für Dissertationen besteht, gründeten und gründen sich Verlage, die auf Hochschulschriften spezialisiert sind. Das Geschäftsmodell ist vielversprechend, ein sicherer Markt vorhanden. Einschlägige seriöse Verlage sind Lit, Peter Lang und auch transcript. Daneben gibt es aber auch unseriöse Verlage, vor denen man warnen muss. Aber wie erkennt man die?

Schwarze Schafe

Schwarze Schafe der Branche gehen aktiv in die an und für sich verbotene Kaltakquise, indem sie das Web nach Qualifikationsarbeiten durchforsten (und dazu zählen nicht nur Dissertationen, sondern auch Masterarbeiten) und die Autor_innen anschreiben.

 

In der Kritik stehen sie, weil sie bei der Herstellung der Publikationen kaum Sorgfalt walten lassen. Das heißt, es wird von vornherein auf jede Form der Qualitätssicherung wie auf ein Lektorat verzichtet. Um den Vertrieb kümmern sich diese Verlage auch nicht und die Kosten für die Produktion samt Gewinnmarge tragen die Autor_innen. Insgesamt wird alles, was verlegerische Arbeit betrifft, quasi nicht erledigt. Es handelt sich daher in den meisten Fällen um sogenannte Pseudoverlage. Eine Auflistung zwielichtiger Anbieter finden Sie hier.

 

Sollten Sie also von einem Verlag kontaktiert und gefragt werden, ob Sie Ihre Masterarbeit oder Dissertation bei ihm publizieren möchten, seien Sie vorsichtig! Lesen Sie das Kleingedruckte aufmerksam, um zu verstehen, welche Kosten auf Sie im Falle einer Veröffentlichung zukommen.

 

Weitere Fragen betreffen die Rechte, die an den Verlag abgetreten werden. Darüber hinaus sind die Produkte meist überteuert, so dass der Absatz und damit eine mögliche Gewinnbeteiligung der Autor_innen hinter deren Erwartungen zurückbleiben. Am besten, gehen Sie davon aus, dass von Ihrer Dissertation nicht viel mehr als 100 bis 150 Stück verkauft werden.

 

Meist wird übrigens auch mit der Ausschüttung der VG-Wort-Tantiemen geworben, diese sogar – wie im Falle des Verlags Dr. Kovač – als Druckkostenzuschuss etikettiert. Der Verlag stellt sich hier als selbstloser Förderer von Wissenschaft und Forschung dar. Die Tantiemen stehen allerdings jedem Autor und jeder Autorin sowieso zu. Prüfen Sie also jegliche Versprechen mit kühlem Kopf!

 

Das Aktionsbündnis Faire Verlage hat häufige Vertragstücken gelistet und gibt so hilfreiche Tipps, wie sich Pleiten, Pech und Pannen von vornherein vermeiden lassen.

Beachten Sie die Reputationspyramide

Als Reputationspyramide wird die implizite Hierarchie im Bereich des wissenschaftlichen Publizierens bezeichnet. Auch das Wissenschaftssystem basiert zum Teil auf Regeln, die besonders für Anfänger_innen schwer zu durchschauen sind.

Vielfach zählen symbolische Werte, die mit ökonomischen Kennziffern einhergehen. Wie bei Fachzeitschriften verfügen auch Verlage über einen gewissen Impact-Faktor.

Das heißt, wenn eine Publikation in einem hoch renommierten Verlag – oder noch besser in einer renommierten Reihe – erscheint, erfährt die wissenschaftliche Leistung des Autors bzw. der Autorin dadurch automatisch eine Aufwertung. Dagegen wird sie weniger Wertschätzung erfahren, wenn die Publikation in einem schlechter angesehenen Verlag erscheint.

Entsprechend bemisst sich das jeweilige Investment. So kostet die Publikation einer wissenschaftlichen Monografie als gedrucktes Buch in einem Wissenschaftsverlag ab 3.000 € aufwärts, nicht selten werden für reich bebilderte Monografien (z. B. aus dem Bereich der Kunstgeschichte) fünfstellige Beträge aufgebracht. Man kann dieses System kritisieren, dennoch ist zu bedenken, dass die Buchproduktion mit einem hohen Aufwand verbunden ist.

Fazit

Ich kann mich nur dem Rat von Huberta Weigl anschließen und empfehlen, mit entsprechender Sorgfalt an ein Publikationsprojekt heranzugehen und wirklich zu prüfen, welches Format am sinnvollsten ist.

Nützliche Links

foto von maria männig
Foto: Elsa Okazaki

Über die Autorin

Maria Männig ist promovierte Kunstwissenschaftlerin und zertifizierte Schreibberaterin. Sie ist Mitherausgeberin der NEUEN kunstwissenschaftlichen forschungen und bloggt unter artincrisis.hypotheses.org

Website: maria-maennig.de


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