Interviews

Mi

18

Jan

2017

Wissenschaft und Mobilität: Von Wien über die USA nach Kanada. Ein Interview mit der Kunsthistorikerin Eva Struhal

foto von eva struhal

Ende Dezember war die Kunsthistorikerin Eva Struhal bei mir in der Schreibwerkstatt zu Besuch, wo wir uns über ihren beruflichen Werdegang unterhalten haben.

Eva Struhal hat in Wien Kunstgeschichte studiert und ist mittlerweile Professorin an der Universität Laval in Québec (Kanada).

In dem Interview erzählt sie von ihrem Weg als Wissenschaftlerin, für den Mobilität eine wichtige Voraussetzung war. In dem Interview kommen wir auch auf die verschiedenen Wissenschaftssysteme in Österreich, den USA und Kanada zu sprechen. Und natürlich geht es auch um die universitäre Lehre und das wissenschaftliche Schreiben.

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Klicken Sie auf den grünen Button, um das Interview zu hören. Dauer: 58 Minuten.

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So

06

Dez

2015

Als Autor im Kloster

Ein Gastbeitrag von Bernd Schmitt

Ruhe bitte!

Zu Hause ist es doch am schönsten? Nicht, wenn man ein Buch schreiben möchte. Es bimmelt das Telefon, es klopft der Paketbote, es bohrt und hämmert der Nachbar. Und am schlimmsten: Der Alltag fordert seinen Tribut. Du sollst E-Mails beantworten, du sollst in den Briefkasten sehen, du sollst kaputte Glühbirnen mit Sparlampen ersetzen.

Gut, es gibt auch Entspannungsmöglichkeiten: Lavalampe, Duftbad, Vivaldi. Aber selbst bei intensiver Anwendung, also wenn man alle drei zusammen auf sich wirken lässt, bieten sie nur eine temporäre Erleichterung. Zu Hause ist es nämlich in Wirklichkeit am schlimmsten, wenn man ein Buch schreiben möchte!

Das Kloster – ein Ort der Kraft und Stille

In allen Religionen und Kulturen bieten die Klöster seit Jahrtausenden einen Rückzugsort, an dem die Uhren langsamer ticken. Weil der Autor dieser Zeilen gerade darüber in Zweifel gerät, ob er sein favorisiertes Kloster überhaupt öffentlich machen sollte, sind an dieser Stelle einige Fragen unumgänglich:

 

  • Sie sind es gewohnt, Ihr Leben im Luxus zu genießen?
  • Sie beschweren sich sofort, wenn etwas nicht passt?
  • Sie brauchen Unterhaltung?

 

kloster beneditkbeuren, fassade
Kloster Benediktbeuren

Falls Sie eine oder gar mehrere dieser Fragen mit Ja beantwortet haben, wenden Sie sich bitte an ein Reisebüro Ihrer Wahl!

Mein Kloster Benediktbeuern würde Ihnen nicht gefallen, denn es gibt dort weder Luxus noch einen Discostadl. Lassen Sie diesen Ort also unbeachtet und mich dort mein nächstes Buch schreiben. In einer Zelle mit 12 Quadratmetern.

Vielen Dank!

Herzlichst

Bernd Schmitt

 

PS: Aha, Sie haben den Text bis hierher gelesen. Das lässt vermuten, dass Sie ernsthaft an einem Aufenthalt in einem Kloster interessiert sind. Vielleicht, um ein Buch zu schreiben, vielleicht aus anderen Gründen. Dann also an dieser Stelle ein paar praktische Hinweise:

  • Die Zellen für Besucher liegen in den meisten Klöstern in einem separaten Gästehaus oder einem Gästetrakt. Sie müssen sich dort nicht an die Ordensregeln halten und auch nicht um 7 Uhr aufstehen.
  • Sie finden auf den Internetseiten der Klöster, die Gäste aufnehmen, alle nötigen Hinweise über Ausstattung, Preise und die Form der Anmeldung. Hier können Sie alle Informationen abrufen, wenn Sie sich speziell für einen Aufenthalt im Kloster Benediktbeuern interessieren.
  • Unterscheiden sollten Sie zwischen einem Gastaufenthalt und Programmen wie „Kloster auf Zeit“. Als Gast müssen Sie nicht katholisch sein und werden auch nicht danach gefragt. Wenn Sie es möchten, können Sie aber unabhängig von Ihrer Weltanschauung jederzeit ganz zwanglos an den verschiedenen spirituellen Angeboten teilnehmen. Jemand, der sich für einen Klosteraufenthalt auf Zeit entscheidet, lebt dagegen mit der Ordensgemeinschaft – meist, weil er überlegt, selbst einem Orden beizutreten.

Über den Autor:

Bernd Schmitt ist Fachbuchautor und Betreiber der Plattform www.epub3.de, auf der er Know-how zum Thema „E-Books“ für Autoren (auch: Selfpublisher), Verlage und den Buchhandel anbietet. Zuletzt hat er zwei Ratgeber veröffentlicht:

Dank seiner kabarettistischen Ader schreibt Bernd Schmitt erfrischend unterhaltsam. Insider wissen, dass er 2016 nicht nur zwei weitere Bücher (über Onlineshops und Social Media) veröffentlichen wird, sondern aktuell auch an einem geheimen Projekt arbeitet: Es soll sich um ein Buch handeln, das scheinbare Gegensätze vereint – Technik und Humor!

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Di

09

Sep

2014

Pendeln zwischen den Sprachen: Ein Interview mit Alexandra Titze-Grabec

Alexandra, wir kennen uns über die Kunstgeschichte, das Fach, das wir beide studiert haben. Du hast dann aber einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen und nach dem Studium der Kunstgeschichte noch ein Übersetzerstudium drangehängt. Wie kam das?

Ich war für meine Diplomarbeit in der Kunstgeschichte für ein halbes Jahr in Venedig und wollte danach irgendetwas machen, um mein frisch erworbenes Italienisch nicht gleich wieder zu vergessen. Also habe ich neben dem Job im Kunsthandel noch Übersetzen in den Sprachenkombinationen Englisch – Italienisch   studiert.

Im Endeffekt hat sich die Kombination von Kunstgeschichte und Übersetzung als goldrichtig herausgestellt. Ich war zwar schon um gute zehn Jahre älter als meine StudienkollegInnen, hatte ihnen aber diese Jahre an Berufs- und Lebenserfahrung und vor allem an Spezialisierung voraus. Das ist in dem Beruf ein nicht zu unterschätzender Vorteil.


2006 hast du dich selbstständig gemacht. Was waren deine Beweggründe dafür?


Ich war einige Jahre neben einer fixen Anstellung nebenbei selbstständig und habe erst letztes Jahr meine Teilzeitstelle im Bundesdenkmalamt gekündigt. Seitdem bin ich als Kunsthistorikerin – ich arbeite unter anderem an einem englischen Werkverzeichnis mit – und als Übersetzerin ausschließlich selbstständig. Was ich am selbstständigen Arbeiten am meisten schätze, ist die freie Zeiteinteilung, die Tatsache, dass ich mir meine Projekte selbst aussuchen kann und jeder Tag anders ausschaut. Ich bin ganz einfach gerne meine eigene Chefin.


Was sind deiner Ansicht nach die größten Schwierigkeiten bei der Selbstständigkeit?


Wenn man selbstständig sein möchte, sollte man gut organisiert sein, gerne kommunizieren und sich auch nicht davor scheuen, sich selbst und seine Leistung zu verkaufen. Es gibt weder geregelte Arbeitszeiten noch ein fixes Einkommen, was gerade am Anfang sehr schwierig sein kann. Auch die soziale Vereinsamung kann – gerade als Übersetzerin – ein Problem sein. Nicht jedem liegt es, den ganzen Tag alleine vor dem Computer zu sitzen. Ich muss mich manchmal wirklich zwingen, jeden Tag aus dem Haus und an die frische Luft zu gehen, weil man schon ein bisschen Gefahr läuft zu verlottern.


Wo liegen deine Arbeitsschwerpunkte? Und was sind die besonderen Herausforderungen dabei?


Meine Schwerpunkte liegen ganz klar im Bereich Kunstgeschichte, Kulturgeschichte, Design und Architektur. Ich arbeite in erster Linie für Verlage, Museen, Kulturinstitutionen und Universitäten und übersetze dabei ausschließlich ins Deutsche. Ich liebe es, mit der Sprache und ihren Nuancen zu spielen, die richtige Entsprechung für ein Wort, eine Phrase, einen Satz zu finden.

Es erfüllt mich mit großer Befriedigung, wenn ich das Gefühl habe, dem Originaltext und -autor entsprochen zu haben und verstanden zu haben, was er oder sie ausdrücken wollte. Gerade bei kunsthistorischen Texten, die oft unnötig kompliziert geschrieben sind, liegt die Herausforderung darin, dem deutschsprachigen Leser die Gedankengänge des Autors zu vermitteln, ohne dass er sich durch Satzungetüme und hochtrabende Verklausulierungen arbeiten muss.

Ein weiterer Schwerpunkt, der sich zufällig ergeben hat, ist das Übersetzen von Kochbüchern, was mir sehr viel Spaß macht. Das ist wieder eine ganze andere Textsorte mit völlig anderen Herausforderungen, wie fremden Maßeinheiten oder Fachbegriffen, die nicht ins Österreichische übersetzt werden dürfen – wir übersetzen ja zu 95% für den deutschen Markt.

Meiner großen Liebe, der Literaturübersetzung, fröne ich – noch – fast ausschließlich im stillen Kämmerlein und bei Wettbewerben. Das ist mein Projekt für die kommenden Jahre.


Auf der Website Textillerie sieht man, dass du mit anderen Übersetzerinnen eine Arbeitsgemeinschaft bildest. Wie muss man sich diese Zusammenarbeit vorstellen? Warum habt ihr eine gemeinsame Website?

Eigentlich sind wir keine Arbeitsgemeinschaft, sondern ein Netzwerk. Wir kennen uns schon seit dem Studium, wir wissen, wie die anderen arbeiten und dass wir alle den gleichen Qualitätsanspruch haben.

Jede von uns vieren ist auf unterschiedliche Bereiche und Themengebiete spezialisiert und wir arbeiten nur vereinzelt an gemeinsamen Projekten. Wir bieten ein ganzes Spektrum an Sprachkombinationen an und empfehlen für Anfragen, die wir nicht selber abdecken können oder wollen, gerne KollegInnen, die dann auch uns wieder weiterempfehlen. Deshalb auch unser Slogan: Textillerie – übersetzt vernetzt.

Uns war es sehr wichtig, eine Plattform nach außen hin zu haben, einen Anlaufpunkt im Netz für potenzielle Kunden, einen Namen, unter dem wir Rechnungen stellen können, und ein Logo. Wir wollten auch gleich von Anfang an professionell auftreten und haben die Website deshalb von Profis gestalten lassen. Das kann ich wirklich nur jedem Selbstständigen raten, du hast ja in deinem letzten Newsletter auch schon darauf hingewiesen.


Mit einem geisteswissenschaftlichen Studium ist es oft schwer, eine fixe Anstellung zu finden. Das merken viele AbsolventInnen, trotzdem scheuen sie den Weg in die Selbstständigkeit. Hast du zum Schluss einen Tipp für alle, die gerade überlegen, sich selbstständig zu machen, aber noch ein wenig Angst vor dem letzten Schritt haben?

 

Hilfreich ist am Anfang schon noch das „Sicherheitsnetz“ eines fixen Einkommens in Form einer Teilzeitanstellung. Auch Interessensvertretungen, Berufsverbände oder KollegInnen, die bereits in dem Bereich arbeiten, den man anstrebt , können helfen.


Drei wichtige Faktoren, wenn man erfolgreich selbstständig sein möchte, sind für mich: eine Spezialisierung (wobei sich die oft erst im Laufe des Arbeitens ergibt), von Anfang an finanzielle Rücklagen bilden, denn 50% der Einnahmen gehen letztendlich ans Finanzamt und die SVA (Kranken-, Unfalll- und Pensionsversicherung) und vor allem ein Netzwerk. Wenn man mit Leidenschaft hinter dem steht, was man tut, und darin gut ist, dann wird man auch mit einem sogenannten „Orchideenstudium“ Erfolg haben.

 

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Mo

13

Jan

2014

Interview mit der Schreibberaterin Elke Rajal

Vor ein paar Wochen habe ich am Schreibzentrum der FH Wien (WKW) einen Workshop zum Thema "Schreiben für Social Media" gehalten. Bei dieser Gelegenheit habe ich Elke Rajal kennengelernt, die am Schreibzentrum tätig ist und – zusammen mit Regina Fenzl – Studierende bei ihren wissenschaftlichen Arbeiten unterstützt. In dem Interview habe ich Elke Rajal nach den Zielen und Angeboten des Schreibzentrums gefragt. Außerdem wollte ich natürlich wissen, mit welchen Schwierigkeiten Studierende zu ihr kommen und wie sie Schreibberaterin geworden ist.

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© FHWien der WKW - Philipp Tomsich

Elke, seit wann gibt es das Schreibzentrum an der FH Wien der WKW und was sind seine Ziele?

 

Das Schreibzentrum wurde im Herbst 2012 als erstes Schreibzentrum an einer österreichischen Fachhochschule gegründet. Nach einer Konzeptionierungsphase haben wir dann im Februar 2013 mit den ersten Angeboten für Studierende gestartet. Seit Sommer/Herbst 2013 läuft das Schreibzentrum im Vollbetrieb und bietet individuelle Beratungen, Workshop-Reihen, Schreibwerkstätten und Abendveranstaltungen an.

Ziel ist es, Studierende in ihrem Schreibprozess zu begleiten, zu unterstützen und ihnen Mut zu machen. Wissenschaftliche Abschlussarbeiten sollen keine unüberwindbare Hürde sein, nicht für Menschen mit einer anderen Muttersprache als der deutschen, nicht für berufstätige Studierende und auch nicht für alle anderen.

Mit dem Schreibzentrum versuchen wir ein Zusatzangebot für die Studierenden zu etablieren, das gut genützt wird und von der Hochschule nicht mehr wegzudenken ist.

Wie sehen die Rahmenbedingungen des Projekts aus?

Unser Schreibzentrum wird derzeit durch eine Projektförderung der Magistratsabteilung 23 der Stadt Wien und Eigenmittel der FH finanziert und hat eine Laufzeit von 5 Jahren. Wir sind eine Vollzeit- und eine Teilzeitmitarbeiterin. Meine Kollegin Regina Fenzl leitet das Projekt, ich bin Projektmitarbeiterin. Zusätzlich beschäftigen wir ein paar externe Lehrende und TutorInnen, die für uns Workshops und Schreibwerkstätten abhalten. Nach den 5 Jahren werden wir weitersehen, ob das Schreibzentrum sich gut etablieren konnte und weiterfinanziert wird.

Was sind deiner Meinung nach die häufigsten Schwierigkeiten, mit denen Studierende kämpfen? Wie kommt es zu den Problemen und welche Lösungen habt ihr dafür?

Die Anliegen, mit denen Studierende zu uns kommen, sind sehr unterschiedlich.

Anfangs kamen besonders viele Studierende mit Schwierigkeiten beim Zitieren zu uns. Ihnen war die Sinnhaftigkeit der Quellenbelege nicht klar und sie waren von der Vielzahl der Regeln komplett verwirrt.

Das liegt daran, dass wissenschaftliches Schreiben im Unterricht viel zu oft auf die Vermittlung eines Regelwerks beschränkt bleibt. Dieses wird oft als langweilig und unnütz verstanden – eine Art Klotz am Bein. Wichtiger wäre, den Umgang mit Quellen allgemein zu erarbeiten und dann zu üben, zu üben und nochmal zu üben. Regeln kann man in einer guten Anleitung nachlesen.

Mittlerweile kommen allerdings mehr Studierende zu uns mit Fragen wie zum Beispiel: Wie plane ich meine Arbeit? Passt die Forschungsfrage? Ist der Aufbau der Arbeit gut? Wodurch entsteht ein roter Faden? Wie verpacke ich meine Forschungsergebnisse in einen Text? Ist der Stil wissenschaftlich?

Manche haben auch eine Schreibblockade. Blockaden treten nicht nur bei Überlastung auf, sondern oft aufgrund von negativen biographischen Prägungen, was das Schreiben anbelangt. Dann besprechen wir den individuellen Zugang zum Schreiben, leiten zur Auflockerung kreative Schreibübungen an und versuchen mit den Studierenden neue Schreibstrategien zu entwickeln.

Andere sind auch schlichtweg überfordert mit dem Arbeitspensum, das sie sich aufgehalst haben und suchen deshalb Rat. An unserer Fachhochschule studieren die Allermeisten ja berufsbegleitend. Dann gilt es die zur Verfügung stehenden Ressourcen zu besprechen, gemeinsam einen Arbeitsplan zu entwickeln und eine realistische Zeitplanung zu entwerfen.

Welche Unterstützung bietet ihr an?

In den individuellen Beratungen können Dinge vertraulich mit einer Person besprochen werden, die nicht für das jeweilige Institut tätig ist und die nicht benotet. Es kann unmittelbar an den individuellen Problemen angesetzt werden und am jeweiligen Text. Wir bieten auch Feedback auf Textteile von maximal 15 Seiten an.

Mit den Workshops und Schreibwerkstätten wird Vertiefung und Ergänzung zu den bereits bestehenden Angeboten in den Studiengängen geschaffen. Hier wird nicht nur vermittelt, sondern auch geübt und es besteht die Möglichkeit des Austauschs untereinander. Oft hilft es den Studierenden schon enorm, wenn sie in einer ungezwungenen Atmosphäre mit KollegInnen Tipps austauschen können.

Gibt es deiner Meinung nach so etwas wie „Hilfe zur Selbsthilfe“?

Also, was können Studierende tun, wenn es an ihrer Uni oder FH kein Schreibzentrum gibt?

Ich rate Studierenden immer wieder zur Lektüre von guten Schreibratgebern. Ich denke da an AutorInnen wie Judith Wolfsberger, Otto Kruse, Helga Esselborn-Krumbiegel oder den guten alten Umberto Eco. So ein Buch sollte ganz am Anfang des Studiums bereits gelesen werden und dann vor Beginn der Abschlussarbeit noch einmal.

Zudem kann mit dem/der BetreuerIn besprochen werden, welche Art von Unterstützung und Feedback er/sie anbietet. Es kann gemeinsam mit StudienkollegInnen eine Schreibgruppe gegründet werden, in der man sich motiviert, austauscht und Texte gegenliest. Natürlich gibt es auch kostenpflichtige Angebote im Bereich Schreibcoaching, die sich manche leisten können, andere nicht. Daher sollte auch die Forderung an die eigene Hochschule gestellt werden, langfristig ein Schreibzentrum einzurichten.

Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass viele Lehrende zwar die Probleme sehen, mit denen Studierende kämpfen, aber nicht die richtigen Hebel kennen, um sie zu unterstützen. Wie siehst du das

Es kann gut sein, dass viele Lehrende nicht die richtigen Hebel kennen, weil ihnen schlichtweg Wissen im Bereich der Schreibdidaktik fehlt. Schreiben war ja lange Zeit ein vernachlässigter Aspekt wissenschaftlichen Arbeitens, weil man dachte, das muss man können, wenn man an eine Hochschule kommt bzw. das kann man oder kann man eben nicht.

Außerdem haben vielfach die BetreuerInnen von Abschlussarbeiten nicht die Zeit, um sich weniger inhaltlich und methodisch, sondern stilistisch mit den Texten zu beschäftigen. Dazu kommt, dass Studierende berechtigterweise auch Bedenken haben, sich mit Fragen zum Schreiben bzw. zum Stil an jene Person zu wenden, die sie benotet.

Manchmal liegt es wohl an den falschen Hebeln, manchmal handelt es sich aber auch einfach um ein strukturelles Problem.

Und zum Schluss: Du arbeitest als Schreibberaterin. Wie bist du Schreibberaterin geworden?

Nach Abschluss meines Politikwissenschaftsstudiums war ich einerseits in der Forschung tätig, andererseits habe ich begonnen wissenschaftliches Arbeiten an der Uni zu unterrichten. Frisch von der Uni hatte ich damals den Vorteil, dass mir die Schwierigkeiten bzw. Höhen und Tiefen des wissenschaftlichen Schreibens noch sehr gut im Gedächtnis waren.

Das schreibdidaktische Know-how musste ich mir erst durch Fortbildungen, Lesen und Ausprobieren aneignen. Das hat mir sehr großen Spaß gemacht. Seit der Gründung des Schreibzentrums beschäftige ich mich nun 20 Stunden die Woche intensiv mit der Vermittlung wissenschaftlichen Schreibens, organisiere, berate und halte Workshops. Die restliche Zeit arbeite ich an sozialwissenschaftlichen und historischen Forschungsprojekten. Das ergänzt sich sehr gut.

 

 

       

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Mo

11

Nov

2013

Inga Palme: Schreiben über Social Media

Vor ca. zwei Jahren habe ich die Social-Media-Expertin und Webdesignerin Inga Palme (Düsseldorf) kennengelernt – ein Kontakt, über den ich mich freue, weil er anregend ist und man mit Inga Palme gut networken kann. Ich schätze Ingas Fachwissen und ihre sympathische, unaufdringliche Art.

 

Inga Palme ist nicht nur Social-Media-Expertin, sondern auch als Autorin auf diesem Gebiet tätig. Im Augenblick arbeitet sie – zusammen mit Natascha Ljubic (Wien) – an einem neuen Buch, um das es in dem folgenden Interview geht. Was bedeutet es ein Buch zu einem Themengebiet zu schreiben, in dem sich laufend so viel ändert? Wie organisiert man sich, wenn man zu zweit ein Buch schreibt? Diese und andere Fragen habe ich Inga Palme gestellt.

Das aktuelle Buchprojekt mit Natascha Ljubic

Inga, du schreibst gerade mit Natascha Ljubic, die so wie du Social-Media-Expertin ist, ein Buch. Worum geht es denn genau in eurem Buch und an wen wendet es sich?

 

In dem Buch geht es um das Thema Social-Media-Management im Beruf. Es ist ein Trainingskurs für alle, die in Unternehmen als Social-Media-Manager arbeiten oder in Zukunft arbeiten wollen.

 

Wenn man auf Amazon schaut, stellt man fest, dass der Buchmarkt zum Thema „Social Media“ explodiert. Was ist das Besondere an eurem Buch?

 

Social Media ist ein stark wachsender Markt, so dass auch zahlreiche Bücher zu diesem Thema auf den Weg gebracht werden. Das Berufsbild des Social-Media-Managers an sich ist aber noch jung und es gibt speziell zu diesem Thema nur wenig Fachliteratur. Natascha Ljubic hat fast 10 Jahre Erfahrung in dem Bereich. Unser Buch wird ihre Expertise und meine Erfahrung als Fachbuchautorin – dies wird mein fünfter Titel sein – vereinen.

 

Via Facebook habe ich mitbekommen, dass der Data Becker Verlag, bei dem ihr euer Buch veröffentlichen wolltet, eben zugesperrt hat. Was bedeutet das für euer Projekt? Wie geht es nun weiter?

 

Ja, es ist echt schade, dass der Verlag schließt. Vor allem für die Mitarbeiter dort. Ich hoffe, dass sie so bald wie möglich einen neuen und auch guten Job finden. Für unser gemeinsames Buch geht es nun mit einem anderen Verlag weiter, dem Nepa Verlag. Das ist ein kleiner Verlag, der von einem guten Freund von mir betrieben wird. Er unterstützt auch mein anderes Unternehmen, die gemeinnützige Körperschaft YouCan Trust, aus den Verkäufen in seinem Verlag. Es lag also für mich nahe, ihn anzusprechen, und Natascha war von Anfang an von der Idee begeistert. So habe ich ihn halt gefragt, ob er Lust hätte, unser Buch in sein Programm mit aufzunehmen – er hat sofort zugesagt!

 

Ein Buch zum Thema „Social Media“ zu schreiben, ist eine große Herausforderung, weil sich Facebook & Co. laufend verändern. Was du heute publizierst, kann morgen schon überholt sein. Ist ein gedrucktes Buch in Anbetracht dieser Tatsache überhaupt der richtige Weg?

 

Mag sein, dass es bei gedruckten Fachbüchern im Hinblick auf Aktualisierungen ein Problem gibt, aber die Verkaufszahlen sprechen eindeutig für sich. Der Anteil an E-Books in Deutschland ist zum jetzigen Zeitpunkt vergleichsweise gering. Zwar hört man immer wieder, es mögen Bücher doch bitte – auch – als E-Book angeboten werden, doch machen diese Anfragen im Vergleich zur gesamten Käuferschaft nicht die Masse aus.

 

Ich glaube aber auch, dass Leser mittlerweile schon wissen, dass ein gedrucktes Social-Media-Buch nicht mehr wirklich aktuell sein kann, wenn es in die Jahre gekommen ist. Dies betrifft Fachbücher sämtlicher Richtungen. Doch in der Regel betreffen Änderungen ja nicht den kompletten Inhalt eines Buches, sondern es sind meist einzelne neue Funktionen. Solange Menschen Bücher in gedruckter Form kaufen, lohnt es sich, interessante Inhalte auch in dieser Form anzubieten. Kein Kindle der Welt kann Merkzettel und geliebte Eselsohren ersetzen. Für viele Menschen gehören diese Dinge einfach zum Lesen dazu.

 

Heftig ist es allerdings schon, wenn sich das komplette Design und auch die Funktionalitäten einer Social-Media-Plattform auf einen Schlag ändern, weil dann die meisten Screens und viele Erläuterungen im Buch auf einmal nicht mehr aktuell sind. So geschehen mit meinem Buch zum Thema „Google+ für Unternehmen“, das ich zusammen mit Tina Gallinaro geschrieben habe. Wir waren so stolz, denn wir waren die Ersten, die mit einem Buch zu Google+ auf den Markt gekommen waren. Doch keine vier Wochen später stellte Google plötzlich von einer Stunde auf die andere das komplette Design um. Die Kollegen anderer Verlage hatten dagegen Glück und noch Zeit ihr Skript auf das neue Design anzupassen. Hier hatten wir ganz einfach großes Pech.

 

Wie gesagt, in unserem Social-Media-Management Buch geht es hauptsächlich um Strategien, die anhand von vielen Praxisbeispielen veranschaulicht werden. Es soll helfen, den Alltag als Social-Media-Manager besser zu meistern, und Handlungsempfehlungen geben, die direkt in der Praxis umgesetzt werden können. Es geht also weniger um die Theorie, sondern mehr um den Praxisbezug.

 

Was Aktualisierungen angeht, so werden sie beim Nepa Verlag regelmäßig erfolgen können. Der Verlag hat nämlich im Gegensatz zu großen Verlagen eher die Möglichkeit, ganz individuelle Auflagen zu drucken. Dadurch können wir uns dem Markt weitaus besser anpassen. Auch können wir schon verraten, dass die E-Book-Version zu einem richtig guten Preis angeboten wird, was sicherlich auch ein Kaufanreiz sein wird.

 

Natascha Ljubic lebt in Wien, du lebst in Düsseldorf. Wie kam es eigentlich zu der Idee, gemeinsam ein Buch zu schreiben, und wie organisiert ihr euch?

 

Mein Lektor beim Data Becker Verlag kontaktierte mich seinerzeit und fragte mich, ob ich Lust hätte, ein Buch zum Thema Social-Media-Management zu schreiben. Das sei doch sicherlich interessant für mich. Er hatte Recht, denn ich war sofort Feuer und Flamme. Ich hab dann auch direkt bei Natascha nachgefragt, ob sie mitmachen möchte. Sie war zunächst überrascht – wie auch seinerzeit Tina Gallinaro beim Buch zu Google+ –, aber dann konnte sie meinen Argumenten doch nicht widerstehen.

 

Zu diesem Zeitpunkt kannte ich Natascha schon eine ganze Weile. Wir hatten in der Vergangenheit zusammen mit Tina Gallinaro, Michaela Schara und Elisabeth Rehse-Holzer bereits ein gemeinsames Projekt: den Netzwerk-Tuesday. Hier konnten andere ihre Seiten auf unseren Facebook-Seiten vorstellen. Wir nannten uns damals im Geheimen die glorreichen Fünf und sind auch immer noch miteinander verbandelt.

 

Durch mein gemeinsames Buch mit Tina Gallinaro hatte ich bereits Erfahrung wie es ist, zu zweit ein Buch auf den Weg zu bringen. Und ich kann dies gerade bei umfänglicheren Fachbüchern wirklich empfehlen. Es macht sehr viel Spaß und ist auch eine große Bereicherung, weil man nicht mehr allein mit seinen Ideen unterwegs ist, sondern sich gegenseitig unterstützt. Da kommen viele spannende Einfälle zusammen und manchmal ergeben sich auch Diskussionen, die aber immer sehr konstruktiv sind, so dass wir schnell einen Konsens finden. Daraus entwickeln sich oft wiederum neue Ideen, die wir mit in das Skript einbauen. Natascha Ljubic und ich treffen uns regelmäßig in einem privaten Google-Hangout und tauschen uns dort aus. Dabei teilen wir die Inhalte untereinander auf und Natascha schickt mir ihre Textbausteine, die ich dann in das Skript einfüge.

 

Wie weit seid ihr momentan, wann wird das Buch erscheinen?

 

Wir haben jetzt gut 50% des Skriptes fertig. Das Buch soll Anfang 2014 erscheinen.

Bücher von Inga Palme

 

       

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