Lehre (Universität und FH)

Do

23

Feb

2017

Wunderwaffe Plagiatsprüfung?

frau, die neugierig schaut

Ein Gastartikel von Natascha Miljković

Ob an Hochschulen oder im kommerziellen Bereich: Ein Plagiatsverdacht ist immer unangenehm und kann mitunter auch ziemlich teuer werden.

Abhilfe können da die viel diskutierten Plagiatsprüfprogramme schaffen, wenn man sie bewusst und mit einer guten Portion Realismus einsetzt.

Plagiate: Böse Absicht oder Unwissenheit?

Unabsichtlich abschreiben, das kann ja gar nicht passieren, man weiß doch, ob Getipptes selbst ausgedacht oder von anderswo genommen wurde! Die Empörung vieler angesichts der Plagiatsskandale der letzten Jahre ist nachvollziehbar: Eigene Leistung wird vorgetäuscht, indem in betrügerischer Absicht anderen ihr hart erarbeitetes Werk entwendet wird – und zwar ganz bewusst.

 

Solchen gezielt kriminellen Taten steht eine viel größere Zahl an Irrtümern gegenüber, die ungeschulten Schreibenden unterlaufen. Oder anders gesagt: Viele Plagiate entstehen ohne böse Absicht. Sie entstehen, weil Autorinnen und Autoren nicht wissen, wie sie mit fremden Inhalten korrekt umgehen sollen.

Wirtschaftliche Aspekte

Im akademischen Umfeld sind Plagiate – neben dem Ghostwriting – ein großes Problem. Aber Plagiate gibt es nicht nur an Unis und längst werden nicht nur fremde Texte ohne Nachweis übernommen. Neben Textklau gibt es Bilderklau, Ideenklau, Designklau usw. Auch hier steht die fremde Leistung im Vordergrund, meist aber im Hinblick auf eine fehlende Entlohnung.

Denn anders als in den Wissenschaften reicht es nicht aus, den Inhaber der Rechte zu zitieren, es muss eine (monetäre) Abgeltung stattfinden, um Fremdmaterial verwenden zu dürfen (sofern dies überhaupt vorgesehen ist). Wer sich nicht an die rechtlichen Vorgaben hält und plagiiert, muss mit rechtlichen Folgen und finanziellen Einbußen rechnen.


Fallbeispiele

  • Beispiel 1: Wenn Sie gerade eine Uni-Arbeit schreiben, müssen Sie deutlich machen, woher welches Wissen stammt. Sie müssen präzise Belege setzen.
  • Beispiel 2: Schreiben Sie gerade ein Sachbuch bzw. einen Ratgeber, müssen Sie bei der Übernahme fremder Inhalte Belege wie im Hochschulwesen setzen. Diese haben dann zusätzlich zu ihren Funktionen in wissenschaftlichen Texten (z. B. eigene Argumentation stärken, Definitionen klären, unterschiedliche Standpunkte vergleichen usw.) hier den Sinn, mögliche Urheber- und Verwertungsrechte (Copyright) anderer klar auszuweisen.
  • Beispiel 3: Viele Gewerbetreibende präsentieren sich ihren potenziellen und bestehenden Kundinnen und Kunden im Internet auf einer Website oder in einem Blog in Form von Texten. Abgesehen vom Textklau können die immer häufiger auftretenden „gespiegelten Websites“ (eine Website wird 1:1 kopiert und unter anderem Namen weiterverwendet) großen Schaden anrichten, da Kundinnen und Kunden auf eine falsche Seite umgelenkt werden und nie bei Ihnen anfragen oder bestellen werden.
  • Beispiel 4: Sehr unschön ist auch Ideenklau! Natürlich haben immer wieder zwei oder auch deutlich mehr Menschen zur selben Zeit zu ähnlichen Themen ähnliche Ideen. Drückt sich das jedoch in sehr ähnlichen Einreichungen für Aufträge oder Projektbewerbungen aus, liegt der Verdacht nahe eine/-r könnte von der/dem anderen abgekupfert haben und sich die Sache gar zu leicht machen. Dieses Vorgehen schadet nicht nur den bestohlenen Ideengeberinnen und Ideengebern, sondern auch dem Ansehen der ausschreibenden Einrichtung.

Falsche Vorstellungen, was Plagiatprüfprogramme leisten

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie beim Schreiben Ihres Textes „sauber“ gearbeitet haben, ist es sinnvoll, eine Plagiatsprüfung durchzuführen oder von einem Profi durchführen zu lassen. Mittlerweile gibt es unzählige Plagiatsprüfprogramme, die freilich auch unterschiedlich viel leisten, vor allem weil sie unterschiedliche Quellen vergleichen.

 

Im ersten und zweiten Beispiel ist eine Plagiatsprüfung gut machbar. Auch wenn es keine Garantien für eine vollständige Auffindung aller Plagiate gibt, kann man nach der Prüfung den Text doch überarbeiten. Im dritten Beispiel könnten die Geschädigten durch die von manchen Prüfprogrammen angebotenen Websitechecks (z. B. von PlagScan) rasch online durchsuchen und erheben lassen, wo ihre Texte weiterverwendet wurden.

Selbstverständlich können auf diese Art und Weise auch zugekaufte Websitetexte vor der Endabnahme kontrolliert werden. Im vierten Beispiel ist es mit einer Plagiatsprüfung wahrscheinlich nicht getan! Professionelle Textgutachten oder Gutachten durch Reviewverfahren von Sachverständigen sind hier angebracht, da es nicht nur um Texte, sondern um Ideen geht.

 

Leider haben aber auch Plagiatsprüfprogramme ihre Grenzen. Welche dieser Programme sind denn nun wirklich gut? Die Einteilung in gut und weniger gut ist hier müßig. Zunächst einmal muss man sich absolut klar darüber sein, dass diese Programme nie Plagiate feststellen! Es sind Textvergleichsprogramme, die nur Textähnlichkeiten erkennen können.

 

Weitere Einschränkungen können durch die Referenzmaterialien entstehen: Gibt es auf Ihrem Gebiet und/oder in Ihrer Sprache nur wenig Material online, kann es so aussehen, als wäre alles in Ordnung. Jede Plagiatsprüfungssoftware greift auf unterschiedliche Informationen zu.

 

Die Überprüfung ist außerdem immer nur eine Momentaufnahme, schon Sekunden später können Millionen neue Referenztexte eingespeist worden sein. Auch wird nicht jede Form von Plagiaten erkannt (z. B. Übersetzungsplagiate, Ghostwriting).

Realsitische Verwendungsmöglichkeiten

Statt Plagiatsprüfprogamme unsachgemäß und langwierig zu testen – es gibt bereits umfangreiche Softwaretests von Debora Weber-Wulff (zuletzt 2013: plagiat.htw-berlin.de/software) –, analysieren Sie besser Ihre Ziele: Warum möchten Sie eine Überprüfung durchführen? Was genau wollen Sie herausfinden? Erst wenn das klar ist, können Sie entscheiden, inwiefern Ihnen ein Plagiatsprüfprogramm weiterhilft.

 

Hier ein paar Wünsche, die an mich als Plagiatsprüferin immer wieder herangetragen werden:

  • Eine Ghostwriterin soll ihrem Kunden, einem hochrangigen Politiker, eine originelle Rede erstellen, die auf gar keinen Fall Anlass zu Angriffen durch andere Parteien bieten darf: keine Entlehnungen, schon gar keine Plagiate. Man will kein zweiter zu Guttenberg werden. Hier kann der Nachweis per Prüfbericht eines Spezialprogramms oder auch eine professionelle Überprüfung durch Textanalyse hilfreich sein. Wie gesagt, Garantien gibt es nicht und nur wenige Prozent Ähnlichkeit bedeuten erst einmal wenig. Das Ziel hier ist, zumindest genug Anhaltspunkte für die Originalität des Textes zu bekommen.
  • Ein Autor will Teile von Manuskripten, die er schon in früheren Jahren veröffentlicht hat, erneut verwenden. In diesem Fall ist die entscheidende Frage: Wie viel Material kann er nutzen und muss er sich gegebenenfalls selbst zitieren? Grundsätzlich kann und darf man alles Eigene weiterverwenden, im kommerziellen Bereich wird der alte Verlag allerdings auf sein Abgeltungsrecht und der neue auf originelle Texte bestehen. Mit der Plagiatsprüfung kann der Autor gegen Ende noch einmal kontrollieren, ob er manche Passagen nicht doch lieber umformulieren sollte, und der Verlag, ob er formell originelle Werke angeboten bekommt. Auch bei der Suche nach verloren gegangenen Zitaten können Plagiatsprüfprogramme helfen. Sie zeigen nämlich mögliche Referenzen an.
  • Eine Lyrikerin will einem Verlag nachweisen, dass sie nicht plagiiert hat. Bei der künstlerischen Verdichtung und großen Heterogenität lyrischer Sprache wird ihr eine herkömmliche Plagiatsprüfung hier nur wenig nutzen. Die Autorin sollte sich besser auf die Meinung geschulter Lektorinnen und Lektoren verlassen!
  • Ein Grafiker befürchtet, dass eine konkurrierende Firma eines seiner Logos blank abgekupfert und verkauft hat. Auch in diesem Fall ist die Plagiatsprüfung nutzlos! Denn sie stellt, wie gesagt, reine Textvergleiche an. Abbildungen, Tabellen und Inserts anderer Art werden nicht geprüft. Verwenden Sie in einem solchen Fall die reverse Bildersuche, indem Sie Ihr Originalfoto in ein Suchprogramm einspeisen, das das Internet nach ähnlichen Abbildungen durchforstet. Empfehlenswert sind unter anderem TinEye und die reverse Bildersuche von Google und anderen Suchmaschinen.

Fazit

Plagiatsprüfprogramme sind Hilfsmittel – aber auch nicht mehr! Ihre Anwendung und vor allem die Auswertung der Ergebnisse können viel Zeit kosten. Wenn man sich über die Nutzungsmöglichkeiten und den jeweiligen Leistungsumfang im Klaren ist, können sie durchaus sinnvoll sein. Sie stöbern manche Zitierfehler auf, können Kundinnen und Kunden und Hochschulen ein besseres Gefühl vor der Abgabe der Arbeit geben und fallweise auch auf unlautere Maßnahmen der Konkurrenz aufmerksam machen.

Über die Autorin

natascha milijkovic
Foto: Thomas Steibl

Als Science Counsellor arbeitet Natascha Miljković seit 2010 an der Vermeidung von akademischen Unredlichkeiten. 2012 gründete die promovierte Naturwissenschafterin, Hochschullektorin und Autorin die Agentur „Zitier-Weise“ (http://www.plagiatpruefung.at) und bietet ihre Expertise rund um Plagiatsvermeidung und -auffindung Schülerinnen und Schülern, Studierenden und Schreibenden aller Art an.

Nützlich können diese Spezialanalysen für vorwissenschaftliche Arbeiten, Seminar- und Hausarbeiten, Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten sowie Dissertationen sein, aber auch kommerzielle Texte wie Websites, Bücher und Antragstexte können genauestens unter die Lupe genommen werden. In ihrem Blog klärt die Expertin über gängige Missverständnisse rund ums Zitieren und über unerfüllbare Wunschvorstellungen auf.

Abbildungsnachweis:

Shutterstock.com: Bildnr. 229743154, pathdoc 

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Mi

18

Jan

2017

Wissenschaft und Mobilität: Von Wien über die USA nach Kanada. Ein Interview mit der Kunsthistorikerin Eva Struhal

foto von eva struhal

Ende Dezember war die Kunsthistorikerin Eva Struhal bei mir in der Schreibwerkstatt zu Besuch, wo wir uns über ihren beruflichen Werdegang unterhalten haben.

Eva Struhal hat in Wien Kunstgeschichte studiert und ist mittlerweile Professorin an der Universität Laval in Québec (Kanada).

In dem Interview erzählt sie von ihrem Weg als Wissenschaftlerin, für den Mobilität eine wichtige Voraussetzung war. In dem Interview kommen wir auch auf die verschiedenen Wissenschaftssysteme in Österreich, den USA und Kanada zu sprechen. Und natürlich geht es auch um die universitäre Lehre und das wissenschaftliche Schreiben.

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Mi

11

Jan

2017

Was Universitäten gegen Ghostwriting tun können

Auslage mit Croissants

Wenn man Zeitungsartikel zum Thema akademisches Ghostwriting liest (zum Beispiel hier), scheint es, als gäbe es keine Handhabe dagegen. Das sehe ich anders. – Ghostwritern kann man das Handwerk nicht legen, denn ihre Dienstleistung ist (leider) legal. Und wenn der Ghostwriter gute Arbeit geleistet hat, kann man allein anhand der Uni-Arbeit nicht nachweisen, dass der/die Studierende den Text nicht selbst verfasst hat. Meiner Meinung nach gibt es aber einen Weg aus dem Dilemma, und der heißt: reden.

Die Lösung gegen Ghostwriting heißt "Miteinander reden"

Sobald man als Lehrende bzw. Lehrender nachfragt, wird in der Regel rasch klar, ob der/die Studierende seine/ihre Hausarbeit, Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation selbst verfasst hat oder nicht. Damit das Gespräch seinen Sinn und Zweck nicht verfehlt, sollte es natürlich nicht nur um die Thesen bzw. den Inhalt der Arbeit gehen, sondern stichprobenartig vor allem auch um die verwendete Literatur und die dort vertretenen Ansichten.

Bei der Zahl an Studierenden, die Lehrende meist zu betreuen haben, wird ein derartiges Prüfungs- bzw. Nachhakgespräch im Falle von Hausarbeiten wohl nur selten möglich sein. Und bei Dissertationen ist ein Prüfungsgespräch (Defensio) inzwischen meist üblich. Dazwischen liegen die Bachelor- und die Masterarbeiten.

 

Nach dem Abschluss dieser Arbeiten ein kurzes Gespräch mit den Autorinnen und Autoren zu führen, um zu sehen, ob sie mit der Materie samt der zugrunde liegenden Literatur auch tatsächlich vertraut sind, halte ich für eine sinnvolle Option, um Wissenschaftsbetrug aufzudecken.

 

Ghostwritern und Studierenden, die sich ihren akademischen Grad erschwindeln, gehört das Handwerk gelegt  – auch im Sinne der Fairness gegenüber all jenen Studierenden, die sich mit ihren Arbeiten plagen, sehr viel Zeit investieren, ihre Abschlussarbeit aber selbst schreiben.

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Abbildungsnachweis (Bild oben):

Shutterstock.com: Bildnummer:351353879. Urheberrecht: S_L

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So

31

Jul

2016

Wieder ein Evaluationsergebnis. Dieses Mal habe ich geschmunzelt!

Aus verschiedenen Gründen bin ich ein großer Fan von Evaluationen. Nun liegt das Evaluationsergebnis meiner zweitägigen Schreibwerkstatt an der Donau Universität Krems vor. Eine Studentin oder ein Student hat mich mit ihrem bzw. seinem Kommentar bei den offenen Antwortmöglichkeiten sogar zum Schmunzeln gebracht. Dort heißt es nämlich:

 

Frau Weigl reagierte souverän und flexibel auf die mangelnde Vorbereitung der Gruppe.

 

Tatsächlich hat zumindest am ersten Tag nichts so funktioniert, wie es geplant bzw. mit der Lehrgangsleitung vereinbart war, weil sich die Gruppe nicht vorbereitet hatte bzw. erst einmal noch ihre Hausarbeiten und nicht das Exposé für die Masterarbeit im Kopf hatte. Da hat nur eine spontane Umstellung des Programms geholfen. Es galt die Gruppe dort abzuholen, wo sie gerade stand, wo sie Hilfe benötigte. Und das hat letztendlich gut geklappt.

Fazit: 

  1. Spontaneität kann einen Workshop retten.
  2. Ohne Evaluationsergebnisse wäre mein Leben auf jeden Fall ärmer!  ;)
Evaluationsergebnis der Donau Universität Krems
Bildwissenschaften Juni 2016.pdf
Adobe Acrobat Dokument 54.5 KB

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Do

09

Jul

2015

Die neuesten Evaluationsergebnisse sind da

Dieses Semester habe ich u.a. an der Universität Wien eine Lehrveranstaltung über das Stift Melk gehalten. Nun sind die Evaluationsergebnisse da. Und ja, ich freue mich über das Feedback, das die Studierenden mir hier gegeben haben.

Evaluation SS 2015.pdf
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