Di

16

Dez

2014

Das Staufer Studienmodell: Ein Interview mit Stefan Duschek

Stefan Duschek arbeitet als Tutor im Bereich Schreibberatung und wissenschaftliches Arbeiten an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, wo er eben sein Lehramtsstudium abgeschlossen hat. In dem Interview gibt er Einblicke in das von der PH Schwäbisch Gmünd entwickelte Staufer Studienmodell, das in dieser Form einzigartig ist: Studierende erwerben Kompetenzen, die sie nicht nur in ihrem Studium, sondern auch im Lehrberuf einsetzen können.

Stefan, du arbeitest als Tutor an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, an der v.a. Grund-, Hauptschul- und Realschullehrer ausgebildet werden. Ihr habt ein besonderes Modell entwickelt, um Studierende beim Erwerb von Schlüsselkompetenzen zu unterstützen. Was genau bedeutet das? Wie funktioniert dieses Modell?

An unserer Hochschule bekommen die Studierenden im Rahmen des sogenannten Staufer Studienmodells – in unserer Region hat das Adelsgeschlecht der Staufer seinen Ursprung – die Möglichkeit, sich über das reguläre Studium hinaus weiterzubilden, um zukünftige Einstellungschancen im Lehrberuf zu verbessern. Dazu werden studien- und berufsrelevante Schlüsselkompetenzen gefördert, die den Studierenden den Erwerb eines besonderen Kompetenzprofils ermöglichen.


Studienrelevante Kompetenzen werden unter anderem in Form von Workshops angeboten. Deren Themen sind im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens angesiedelt und beinhalten unter anderem Workshops mit Word, Excel, PowerPoint, das Literaturverwaltungsprogramm Citavi, Mindmanager für Mindmaps, GrafStat für Fragebögen, eine Einführung in das interaktive Whiteboard und einen Überblick in die Forschungsmethoden.


Berufsrelevante Kompetenzen werden hingegen in Seminaren angeboten, die beim erfolgreichen Abschluss ein Hochschulzertifikat beinhalten. Das wären beispielsweise „Digitale Medien im Unterricht“, „Forschung und Evaluation in der pädagogischen Praxis“, „Internationale Kompetenz im Lehramt“ oder – wie in meinem Fall – die „Schreibberatung“.


Als ausgebildete/r Schreibberater/in hat man zudem die Möglichkeit, als Tutor zu arbeiten. An vier Tagen in der Woche bietet das Tutorenteam eine Peer-to-Peer-Beratung an. Dabei decken wir die Themen „Wissenschaftliches Arbeiten“, „Medienberatung“ und „Schreibberatung“ ab.

Was sind konkret deinen Aufgaben als Tutor?

In erster Linie bin ich als Ansprechpartner für die Studierenden während unserer Öffnungszeiten, auch online per E-Mail und über Facebook erreichbar. Die Fragen der Studierenden sind dabei sehr breit gefächert.

In der Schreibberatung zum Beispiel möchten sie gerne auch nur über ihre bevorstehende Arbeit reden. In einem Gespräch konkretisieren sich die bisherigen Gedanken äußerst effektiv. Ich nehme dabei gerne die Rolle des Unwissenden ein, der viel über das Thema erfahren möchte. So entdecken die Studierenden, in welchen Gebieten sie sich auskennen, wo sie Lücken haben und was darüber hinaus von Interesse ist. Ganz nebenbei entwickeln wir in der Gesprächsrunde ein Konzept und eine vorläufige Gliederung. Steht der erste Plan, helfe ich noch beim Zeitmanagement und gebe Recherchetipps.

Beim „Wissenschaftlichen Arbeiten“ kommen häufig Fragen zu den Zitationsstilen und auch konkrete Fragen, wie man bestimmte Quellen richtig zitiert. Das sind beispielsweise Homepages ohne Autoren, Flyer und Interviews – solche Quellen sind nicht in den gängigen Leitfäden für das wissenschaftliche Arbeiten der Abteilungen an der PH zu finden.

Wenn wir gerade keine Beratungen machen, überlegen wir im Team, welche Workshops wir anbieten können, und bereiten zudem unsere Spätschicht vor. An einem Abend im Semester bieten wir nämlich von 16 bis 24 Uhr Workshops und Beratungen an. Zudem können die Studierenden an diesen Tagen bzw. Abenden in speziell eingerichteten Ruhezonen an ihrer Arbeit feilen und bei Bedarf eine/n Berater/in fragen. Der Gedanke dahinter ist: Wenn ich schon mal da bin, dann konzentriere ich mich ein paar Stunden nur auf meine Arbeit!

Welche Rolle nimmt das wissenschaftliche Schreiben im Rahmen des Studiums an der PH ein und wie unterstützt ihr Studierende beim Schreiben ihrer Hausarbeiten?

Lehramtsstudierende müssen eine wissenschaftliche Hausarbeit im Umfang von 60–80 Seiten schreiben, damit sie zum ersten Staatsexamen zugelassen werden. Schon deshalb hat das wissenschaftliche Schreiben einen hohen Stellenwert.

Nachdem gerade in Deutschland die Plagiatsaffären um den ehemaligen Verteidigungsminister Guttenberg und die ehemalige Wissenschaftsministerin Schavan große Wellen schlugen, ist sicherlich den Studierenden bewusst, dass dem wissenschaftlichen Schreiben exakte Regeln zugrunde liegen.

Meiner Meinung nach werden hingegen in den Seminaren die Studierenden unzureichend auf das wissenschaftliche Schreiben vorbereitet. Vielmehr müssen sie das Schreiben eigenverantwortlich lernen. Dazu bieten wir vom Staufer Studienmodell Seminare zum „Wissenschaftlichen Arbeiten“ an. Das Tutorenteam hat zudem einen Workshop zum Thema „Erfolgreich Schreiben“ erarbeitet. Hier können die Studierenden zumindest einen Einblick bekommen. Wer sich dann noch unsicher ist, kann mit der Hausarbeit zu uns in die Beratung kommen.

Hast du einen besonderen Tipp, wie Studierende ihre Schreibkompetenz verbessern können?

Mein Tipp ist: Übung macht den Meister! Jeder fängt klein an und kann sich kontinuierlich verbessern, denn Schreiben ist lernbar. Dazu ist es allerdings wichtig, dass man sich unbedingt ein Feedback der Dozenten nach der Korrektur einholt und sich nicht vor Hausarbeiten drückt. Wer am Ende seines Studiums die erste Hausarbeit schreibt, hat viel Trainingszeit vergeudet und benötigt große Anstrengungen für die finale Zulassungsarbeit. Zudem empfehle ich, wenigstens einmal einen Ratgeber zu lesen.

 

Ein Buch, das ich gerne empfehle, ist das von Matthias Karmasin und Rainer Ribing: Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. Ein Leitfaden für Seminararbeiten, Bachelor-, Master- und Magisterarbeiten sowie Dissertationen. 7., aktualisierte Aufl. Wien: UTB.

Was können deiner Meinung nach andere PHs von euch lernen? Wäre euer Modell auch auf Universitäten und Fachhochschulen anwendbar?

Mir Sicherheit ist unser Modell auch in anderen Hochschulen durchführbar. Ähnliche Angebote existieren bereits, sind allerdings meist auf eine reine Schreibwerkstatt mit entsprechenden Tutoren beschränkt. Wir versuchen darüber hinaus, zusätzliche Angebote zu machen, die übrigens von den Tutor/inn/en selber ausgearbeitet wurden. Zum wissenschaftlichen Schreiben gehören nämlich auch die zielgerichtete Recherche, ein sicherer Umgang mit Word und Citavi, das korrektes Zitieren enorm erleichtert. Solche Inhalte haben wir von der Schreibberatung getrennt und den speziell ausgebildeten Tutoren im Bereich „Wissenschaftliches Arbeiten“ und „Medien“ anvertraut.

Weiterführend

>> Informationen zum Staufer Studienmodell auf der Website der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd

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