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18

Mär

2016

Neu als PDF: Duden 4 – Die Grammatik

Ein Gastbeitrag von Julian von Heyl

Auch wenn sich die Dudenreihe 1–12 mit ihrem bunten Farbverlauf im Bücherregal sehr homogen und dekorativ macht, könnten die einzelnen Bände unterschiedlicher nicht sein, was Inhalt und Anspruch angeht. Der Grammatikduden, als Band 4 in die Reihe integriert, sticht hierbei schon durch seinen schieren Umfang von 1.344 Seiten, aber auch durch seine Theorielastigkeit, deutlich heraus. Doch insbesondere in der neuen PDF-Version entpuppt sich der vermeintlich sperrige Monolith als überraschend zugängliche Arbeitshilfe.

Anspruch und Aufbau des Grammatikbandes

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Duden: Grammatik, Bd 4. Foto: © Duden

Die mittlerweile in der 9. Auflage (2016) vorliegende Dudengrammatik „beschreibt die geschriebene und die gesprochene Standardsprache der Gegenwart“ – so der hehre Anspruch im Vorwort. Als „Grammatik der deutschen Gegenwartssprache“ erschien sie erstmals 1959 in Mannheim unter der Leitung von Paul Grebe und hat sich in Wechselwirkung mit dem aktuellen Forschungsstand seitdem kontinuierlich weiterentwickelt.

 

Die heutige Grammatik kommt vom Stöckchen zum Hölzchen, beginnt also mit der kleinsten Einheit, dem Laut, um sich dann über Wort und Satz zum Text vorzuarbeiten. Der Grammatik der gesprochenen Sprache und der Intonation sind jeweils eigene Kapitel gewidmet.

 

Neben der üblichen Einteilung in Kapitel und Unterkapitel findet sich eine Gliederung in Sinnabsätze, die mit blauen Randnummern gekennzeichnet sind. Zur Navigation empfiehlt sich mehr noch als das Inhaltsverzeichnis das sehr ausführliche Register, welches direkt auf diese Nummern verweist.

Wie schlägt sich das Nachschlagewerk im Praxisvergleich?

Um es kurz zu machen: Geht es um die schnelle Klärung von Zweifelsfällen, ist man mit dem Duden 9 „Richtiges und gutes Deutsch“ – insbesondere in der elektronischen Variante der Duden-Bibliothek – besser bedient. Doch hier wird in der Regel nur das Wie erklärt, nicht das Warum. Die Dudengrammatik erlaubt einen sehr viel gründlicheren Blick hinter die Kulissen. Speziell das PDF, welches mit 22,99 EUR leider nur geringfügig preiswerter ist als das Buch (27,99 EUR), beseitigt dank Volltextsuche den gravierendsten Nachteil des Werkes, nämlich die wenig intuitive Zugänglichkeit.

 

Während die ersten Kapitel zu Phonem und Graphem, Wortbetonung oder Intonation wohl eher für Sprachwissenschaftler interessant sind, wird es ab der zweiten Hälfte, wenn es um Satzaufbau und Textstrukturen geht, auch für praxisbezogene Textarbeitende spannend.

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Einblick in den Grammatikband als PDF. Foto: © Duden

Was ist eigentlich ein Nebensatz und wie funktioniert er? Wieso werden manche Präpositionen mit dem Genitiv und andere mit dem Dativ verbunden? Gegenüber den sehr viel trockeneren Vorauflagen bietet die aktuelle Dudengrammatik hier viel Praxisbezug, indem sie auf den Duden-Textkorpus zurückgreift und alle grammatischen Erscheinungen an Beispielsätzen deutlich macht.

Fazit

Hat man sich in die grammatischen Grundlagen erst ein bisschen eingearbeitet, wird die Dudengrammatik schnell vom Nice-to-have zum Must-have. Man sollte sich für die jeweilige Recherche aber ein wenig Zeit nehmen. Denn oft genug erwischt man sich dabei, auch dann noch weiterzulesen, wenn das eigentliche Problem längst geklärt ist, um sich neue Zusammenhänge zu erschließen. Umso nachhaltiger verankert sich das Sprachwissen. Und gleichzeitig merkt man: Grammatik kann richtig spannend sein!

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© Julian von Heyl

 

Ergänzende Informationen:

Buch und PDF
finden Sie im Shop des Duden Verlags.
Auf der Facebook-Seite der Schreibwerkstatt können Sie bis Mi., 23. März 2016 (23:59 Uhr) ein Exemplar des Grammatikbandes gewinnen.

 
Julian von Heyl, Autor der Rezension, ist Lektor und Korrektor. Er ist Koautor mehrerer Bücher für den Dudenverlag und betreibt die Website korrekturen.de, ein Portal mit Infos und Tipps zu Sprache und Rechtschreibung.

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Kommentare: 2
  • #1

    Peter J. Kraus (Montag, 28 März 2016 14:37)

    "Hat man sich in die grammatischen Grundlagen erst ein bisschen eingearbeitet, wird die Dudengrammatik schnell vom Nice-to-have zum Must-have."

    Really?

  • #2

    Huberta Weigl (Montag, 28 März 2016 16:56)

    Warum nicht?