Wo anfangen, wenn das Exposé fertig ist?

 

Das Exposé ist geschrieben, und was dann? Erst mal lesen oder das zusammengetragene Material ordnen? Oder einfach mit dem Schreiben beginnen?

Diese Fragen hat sich Regina gestellt, die mir über die Aktion Frag Huberta folgende Nachricht geschickt hat:

Hi Huberta,

 

ich studiere Kommunikationswissenschaften und promoviere extern an der Uni in Graz. Einen Betreuer hätte ich sogar schon und auch ein Thema. Zu diesem habe ich bereits recherchiert und ein Exposé ist fast fertig.

 

Nun bin ich aber ehrlich gesagt etwas überfordert mit dem Beginn der eigentlichen Arbeit. So ging es mir auch noch bei keiner Arbeit vorher, aber die Dissertation schreckt mich einfach ab. Ich weiß nicht genau, wo ich jetzt anfangen soll. Einfach losschreiben bei irgendeinem Kapitel? Oder zuerst die Literatur den jeweiligen Kapiteln zuordnen?

Danke im Voraus!

 

Liebe Regina, der erste Schritt ist natürlich, dein Exposé fertigzustellen und es mit deinem Betreuer zu besprechen. Hab dabei bitte im Auge, dass bereits dein Exposé eine vorläufige Gliederung bzw. ein vorläufiges Inhaltsverzeichnis beinhalten sollte. 

 

Wie es dann weitergeht, möchte ich dir in diesem Blogartikel erklären (wenn du lieber ein Video anschaust, dann klicke hier). Vorab aber ein Hinweis:

Schreibe die Einleitung bitte erst zum Schluss!

Viele Studierende möchten mit der Einleitung beginnen. Das klappt nicht. Du kannst nicht in etwas einleiten, was du noch gar nicht geschrieben hast. Kopiere dein Exposé in die Einleitung und lass die Einleitung dann ruhen. Klar kannst du immer mal wieder Gedanken in die Einleitung einfügen, aber die Einleitung selbst schreibst du zum Schluss.

 

Literatur ordnen

Wenn die Literatur, die du für das Exposé zusammengetragen hast, ungeordnet ist, ist jetzt sicher der Zeitpunkt, in deinen ausgedruckten Unterlagen oder in deinen Ordnern am PC eine Struktur anzulegen. Das Material den Hauptkapiteln entsprechend zuzuordnen, ist eine gute Idee. So mache ich das auch.

 

Überblick verschaffen

Abhängig von deinem Thema und der Frage, wie tief du bereits im Zuge des Exposéschreibens in die Materie eingestiegen bist, kann es sinnvoll sein, dass du dich erst mal weiter einliest. Achte aber darauf, dass die Phase des Einlesens nicht ausufert. Damit das nicht passiert, habe beim Lesen deine Forschungsfrage(n) und deine Kapitelstruktur im Auge.

 

Kapitel zur Bearbeitung auswählen

Im nächsten Schritt wähle ein Kapitel aus, zu dem du Text produzieren möchtest. Viele Studierende arbeiten die Kapitel gerne von oben nach unten ab, aber das ist kein Muss.

 

Oft ist es auch möglich und sinnvoll, nach dem Lustprinzip zu schreiben, liebe Regina! Dann knöpfst du dir zum Beispiel das Kapitel 4 vor, um danach Kapitel 3 und schließlich Kapitel 7 usw. zu schreiben. Als Alternative kannst du auch mit dem Kapitel beginnen, zu dem du bereits das meiste Material beisammenhast. Ein rascher Schreiberfolg gerade zu Beginn kann guttun und Auftrieb geben.

 

Okay, du hast dich für ein Kapitel entschieden. Was nun? Lies erst einmal die vorhandene Literatur zu dem Abschnitt und prüfe, was dir noch an Literatur fehlt. Es ist normal, wenn du während des Lese- bzw. Schreibprozesses feststellst, dass du deine Recherche vertiefen musst. Beim wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben pendeln wir alle ständig zwischen Recherche, Lesen und Schreiben. Versuche dir dann klarzumachen, worum es in dem Kapitel geht, mach eventuell noch ein Mindmap und starte dann in den Schreibprozess.

 

Fazit: Arbeitsschritte nach dem Exposé

Es ist sinnvoll, zunächst einmal eine vernünftige Struktur in deine Literaturablage zu bringen, sei es digital oder auf Papier. Verschaffe dir, falls notwendig, einen vertieften Überblick, indem du dich weiter einliest, und beginne dann mit dem Kapitel, zu dem du bereits das meiste Material oder auf das du am meisten Lust hast. Hab dabei im Auge, dass es erst mal nur um das Schreiben einer Rohfassung geht. Das, was du in der ersten Phase nach Abgabe des Exposés zu Papier bringst, ist nicht deine finale Arbeit. Mach dir keinen Druck! Dein Text ist ein Rohling, der nach und nach reifen wird.

 

Über mich

Mein Name ist Huberta Weigl. Ich unterstütze Studierende vor dem Hintergrund jahrelanger Erfahrung als Lehrende, Wissenschaftlerin und Schreibcoach bei ihren FH- und Uni-Arbeiten, und zwar in Form von Coachings, Workshops und Schreibgruppen. Zu meinem Team gehören zudem zwei Lektorinnen, die auf Wissenschaftslektorate spezialisiert sind.


Veröffentlicht am 4.7.2023

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