Wie wird ein Lektorat abgerechnet?

Seiten, Normseiten, Wörter und Stunden im Lektorat

Wenn du noch nie ein Lektorat in Auftrag gegeben hast, fragst du dich vielleicht, wie die Preise eigentlich zustande kommen – und warum manche Lektor*innen nach Normseiten, andere nach Stunden abrechnen. In diesem Artikel erfährst du, welche Abrechnungsmodelle es im Lektorat gibt, warum eine Kalkulation immer mehr umfasst als die reine Arbeitszeit am Text und warum letztendlich hinter jeder Abrechnung eine Stundenkalkulation steht.

 

Taschenrechner und Tastatur bezeichnet: Abrechnung im Lektorat

In der Schreibwerkstatt bieten wir ein qualitätvolles deutschsprachiges Lektorat an. Alle Details dazu samt Infos zu den beiden Lektorinnen findest du hier

Warum im Lektorat nicht einfach „pro Seite“ gerechnet wird

Viele Kund*innen denken zunächst an die tatsächlichen Seiten ihres Dokuments. Das Problem dabei: Manuskriptseiten sind keine verlässliche Bezugsgröße. 

 

Eine Seite kann

  • sehr dicht oder sehr locker beschrieben sein,
  • viele oder keine Absätze enthalten,
  • mit einer kleinen oder mit einer großen Schrift gefüllt sein,
  • Tabellen und Abbildungen oder nur Text enthalten.

Eine Manuskriptseite sagt also nichts über die Textmenge aus. Aus diesem Grund arbeiten professionelle Lektor*innen mit sogenannten Normseiten.

 

Was ist eine Normseite?

Eine Normseite ist eine standardisierte Bezugsgröße. Sie sorgt dafür, dass Texte fair und nachvollziehbar kalkuliert werden können. Die Grundlage für so eine Normseite sind die Zeichen inklusive Leerzeichen, und nicht Wörter.

Wie viele Zeichen eine Normseite umfasst, wird allerdings unterschiedlich gehandhabt. Bei manchen Anbieter*innen umfasst eine Normseite 1.500 Zeichen inklusive Leerzeichen, bei anderen 1.600 oder 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen.

 

Die Lektorin oder der Lektor sollte daher im Angebot klar kommunizieren, wie eine Normseite definiert wird. Bei uns umfasst eine Normseite 1.500 Zeichen inklusive Leerzeichen.

 

Wann auf Normseitenbasis abgerechnet werden kann

Eine Abrechnung auf Normseitenbasis funktioniert nur dann, wenn der Text als Word-Datei vorliegt. Nur dort können die Zeichen inklusive Leerzeichen zuverlässig ermittelt werden.

 

Abrechnung auf Stundenbasis

Liegt der Text als PDF vor, dann rechnet man im Lektorat auf Stundenbasis ab. Zeichen inklusive Leerzeichen können hier nicht exakt oder nur mit großem Zusatzaufwand ermittelt werden und das Lektorat ist im PDF oft aufwendiger.

 

Stundensätze werden zudem oft auch veranschlagt, wenn Word-Texte viele Tabellen oder Grafiken enthalten. Wir entscheiden uns dann manchmal auch für eine Mischkalkulation und bieten das Lektorat des Textes auf Normseitenbasis an, das der Tabellen und Grafiken (vor allem, wenn sie als Bilddatei eingefügt wurden) auf Stundenbasis.

 

Warum hinter jedem Preis ein Stundensatz steckt

Auch wenn du als Kund*in einen Preis pro Normseite bekommst, basiert dieser intern immer auf einer Stundenkalkulation. Und hinter dem Stundensatz stehen auch die nicht direkt verrechenbaren Stunden: die Zeit für Marketing, Buchhaltung, Weiterbildung, Websitewartung und vieles mehr.

 

Wie hoch ist denn nun der Stundensatz bzw. der Normseitenpreis?

Bei uns kostet eine Normseite zu 1.500 Zeichen zwischen 10 und 12 Euro zuzüglich 20 % USt. Für eine Arbeitsstunde veranschlagen wir 86 Euro zuzüglich 20 % USt.

 

Wie hoch der Preis tatsächlich ist, hängt von der Qualität deines Textes ab. Sollte er exzellent formuliert sein, ist der Preis niedriger und möglicherweise genügt sogar ein Korrektorat.

 

Den Unterschied zwischen einem Lektorat und einem Korrektorat habe ich hier erklärt. Bei uns in der Schreibwerkstatt inkludiert ein Lektorat immer ein Korrektorat.

 

Warum ein Lektorat mehr ist als nur ein „Durchlesen“

Bei einem Lektorat setzt sich ein Profi intensiv mit deinem Text auseinander und prüft Wort für Wort, Satz für Satz samt Kontext. Dabei geht es darum, dass du am Ende einen Text in Händen hältst, der möglichst fehlerfrei ist, sich gut liest und sein Ziel erreicht.

 

Im Lektorat werden Sätze umgestellt oder gekürzt, wenn sie zu lang, verschachtelt oder schwer verständlich sind. Gerade in wissenschaftlichen Texten passiert es schnell, dass ein Satz mehrere Gedanken gleichzeitig transportieren soll. Dann prüft die Lektorin oder der Lektor, was wirklich zusammengehört, wo ein Punkt besser wäre und wie die Aussage klarer wird.

 

Auch Formulierungen werden verbessert. Das betrifft ungenaue Ausdrücke, umgangssprachliche Wendungen, Wiederholungen oder holprige Übergänge. Ziel ist nicht, deine Schreibstimme zu verändern, sondern deine Aussagen präziser und lesefreundlicher zu machen.

 

Wiederholungen hat die Lektorin oder der Lektor natürlich ebenfalls im Blick. Manche Texte enthalten ähnliche Aussagen an mehreren Stellen – manchmal fast wortgleich, manchmal in leicht veränderter Form. Im Lektorat wird geprüft, welche Wiederholungen sinnvoll sind und welche den Text unnötig schwerfällig machen.

 

Auch die Logik des Textes kann Thema des Lektorats sein. Dabei geht es darum, ob die Argumentation stimmig ist, ob Aussagen zueinander passen und ob Absätze in einer nachvollziehbaren Reihenfolge stehen. Gerade bei Abschlussarbeiten ist das wichtig, weil dort nicht nur die Sprache zählt, sondern auch der rote Faden.

Bei einer Hausarbeit, Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Doktorarbeit spielt außerdem die Einheitlichkeit der Zitation eine große Rolle. Die Lektorin oder der Lektor achtet darauf, ob der gewählte Zitierstil konsequent verwendet wird und oft auch nach Absprache, ob Literaturverzeichnis und Verweise im Text zusammenpassen. Gerade hier steckt oft viel Detailarbeit dahinter.

Und natürtlich ist das Gendern ein Thema im Lektorat: Dabei wird geprüft, ob durchgehend dieselbe Form verwendet wird und ob die Schreibweise im gesamten Text einheitlich und konsistent bleibt.

 

Bei belletristischen Texten kommen noch weitere Aspekte hinzu. Hier geht es oft zusätzlich um den Plot, den Spannungsbogen, die Figurenentwicklung oder die Glaubwürdigkeit von Dialogen. Es wird zum Beispiel geprüft, ob Figuren konsistent handeln, ob Szenen logisch aufeinander aufbauen und ob die Geschichte Leser*innen emotional mitnimmt. 

 

Mein Fazit: Es geht um konzentrierte, qualitätvolle Textarbeit.

All diese Arbeitsschritte zeigen: Ein gutes Lektorat ist kein schnelles Durchlesen, wie es Kolleg*innen, Freunde oder Familienangehörige machen.

 

Es ist konzentrierte Textarbeit, bei der sprachliche Genauigkeit, Verständlichkeit und formale Sorgfalt zusammenkommen. Deshalb benötigt ein sorgfältiges Lektorat Zeit, Erfahrung und viel Aufmerksamkeit für Details – damit du am Ende einen Text in Händen hältst, den du mit einem guten Gefühl abgeben oder veröffentlichen kannst und mit dem du deine Leser*innen erreichst.

 

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Abbildungsnachweis: Tastatur mit Notizblock: Shutterstock.com, Bildnr. 120946966, Oscar Espinosa | Taschenrechner: Canva