So erstellst du eine Gliederung für deine Uni-Arbeit

Tipps, wie du eine Struktur bzw. ein Inhaltsverzeichnis für deine Hausarbeit, Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation entwickelst

 

Der Gliederung einer Uni-Arbeit, egal ob es nun eine Hausarbeit, Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation ist, hat eine wichtige Funktion: Sie dient deinen Leserinnen und Lesern als Orientierung und sie zeigt, ob du dein Thema verstanden hast. Eine vernünftige Gliederung zu entwickeln, ist allerdings gar nicht so einfach. Tausend Ideen, aber wie lassen sich die bloß strukturieren? 

In Coachings arbeiten wir regelmäßig gemeinsam an der Gliederung bzw. dem Inhaltsverzeichnis. Manchmal geht es dabei um den ersten Entwurf (und um eine Konkretisierung des Themas), manchmal um eine Optimierung der bestehenden Gliederung und hin und wieder um den Feinschliff. 

Um die Gliederung geht es auch in der Nachricht, die mir Laurin über die Aktion Frag Huberta! geschickt hat. Er schreibt:

 

Hallo Huberta!

 

In meiner Dissertation aus dem Bereich Wirtschaftswissenschaften geht es um verschiedene Marketingstrategien und ihre Glaubwürdigkeit. Die Arbeit wird eine reine Literaturarbeit. Da ich bis jetzt aber ehrlich gesagt immer etwas Empirisches gemacht habe, bin ich ein wenig unsicher, wie ich die Arbeit am besten aufbauen soll bzw. welche Möglichkeiten es gibt.

 

 

Danke für deine Frage, lieber Laurin! Ich habe keinen Tipp für dich, wie du die Arbeit exakt zu diesem Thema aufbauen kannst, denn das hängt von deinen Forschungsfragen ab. Es gibt kein schematisches Strickmuster für die Gliederung einer Literaturarbeit. Ich möchte dir aber gern einen Weg zeigen, wie du zu einer Gliederung kommst und dir ein wenig Druck nehmen.

 

Der Weg zur Gliederung bzw. zu einem vorläufigen Inhaltsverzeichnis für eine wissenschaftliche Arbeit (Hausarbeit, Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation):

Schritt 1: Recherche und lesen

Der erste Schritt auf dem Weg zu einer Gliederung ist immer eine längere Recherche- und Lesephase. Um eine Struktur für eine Dissertation oder auch Hausarbeit, Bachelorarbeit oder Masterarbeit entwickeln zu können, musst du in dein Thema eingelesen sein. Viele Studierende plagen sich mit der Entwicklung einer Gliederung, und wenn ich dann nachfrage, stellt sich oft heraus, dass sie sich noch kaum oder gar nicht mit der Literatur dazu befasst haben.

 

Erst wenn du dich mit der Literatur zu deinem Thema befasst hast, kannst du die Forschungsfrage(n) konkretisieren. Also, du brauchst erst mal ein grobes Thema, dann liest du dich ein und anschließend (oder auch parallel dazu) formulierst du die Fragen, die du in deiner Arbeit nachgehen wirst. 

 

Schritt 2: Mindmap erstellen

Im nächsten Schritt kann es sehr hilfreich sein, wenn du ein Mindmap machst. Dazu nimmst du ein weißes Blatt Papier im Querformat und schreibst dein Thema in einen Kreis in die Mitte. Dann schreibst du den ersten Aspekt auf, den du in deiner Arbeit behandeln möchtest, kringelst ihn ein und verbindest die "Blase" mit der "Blase", in der dein Thema steht.

 

Nimm dir Zeit für dein Mindmap (gern auch mehrere Stunden oder Tage) und lass alle Ideen aufs Papier fließen. Alles, was dir einfällt, schreibst du in dieser ersten Phase unzensiert nieder. Es geht darum, einfach einmal alle Ideen zu sammeln.

 

Schritt 3: Wichtiges und weniger Wichtiges trennen

Nun schau auf dein Mindmap und überlege mal, was unbedingt in deine wissenschaftliche Arbeit hineinsollte und was nicht. Behalte dabei deine Forschungsfrag(n) im Auge.

 

Kringle alles, was du auf jeden Fall behandeln möchtest, rot ein. Punkte, bei denen du dir noch nicht sicher bist, ob du sie aufgreifen möchtest, markierst du in einer anderen Farbe, zum Beispiel gelb. Aspekte, die sich nun als nicht relevant herausstellen, kannst du durchstreichen.

 

Schritt 4: Eine erste Reihenfolge versuchen

Im vierten Schritt versuche mal, alle rot markierten Aspekte in eine Reihenfolge zu bringen. Du kannst hier natürlich die gelben auch gern einbeziehen. Wenn es dir an dieser Stelle schwerfällt, bereits in Punkten wie 1, 2, 2.1, 2.2, 3 etc. zu denken, mach eine simple Bulletpointliste. Nummern und Unterpunkte kannst du ja dann im nächsten Schritt einfügen.

 

Zwischenfazit zum Thema "Gliederung"

Lieber Laurin, schau doch bitte mal, ob du so weiterkommst. Ganz wichtig ist jedenfalls, dass du dich zunächst einliest. Ohne Literaturkenntnisse, also ohne einen ersten Überblick über den Forschungsstand, kannst du nämlich keine Gliederung erstellen. Auch deine Forschungsfragen musst du gedanklich bereits einigermaßen klar haben, wenn du eine Struktur für deine Dissertation entwickeln möchtest.
 

Und nun noch ein paar weitere Gedanken. Bitte lies weiter, denn was ich jetzt noch erzähle, ist auch wichtig. Es vertieft das Gesagte.

 

Die Gliederung einer nicht empirischen Arbeit

Qualitative oder quantitative Arbeiten folgen immer einem bestimmten Aufbau, der allerdings nur grob vorgegeben ist: Auf die Einleitung folgen mehrere Kapitel, in denen die Theorie aufgerollt wird. Danach kommt die Empirie. Am Ende werden die Ergebnisse vor dem Hintergrund der Literatur, also der Theorie, beleuchtet. Und ganz am Schluss steht die Zusammenfassung.

 

In einer Dissertation oder auch Hausarbeit, Bachelorarbeit oder Masterarbeit, die weder qualitativ noch quantitativ ist, rollst du das Thema ausschließlich auf der Basis der Literatur auf. Wichtig ist, dass du nicht erst am Ende deine Ergebnisse darlegst, sondern dass du das laufend machst, wo immer es gerade stimmig ist. 

 

Fazit und abschließende Tipps für die Gliederung

  1. Um eine Gliederung erstellen zu können, musst du dich erst einmal einlesen.
  2. Wenn du dich einliest, wird deine Fragestellung nach und nach präziser werden. Das ist für die Entwicklung der Gliederung wichtig, denn sie soll ja widerspiegeln, worum es in deiner Arbeit geht.
  3. Mach ein Mindmap, wenn du dich eingelesen hast. Lass dir dabei Zeit. Schreibe alles auf, was dir einfällt, trenne Wichtiges von weniger Wichtigem und überführe dann alles in eine erste Struktur.
  4. Achte darauf, dass die einzelnen Punkte deiner Gliederung möglichst aussagekräftig sind. Deine Leserinnen und Leser sollten aus den einzelnen Kapitelüberschriften erschließen können, worum es geht.
  5. Wenn du gerade erst am Anfang stehst, mach dir keinen Druck. Was du in der Frühphase entwickelst, ist ein erster Entwurf einer Gliederung. Das ist also lediglich ein vorläufiges Inhaltsverzeichnis.
  6. Eine Gliederung ist fixer Bestandteil eines Exposés. Sollte deine Uni oder Fachhochschule in dieser Phase des Arbeitsprozesses gar keine Gliederung erwarten, erstelle ruhig dennoch eine. Du wirst sehen: Mit der Gliederung weist du dir selbst den Weg. Probiere es aus!

 

Die Freiheit eine maßgeschneiderte Gliederung zu entwickeln

Ich kenne und verstehe übrigens den Wunsch nach einem Schema, nach einem Strickmuster oder nach einem Kochrezept nur zu gut. Dahinter steht der Wunsch nach Orientierung und Sicherheit.

  

Im besten Fall macht dich das Wissen darum, dass es kein Kochrezept gibt, gedanklich frei, eine Gliederung zu entwickeln, die auf deine Forschungsfragen abgestimmt ist. Es kann auch ein sehr schöner Prozess sein, das Wissen zu strukturieren und didaktisch gut für andere Menschen aufzubereiten.

 

Mir hilft es, dabei an meine Leserinnen und Leser zu denken. Und wie gesagt: Es ist ein Prozess! Auch ich nähere mich über einen ersten Gliederungsentwurf schrittweise der finalen Gliederung an. Und "final" ist dann immer erst die Gliederung bzw. das Inhaltsverzeichnis, das wir tatsächlich abgeben. Alles davor ist eine vorläufige Gliederung, die nach und nach Gestalt annimmt.

 

Abbildungsnachweis: Shtterstock.com, Bildnr. 134143397, ESB Professional