Erst Testleser und dann das Lektorat oder umgekehrt?

Geöffnetes Buch, über dem steht: Zuerst die Testleser oder zuerst das Lektorat?

 

Feedback einzuholen ist ein wichtiger Schritt im Schreibprozess. Wenn Sie eine Buchveröffentlichung planen – ob im Selfpublishing oder bei einem Verlag – sollten Sie Ihren Text vorab zum Test lesen lassen. In diversen Facebookgruppen oder auch auf Twitter merke ich, dass sich Autorinnen und Autoren oft fragen, in welcher Reihenfolge sie vorgehen sollen: das Manuskript zuerst zu den Testleserinnen und Testlesern oder zuerst ins Lektorat?

 

So fragt etwa Katinka auf Twitter: 

Welche Bedenken dahinterstehen

Hinter dieser Frage steht die Sorge, dass Ihre Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen, Bekannten oder auch Ihre Familienangehörigen ein Manuskript bekommen, das noch nicht "ausgehfertig" ist. Sie möchten ihnen keinen Text zumuten, in dem sich noch holprig formulierte Sätze oder Rechtschreibfehler finden oder dessen Geschichte noch nicht ganz stimmig ist. Aber genau darum geht's ja beim Testlesen: Sie möchten auf Unstimmigkeiten aufmerksam gemacht werden! Ihre TestleserInnen sollen Ihnen ihren Eindruck schildern! Es geht um deren unmittelbare Reaktion  freundschaftlich, wohlwollend, aber durchaus auch kritisch. Nur das bringt Sie weiter!

Warum zuerst Testlesen und anschließend Lektorat?

Ich rate Ihnen also dazu, Ihr Manuskript zuerst zum Test lesen zu lassen und dann ins Lektorat zu geben. Die semi-professionelle Korrekturschleife sollte unbedingt vor der professionellen Endkorrektur erfolgen, weil sich bei einem Vorgehen in umgekehrter Reihenfolge sicher wieder neue Fehler in Ihr Manuskript einschleichen.

Tipps für die Korrektur durch die TestleserInnen

Damit Ihnen das Feedback bzw. die Korrektur der TestleserInnen möglichst viel bringt, machen Sie ihnen klare Vorgaben, worauf sie besonders schauen sollen. Es ist nämlich unmöglich, gleichzeitig auf Rechtschreibung, Grammatik, den Stil und auch noch den Plot zu achten! Und dass Ihre Freunde oder Bekannten Ihren Text auch noch mehrmals lesen, davon können Sie einfach nicht ausgehen. Das würde wohl auch deutlich den Rahmen eines Freundschaftsdienstes sprengen. Professionelle Lektorinnen und Lektoren wiederum machen genau das: Sie lesen Ihren Text mindestens zweimal, unter Umständen deutlich öfter, können und müssen somit auf viel mehr eingehen. 

 

Hier finden Sie zum Beispiel eine Liste mit Punkten, auf die wir achten, wenn wir ein Belletristikfeedback geben. Wählen Sie aus dieser Liste doch einfach das aus, was Ihnen wichtig erscheint, und kommunizieren Sie es den Testerinnen und Testern möglichst klar.

Der weitere Ablauf

Sobald Sie das Feedback Ihrer TestleserInnen bekommen haben, arbeiten Sie es in Ihren Text ein. Und erst danach kümmern Sie sich um das Lektorat. Das bedeutet: Holen Sie auch den Kostenvoranschlag für das Lektorat erst ein, wenn Sie das Feedback berücksichtigt haben. Im besten Fall hat Ihr Manuskript ja dadurch an Qualität gewonnen, was den Aufwand sowie die Kosten für das abschließende Lektorat deutlich reduzieren kann. 

 

Ihr Buch soll gelesen werden. Nutzen Sie also jede Gelegenheit, es vor der Veröffentlichung fit zu machen.

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