Zahlt sich ein Blog für einen Online-Shop aus?

Friese mit Kappzaum
Friese mit Kappzaum © Foto: Katharina Gerletz


Über Facebook bin ich mit Melanie Schmidtmeier in Kontakt gekommen, die sich auf die Maßanfertigung von Zäumen aus Leder für Pferde spezialisiert hat. Die Zäume vertreibt sie über einen Online-Shop auf ihrer Website, die sie mit Jimdo erstellt hat. Darüber hinaus bietet sie Workshops an, in denen die TeilnehmerInnen die Grundlagen der Lederbearbeitung lernen können.

Momentan beschäftigt sich Melanie mit der Frage, ob sie einen Blog starten soll. In ihrem E-Mail an mich, das ich hier mit ihrem Einverständnis online stelle und beantworte, schreibt sie:

"Meine Produktpalette umfasst vor allem Nischenprodukte. Meine Zielgruppe ist nicht die große Masse der klassischen bzw. englischen (Tunier-)ReiterInnen, sondern eher VertreterInnen alternativer Reitweisen (akademische Reitkunst, gebissloses Reiten etc.). Meine Produkte sind individuell gestaltbar (Wahl des Leders, Farbe, Schnallen, Nähte etc.), die Produktpalette ist aber überschaubar. Zahlt sich ein Blog in meinem Fall aus? Und wenn ja, wie gehe ich das Ganze an? Ich freue mich auf Deine Einschätzung!"

Für Selbstständige bzw. UnternehmerInnen wie Melanie hat ein Blog aus meiner Sicht gleich mehrere Vorteile. Es gibt aber natürlich auch Gründe, die gegen einen Blog sprechen. Der Reihe nach ... 

Was bringt ein Blog?

Als Mensch sichtbar werden und Kompetenz zeigen

Handgefertigte Trense von Melanie Schmidtmeier
Handgefertigte Trense © Foto: Melanie Schmidtmeier

Im Blog kann Melanie ihre Kompetenz als Herstellerin von maßgefertigten Lederzäumen für Pferde unter Beweis stellen. In den Blogartikeln kann sie zeigen, dass sie von Lederzäumen wirklich etwas versteht.

Darüber hinaus kann sie deutlich machen, welcher Mensch hinter www.designed-for-horses.de steht. Gerade bei kleinen Unternehmen zahlt es sich aus, den oder die Menschen, die hinter dem Angebot stehen, sichtbar zu machen. Und mit Sichtbarkeit ist hier nicht nur gemeint, wie diese Menschen aussehen (Fotos sind da natürlich ganz wichtig), sondern auch, wie sie arbeiten, was sie können, worauf sie Wert legen und wie sie denken. Nur wenige Produkte sind heute tatsächlich einzigartig, was aber immer einzigartig ist, sind die Menschen, die sie entwickeln, herstellen und vertreiben.

Ein Blog ist ein SEO-Instrument

Wenn Melanie regelmäßig Blogartikel veröffentlicht, nutzt das auch dem Ranking ihrer Website auf Google. Websites, auf denen laufend neue Inhalte veröffentlicht werden, rankt Google besser als statische Websites. Außerdem könnte Melanie jeden einzelnen Artikel für eine gute Auffindbarkeit auf Google optimieren (wozu ich ihr unbedingt raten würde).

Gerade wer wenig Erfahrung mit Websites hat, denkt, dass Menschen ihre Website nur über die Startseite, also die Homepage, „betreten“. Das ist aber falsch! Jede einzelne Seite des Auftritts, also auch jeder Blogartikel, kann für potenzielle Kundinnen und Kunden das Tor zur Website bilden. Damit wird übrigens auch klar, warum der Blog auf die Website gehört.

Eigene Inhalte für Facebook & Co.

Wie viele Selbstständige bzw. UnternehmerInnen hat Melanie eine Fanpage auf Facebook (und zwar mit beachtlichen 2 400 Fans). Mit den Blogbeiträgen hat sie eigene Inhalte, die sie dort posten kann und die – wichtig! – nicht werblich sind. Beiträge, die nicht mit der Intention „Kauf mich, kauf mich!“ gepostet werden, haben eine größere Chance auf Klicks, und wer auf einen Blogartikel klickt, ist automatisch auf Melanies Website, wo sie auch ihre Produkte vertreibt.

Eigene Inhalte für den Newsletter

Mit den Blogartikeln hat Melanie auch Inhalte für einen Newsletter. In dem kann sie die Blogartikel anreißen, um dann über einen Hinweis wie „Weiterlesen“ die Newsletterabonnentinnen und -abonnenten auf ihre Website zu lotsen. Natürlich sollte sie im Newsletter auch ihren Shop bzw. ihre Produkte bewerben, mit den Blogartikeln hat sie aber zusätzliche Inhalte für ihre Zielgruppe, die das in der Regel zu schätzen weiß.

Worüber bloggen?

Isländer mit Hackamore-Zaum mit "Glücksrädern"
Isländer mit Hackamore-Zaum mit "Glücksrädern" © Foto: Martin Damboldt

Die Frage, worüber Melanie bloggen sollte, ist zentral und erfahrungsgemäß gibt es da bei Blogneulingen die größten Unsicherheiten. Wenn Sie einen Blog starten, sollten Sie sich zunächst einmal klarmachen, wer denn genau zur Zielgruppe Ihres Blogs gehört und was diese Leute interessiert. Nur wenn der Blog ihnen einen Mehrwert bringt, werden sie ihn auch gerne lesen.

 

Was aber bedeutet das nun für Melanies Shop? Melanie könnte zu allen Themen rund um Zäume bloggen (ich würde mich in ihrem Fall nicht auf Lederzäume beschränken). Als eigene Themen bieten sich natürlich alle Fragen an, die ihr ihre Kundinnen und Kunden immer wieder stellen, Blogbeiträge zu FAQs also.

Darüber hinaus könnte sie ein Glossar erstellen und jeweils in einem Blogartikel einen Fachausdruck erklären ("Cavemore", "Sidepull", "Hackamore-Zaum" etc.) und das Ganze dann natürlich mit ihren handgefertigten Produkten bebildern. 

 

Außerdem kann sie Einblick in die Herstellung der Lederzäume geben, und zwar vom Einkauf der Materialien bis zur Produktion. Auch Pflege- und Aufbewahrungstipps bieten sich an. Und schließlich könnte Melanie, die sich ja mit der Verarbeitung von Leder auskennt und dazu auch Workshops anbietet, zu Fragen der Lederbearbeitung (inkl. Material- und Werkzeugkunde) bloggen.

Wenn es in meinen Bloggerseminaren für UnternehmerInnen um die Inhalte geht, kommt an dieser Stelle oft der Einwand: „Aber ich kann doch nicht mein gesamtes Wissen preisgeben!“ Doch, Sie können ruhig Ihr Wissen uneingeschränkt in Ihren Blog einbringen, denn ich kann Sie beruhigen: Ein Blog ersetzt gerade im Dienstleistungsbereich selten eine individuelle Beratung oder einen Workshop, abgesehen davon, dass ein Blogartikel das Wissen nur in kleinen Häppchen präsentiert, worauf ich gleich noch einmal zurückkomme. Wer die Kunst der Lederverarbeitung lernen möchte, wird in einem Kurs bei Melanie in kürzester Zeit viel mehr lernen, als wenn sie/er sich das Wissen nur lesend, also theoretisch, aneignet.

Was einen Blog erfolgreich macht

Damit Melanies Blog als Marketinginstrument funktioniert, würde ich ihr raten,

  • regelmäßig zu bloggen,
  • die LeserInnen und deren Interessen beim Schreiben immer im Auge zu behalten und
  • die Artikel persönlich zu halten.

Die Themen sollten klein sein, aber Tiefgang haben. Wer kleine Häppchen bloggt, kann seine Expertise leichter unter Beweis stellen und hat oft bessere Chancen, mit den Blogartikeln gut zu ranken.

Was gegen einen Blog spricht

Bevor Melanie einen Blog startet, sollte sie genau und auch ehrlich abwägen, was denn nun für und was vielleicht auch gegen das Bloggen spricht.

Der Faktor „Zeit“

Wenn Melanie keine Zeit hat, regelmäßig Blogbeiträge zu veröffentlichen, oder sich die Zeit eben einfach nicht nehmen möchte, sollte sie keinen Blog starten. Ein Blog, auf dem nur ein- oder zweimal pro Jahr ein Artikel erscheint, bringt wenig. Melanie sollte zumindest einmal pro Monat (besser wäre natürlich öfter) einen Blogartikel schreiben. Apropos „Zeit“: Wer nicht bloggt, muss auf andere Weise Marketing für sein Unternehmen betreiben und letztendlich dort dann Zeit investieren.

Schreiben als Last

Sollte Melanie ungern schreiben, dann ist ein Blog sicher ebenfalls nicht das Mittel der Wahl, um Kundinnen und Kunden zu gewinnen. Das Bloggen sollte Freude machen, sonst schläft ein Blog erfahrungsgemäß rasch wieder ein. Plan B wäre natürlich, eine Texterin oder einen Texter zu engagieren, also das Bloggen auszulagern, allerdings scheuen viele Selbstständige bzw. UnternehmerInnen diesen Weg, weil er Geld kostet.

Fehlende Sicherheit im Schreiben

Bleibt der letzte Hinderungsgrund, nämlich dass sich jemand mit dem Schreiben schwertut und/oder sich in Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung unsicher ist. In so einem Fall empfehle ich, die Blogartikel lektorieren zu lassen. Im Zuge eines Lektorats werden nämlich holprige Sätze geglättet, Mammutsätze geteilt und natürlich werden Rechtschreibfehler etc. beseitigt.

Es ist übrigens kein Problem, wenn sich einmal der eine oder andere Rechtschreibfehler in die Blogartikel schwindelt, wenn der Blog aber nur so vor Fehlern strotzt, kann das dem Geschäft schaden. Nach wie vor schließen Menschen von der Qualität der Websitetexte, insbesondere Fehlern, auf die Qualität der Produkte und Dienstleistungen und im Grunde auch ganz allgemein auf die Kompetenz der Betreiberin / des Betreibers der Website.

Zahlt sich nun ein Blog für einen Online-Shop aus?

Ja, aber vorab gilt es eben die Argumente dafür und dagegen sorgfältig abzuwägen. Nun bin ich gespannt, wie sich Melanie Schmidtmeier entscheidet. Wir werden Sie hier gerne auf dem Laufenden halten! :)

Foto von Melanie Schmidtmeier und ihren beiden Pferden
© Foto: Melanie Schmidtmeier

Melanie Schmidtmeier lebt in Niedersachsen, genau gesagt in Bassum, südlich von Bremen. 2010 hat sie sich ihren Traum vom eigenen Pferd erfüllt. Seit 2012 beschäftigt sie sich intensiv mit Fragen der Lederbearbeitung, seit 2016 stellt sie Kappzäume, Cavecons und andere gebisslose Kopfstücke für Pferde, aber auch für Hunde in Handarbeit her. Außerdem bietet sie Lederbearbeitungskurse an.

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