Wie schreibt man einen Forschungsstand?

junges mädchen schreibend in bibliothek

In größeren wissenschaftlichen Arbeiten sowie in Uni-Arbeiten (Hausarbeit, Bachelor- oder Seminararbeit, Masterarbeit, Dissertation) ist es üblich, im Anschluss an die Einleitung einen kurzen Überblick über den Forschungsstand bzw. die Forschungslage zu geben.

Vielen Studierenden fällt das Schreiben eines Forschungsstandes jedoch schwer. Aus diesem Grund möchte ich das Thema heute einmal aufgreifen und ein paar Tipps dazu geben.

Wozu braucht man überhaupt einen Forschungsstand? Wozu dient ein Überblick über die Forschungslage?

Wer wissenschaftlich arbeitet, stützt sich niemals nur auf eigenes, sondern immer auch auf fremdes Wissen. Meist macht erst das publizierte Wissen anderer die eigene Forschungsleistung möglich. Und wer wissenschaftlich arbeitet, muss deutlich machen, an welchen Stellen er sich auf das Know-how anderer stützt. Dies geschieht in Form von Hinweisen auf die verwendete Literatur (Belege, Zitate).

Für eine wissenschaftliche Arbeit zieht man in der Regel eine größere Menge an Literatur heran, wobei nicht jede Publikation gleich wichtig ist. Und genau an dieser Stelle kommt nun die Forschungslage bzw. der Forschungsstand ins Spiel. Hier gibst du einen Überblick über die wichtigste Literatur, auf die du dich in deiner Arbeit stützt (die Meilensteine der Forschung zu deinem Thema).

Mit dem Forschungsstand

  • hilfst du deinen Leserinnen und Lesern, einen Überblick über die Literatur zu gewinnen. Wer deinen Forschungsstand liest, weiß, zu welchen Publikationen er greifen soll, wenn er sich selbst in das Thema einarbeiten möchte.
  • sorge für Transparenz. Du machst gleich zu Beginn deutlich, auf welche Fremdleistungen du dich maßgeblich beziehst. 

Wie schreibt man einen Forschungsstand?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, einen Forschungsstand zu schreiben: Entweder ordnest du deinen Literaturüberblick nach Themenkomplexen oder du gibst einen rein chronologischen Überblick über die wichtigsten Publikationen.

Auf keinen Fall solltest du den Forschungsstand zu voll packen. Es geht nicht darum, den Leserinnen und Lesern zu zeigen, was du alles studiert hast (wie fleißig du warst), sondern um einen kompakten Überblick über die wichtigste Literatur.

Wichtig: Liste die Literatur nicht nur auf, sondern erkläre, welchen Beitrag die jeweilige Publikation zum Erkenntnisgewinn geleistet hat. Also zum Beispiel: Was hat der Autor als Erster erkannt oder hinterfragt? Es muss ja einen Grund geben, weshalb du die betreffende Publikation unter die Meilensteine reihst – und den solltest du den Leserinnen und Lesern deutlich machen.

Beispiele:
XY hat 1950 erstmals dargelegt, dass ...

Die wichtigste Literatur zum Thema A ist nach wie vor der Aufsatz von XY, der aufzeigt, dass die Ergebnisse ...

 

Nach wie vor grundlegend ist die Monografie von XY. Sie arbeitet deutlich heraus, ...
Im Unterschied zu X hat Y in seiner 2011 erschienenen Arbeit ... 

Vergiss nicht auf die Literaturbelege im Forschungsstand

stuent vor bücherregal

Beachte bitte, dass du nicht auf die Literaturbelege vergessen darfst. Sobald du eine bestimmte Publikation ansprichst oder eine Autorin bzw. einen Autor nennst, musst du den zugehörigen Beleg anführen!

Wenn du also etwa darauf hinweist, dass sich Hans Sedlmayr 1956 in seiner Monografie über Johann Bernhard Fischer von Erlach umfassend mit der Karlskirche beschäftigt hat, dann musst (!) du eine Fußnote setzen oder in einer Klammer einen Literaturbeleg geben. Da es sich um eine selbstständige Publikation (Künstlermonografie) handelt, musst du darüber hinaus auch die betreffenden Seiten zur Karlskirche anführen. 

Zum Schluss ein Beispiel für einen Forschungsstand

Ich werde immer wieder nach Beispielen für einen Forschungsstand gefragt. Am besten nimmst du einmal umfassendere wissenschaftliche Publikationen oder Uni-Arbeiten zur Hand und schaust, wie der Forschungsstand gelöst wurde (im positiven wie auch im negativen Sinn). Durch Abschauen bzw. kritisches Lesen kann man sehr viel lernen! Abschlussarbeiten der Universität Wien kannst du übrigens ganz leicht auf Othes abrufen.

Ich lade dir zum Abschluss hier auch noch den Forschungsstand meiner Diplomarbeit hoch. Die Arbeit befasst sich mit dem barocken Stiftsbau von Klosterneuburg (und wurde letztendlich dann in zwei großen Aufsätzen publiziert). Bitte beachte, dass der Text aus dem Jahr 1997 stammt und noch nach der alten Rechtschreibung verfasst ist. Ich stelle ihn unverändert ins Netz. 

Dipl.arbeit, Klosterneuburg, 1997.pdf
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Kommentare: 3 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Alex (Freitag, 08 Januar 2016 14:30)

    Das war sehr hilfreich, dankeschön!

  • #2

    Huberta Weigl (Samstag, 09 Januar 2016 16:56)

    Gerne!

  • #3

    Anna (Donnerstag, 14 April 2016 15:23)

    Danke!