Was macht eine gute Masterarbeit aus?

Bezeichnet: Was macht eine gute Masterarbeit aus?

Aus eigener Erfahrung kenne ich beides: den Wunsch, einfach nur mit der Masterarbeit fertig zu werden, und den Wunsch, eine gute Masterarbeit zu schreiben. Meine BWL-Masterarbeit bzw. Diplomarbeit, wie das damals hieß, war einfach nur eine Last für mich. Das Thema überforderte mich, weil es eigentlich eine Praxisarbeit war und es kaum Literatur gab. Außerdem hatte ich  Schwierigkeiten mit dem Betreuer.

 

Anders war das bei meiner Masterarbeit in der Kunstgeschichte: Ich war völlig fasziniert von dem Thema, denn es war spannend und mir war klar, dass ich mit meiner Forschung tatsächlich Neuland betrat. Das Lesen der Literatur und die Archivarbeit haben richtig Freude gemacht. Mein Entschluss stand fest: Das sollte eine richtig gute Arbeit werden! Wurde es dann auch (dazu unten mehr).

 

Was aber ist eine gute Masterarbeit? Was macht eine gute Masterarbeit aus? Mit dieser Frage landen wir bei den Anforderungen.

Die Anforderungen an eine Masterarbeit

Was Unis, FHs oder andere Bildungsinstitutionen von einer Masterarbeit erwarten, ist sehr unterschiedlich und leider oft nicht klar definiert, was natürlich  für Verunsicherung sorgt.

 

Hinzu kommt, dass die einzelnen Unis, Fachhochschulen etc. ihre Studierenden auch unterschiedlich gut auf eine Masterarbeit vorbereiten. Manchmal haben Studierende, bevor sie eine Masterarbeit schreiben, mehrere Hausarbeiten, Proseminararbeiten, Seminararbeiten und eine oder sogar zwei Bachelorarbeiten geschrieben, manchmal schreiben Studierende die Masterarbeit sozusagen "aus dem Stand heraus", also ohne jegliche Vorerfahrung. Zwangsläufig müssen dann auch die Anforderungen geringer sein.

Die Grundlagen einer guten Masterarbeit

1 Systematische Literaturrecherche

Eine gute Masterarbeit beruht auf einer umfassenden, systematischen Literaturrecherche. So eine systematische Literaturrecherche setzt ihrerseits voraus, dass du ein möglichst eng gefasstes Thema hast und deine Fragestellung kennst.

 

Im Zuge einer ersten Recherche, für die du die einschlägigen Kataloge und Datenbanken der wissenschaftlichen Bibliotheken nutzt, definierst du deine Suchbegriffe, indem du schaust, wie die Literatur zu deinem Thema verschlagwortet wurde. Dann führst du neuerliche Recherchen durch.

 

Das bedeutet: Du recherchierst nicht über Google oder nur mit Google Scholar, sondern verwendest die richtigen Instrumente. Und du gibst nicht beliebige Suchbegriffe in die OPACs und Zeitschriftendatenbanken ein, sondern weißt, wonach du suchen musst.

 

Wenn du an dieser Stelle gerade die Stirn runzelst und merkst, dass dir hier einiges unklar ist, empfehle ich dir das Schulungsangebot der Universitätsbibliotheken zu nutzen. Es ist gut, wenn du weißt, wie eine Literaturrecherche funktioniert.

2 Überblick über den Forschungsstand

Ich bin der Meinung, dass jemand, der eine Masterarbeit schreibt, den Forschungsstand zu seinem Thema überblicken sollte. Viele Betreuerinnen und Betreuer wissenschaftlicher Arbeiten sehen das ähnlich, manche wiederum scheinen sich darüber keine Gedanken zu machen; sie geben Themen zur Bearbeitung frei, die viel zu breit sind – und dann ist es natürlich unmöglich, den Forschungsstand zu erfassen.

 

Mein Rat: Suche dir ein möglichst kleines Thema (mehr dazu in diesem Blogartikel). Je enger dein Thema umgrenzt ist, desto weniger Literatur gibt es und desto eher kannst du tatsächlich den Forschungsstand erfassen, also herausfinden, wer, was, wann zu deinem Thema gesagt hat und vor allem was der aktuelle Stand der Forschung ist.   

3 Kritisches Denken

Aus meiner Sicht ist das kritische Denken ein ganz wichtiger Punkt. Es geht in einer Masterarbeit nicht darum, einfach nur fremdes Wissen zusammenzutragen bzw. zusammenzuschreiben, es geht darum, fremdes Wissen zu durchdenken und immer wieder mal in Frage zu stellen. Kann das so stimmen? oder Muss das wirklich so sein?, Fragen wie diese spielen im wissenschaftlichen Arbeitsprozess eine ganz wesentliche Rolle.

 

Es geht darum, Literatur zu lesen und zu schauen, zu welchen Ergebnissen welche Publikation kommt, ob diese Ergebnisse haltbar sind oder ob es sie kritisch zu hinterfragen gilt.

 

Damit landen wir bei einem weiteren wichtigen Punkt, nämlich der eigenen Meinung. Ist die erlaubt? Ja. Du darfst natürlich deine Meinung äußern bzw. deinen eigenen Standpunkt vertreten, aber in Kenntnis des Forschungsstandes, auf den du dich in deiner Argumentation beziehen musst.

Neue Ergebnisse?

Manche Universitäten, Fachhochschulen etc. verlangen, dass eine Masterarbeit neue Ergebnisse liefert, manche nicht. Ich sehe das recht pragmatisch: Sobald du den Forschungsstand kritisch durchleuchtest, bist du schon dabei, erste neue Ergebnisse zu liefern. Und eine Masterarbeit ist keine Dissertation, in der dann tatsächlich neue Forschungsergebnisse erwartet werden.

 

Und, um gleich eine Fehlannahme aufzugreifen: Du musst nicht zwingend qualitativ oder quantitativ arbeiten, um zu neuen Ergebnissen zu gelangen. Auch ein rein literaturgestütztes Vorgehen kann zu neuem Wissen führen (ganz abgesehen davon, dass in manchen Fächern gar nicht qualitativ oder quantitativ gearbeitet wird).

4 Korrekte Methodenwahl

Jedes Fach hat seine Methoden und natürlich brauchst du eine Methode, die dazu geeignet ist, deine Forschungsfrage zu beantworten. Wie eine Chirurgin oder ein Chirurg wissen muss, welche OP-Technik sie bzw. er anwendet bzw. zu welchem Instrument sie bzw. er greift, musst auch du die richtige Methode anwenden. Das wiederum setzt selbstverständlich voraus, dass du die Methoden deines Faches kennst oder dich spätestens, wenn du dich an das Exposé für deine Masterarbeit machst, dir erst mal einen Überblick über die Methoden verschaffst, um dann die richtige auszuwählen. 

5 Präzise Zitation

Von einer Masterarbeit darf man erwarten, dass die Zitierregeln präzise angewandt wurden. Der eine oder andere Fehler darf passieren, insgesamt muss das Regelwerk aber verstanden und umgesetzt werden.

 

Fremdes Wissen muss also belegt werden, und zwar genau so, wie es das Regelwerk vorschreibt. Auch das Literaturverzeichnis muss den Vorgaben entsprechen. Oft beinhaltet das Literaturverzeichnis viele Schlampigkeitsfehler: Vornamen werden mal abgekürzt, mal ausgeschrieben, bei Internetquellen fehlt oft das Datum des letzten Aufrufs, Zeitschriftenaufsätze werden ohne Seitenzahlen angeführt etc. Hier lohnt es sich besonders, eine sorgfältige Endkorrektur zu machen.  

Und was kennzeichnet nun eine gute Masterarbeit?

  • Meiner Meinung nach befasst sich eine gute Masterarbeit mit einem klar umrissenen Thema, zu dem es forschungsrelevante Fragen gibt.
  • Die Zielsetzung ist in der Einleitung klar definiert, so dass Leserinnen und Leser wissen, was sie erwarten dürfen und was nicht. 
  • Bereits das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass die Autorin bzw. der Autor das Thema verstanden hat und auf den Punkt bringt. Die Arbeit beinhaltet keine Abschnitte, in denen Grundlagen vermittelt werden, wie sie nur eine breite Leserschaft braucht. Der Autorin bzw. dem Autor ist also klar, dass sie bzw. er für eine wissenschaftliche Community schreibt (leider ist genau dieser Punkt vielen Studierenden nicht bewusst).
  • Die Autorin bzw. der Autor überblickt den Forschungsstand und wertet die Literatur kritisch aus. Sie bzw. er macht also dort, wo es sinnvoll ist, auf Unstimmigkeiten aufmerksam, zeigt Widersprüche und Forschungslücken auf.
  • Die Methodenwahl ist nachvollziehbar und die Methode wird korrekt angewandt.
  • Die Vorgaben der Zitierregeln sind in allen Details berücksichtigt. Fremdes Wissen wird präzise zitiert. Mit wörtlichen Zitaten wird sehr sparsam umgegangen (siehe dazu auch diesen Blogartikel). 
  • Und zum Schluss: Die Masterarbeit ist flüssig formuliert, also gut lesbar, und beinhaltet kaum Fehler in der Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. 

Die Ansprüche der Uni und die eigenen Ansprüche ...

Falls du dir jetzt denkst, Puh, das ist allerhand!, stimme ich dir zu. Es sind genau genommen die Anforderungen an eine sehr gute Masterarbeit. In der Realität werden abhängig von der Betreuerin oder dem Betreuer sicher auch Abstriche gemacht. Und wie gesagt: Oft geht es ja gar nicht darum, eine gute Masterarbeit zu schreiben, sondern einfach darum, endlich mit dem Studium fertig zu werden. Diesen Anspruch halte ich aus eigener Erfahrung und als Schreibcoach für absolut legitim. 

 

Bei meiner Diplomarbeit aus dem Bereich BWL mit dem Titel "Entwicklung und Bewertung von Gestaltungsvarianten für eine Shop Galerie im Schloß Schönbrunn" (1994) war bald klar, dass ich sie einfach nur abschließen wollte; die Note war mir egal (ich glaube, ich habe letztendlich ein Gut oder ein Befriedigend bekommen).  

 

Bei meiner kunsthistorischen Diplomarbeit mit dem Titel "Stift Klosterneuburg. Planungs-, Bau- und Ausstattungsgeschichte der Klosterresidenz Kaiser Karls VI." (1997) war das anders: Ein Jahr lang habe ich mich fasziniert von dem Thema mit der Literatur und dem Bau sowie den Quellen befasst. Die Arbeit war sehr gut, so dass ich sie nicht nur in zwei namhaften Fachjournalen veröffentlichen konnte, sie hat mir letztendlich auch den Weg zu einer Assistentenstelle an der Universität Wien eröffnet – wo ich dann voll und ganz in Forschung und Lehre gelandet bin und auch promoviert habe.

Was ich dir gern mit auf den Weg geben möchte

Foto Huberta Weigl
© andrea sojka fotografie

Egal, ob du nur einfach deine Masterarbeit abschließen möchtest oder (auch) eine gute Note bekommen möchtest: Es ist ist nicht ungewöhnlich, wenn du immer wieder mal mit dir und dem Schreibprojekt haderst oder auch richtig verzweifelt bist. Das Handwerk des wissenschaftlichen Arbeitens lässt sich lernen. All das, was eine gute Masterarbeit auszeichnet, ist erlernbar und genau genommen Übungssache.


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