Wie lange du für deine Bachelor- oder Masterarbeit brauchen darfst

In meiner Facebookgruppe zum wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben habe ich vor einiger Zeit gefragt, wie lange die Gruppenmitglieder für ihre Bachelorarbeit oder Masterarbeit brauchen dürfen. Hier das Ergebnis und Tipps, wenn das Zeitfenster für die Bearbeitung deines Schreibprojekts eng ist.

 

Die vorgeschriebene Bearbeitungszeit ist sehr unterschiedlich

Die Bearbeitungszeit schwankt extrem und das hat natürlich Folgen: Je strenger die Vorgaben sind, desto größer ist der Druck, und genau damit musst du ja umgehen. 

 

Bleiben wir aber erst mal bei der Bearbeitungszeit: 

 

Einige, vor allem diejenigen, die an einer Universität studieren, haben gar keine Vorgaben im Hinblick auf die Bearbeitungszeit.

 

Andere haben einen klar definierten Zeitrahmen, der allerdings schwankt: Für eine Bachelorarbeit sind zwischen zwei und fünf Monaten vorgesehen, für eine Masterarbeit fünf bis sechs Monate. Die Zeit, in der das Exposé geschrieben wird, also die Zeit bis zur endgültigen Genehmigung des Themas, gehört nicht zur Bearbeitungszeit.

 

Anmeldung der Bachelorarbeit oder Masterarbeit

An manchen Fachhochschulen oder Unis tickt die Uhr automatisch ab Abgabe des Exposés bzw. ab Genehmigung des Themas. An anderen Fachhochschulen oder Unis muss die Abschlussarbeit eigens angemeldet werden und erst dann beginnt die Uhr zu ticken.

 

ECTS für die Bachelorarbeit oder Masterarbeit

Auch die Zahl der ECTS schwankt natürlich: Für eine Bachelorarbeit sind zwischen 10 und 15 vorgesehen, für eine Masterarbeit zwischen 15 und 30. Und damit schwankt natürlich auch die Zeit, die Unis oder Fachhochschulen ihren Studierenden für die Bearbeitung eines Themas einräumen.

 

Ein ECTS entspricht 25 Stunden. Umgerechnet sind also für eine Bachelorarbeit zwischen 250 und 375 und für eine Masterarbeit zwischen 375 und 750 Stunden vorgesehen.

 

Und wo liegt nun das Problem?

Was bedeutet das für dich?

 

Das ist verdammt wenig Zeit!

Die reine Bearbeitungszeit ist in meinen Augen ziemlich knapp bemessen, zumal die meisten Studierenden ihre Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation neben einem Job schreiben.

 

Die Lösung: Lerne das Handwerk des wissenschaftlichen Arbeitens und schreibe unbedingt ein Exposé (inkl. Gliederung)!

Die Situation entspannt sich zeitlich und in der Regel auch emotional, wenn du

  • bereits solide Grundkenntnisse im wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben hast oder sie dir aneignest, bevor du loslegst (dazu zählt etwa, dass du weißt, wie du systematisch nach Literatur suchst).
  • ein richtig gutes Exposé schreibst, also dein Schreibprojekt vernünftig aufsetzt.

Wenn du diese beiden Punkte berücksichtigst, kannst du die wertvolle Zeit, die dir deine Uni oder FH für deine Abschlussarbeit einräumt, besser nutzen. Du kannst die Zeit dann voll und ganz deinem Schreibprojekt widmen und musst nicht erst mal Wissenslücken stopfen und/oder das entgleiste Projekt wieder auf Schiene bringen.

 

Auf beide Punkte möchte ich im Folgenden gern eingehen und dir Tipps geben!

 

Grundverständnis, was es bedeutet, wissenschaftlich zu arbeiten

Viele Studierende stehen vor ihrer Abschlussarbeit (Bachelorarbeit oder Masterarbeit) und wissen überhaupt noch nicht, was es bedeutet, eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben, also wie die Grundhaltung aussehen sollte und wie das alles funktioniert.

 

Sie wählen ein Thema, das viel zu groß ist, weil sie denken, dass sie so leichter Literatur finden. Die Literatur suchen sie dann ausschließlich via Google und/oder Google Scholar und meinen, es genügt, das, was sie hier lesen, zusammenzufassen.

 

Und dann beginnt irgendwann das große Hadern, all die furchtbare Verzweiflung, zu der sich in der Regel noch die innere Kritikerin oder der innere Kritiker gesellt, um ständig zu verkünden:

 

Das schaffst du nicht.

Du wirst nie fertig werden.

Du kannst einfach zu wenig.

Du bist zu faul.

Du musst mehr leisten.

 

Was tun?

Wenn es dir so geht, dann ist mein erster Rat, dir die Grundlagen zu erarbeiten. Folgende Punkte sind dabei für dich ganz wesentlich:

 

1 Du brauchst ein eng umgrenztes Thema.

Je enger du dein Thema fasst, desto besser, weil du ja die Literatur zu deinem Thema überblicken sollst. Je enger also das Thema ist, desto überschaubarer ist natürlich auch die Literaturmenge dazu.

 

2 Du musst die relevante Literatur zu deinem Thema finden.

Das setzt voraus, dass du mit den OPACs der Bibliotheken umgehen kannst und weißt, wie eine Datenbankrecherche funktioniert. Kurzum: Du brauchst Recherchekompetenz. Das bedeutet auch, dass du

  • nicht nur nach Büchern, sondern auch nach Aufsätzen suchst.
  • dich nicht auf Publikationen beschränkst, die online abrufbar sind.
  • englische Publikationen genauso heranziehst wie deutschsprachige.

Wenn du nicht fit in der Literaturrecherche bist, schau bitte nach dem Schulungsprogramm der nächsten großen Universitätsbibliothek.

 

3 Du musst die Literatur lesen und kritisch durchdenken.

Es geht nicht ums reine Zusammenfassen dessen, was andere geschrieben haben. Du musst die Erkenntnisse anderer verstehen und überlegen, was davon stimmig ist und was nicht, wo sich die Ergebnisse der einzelnen Forscherinnen und Forscher decken und wo sie warum voneinander abweichen. Und genau das musst du thematisieren. In den Wunden der Forschung zu bohren, ist so wichtig, wenn man wissenschaftlich arbeitet.  

  

4 Du musst dich mit der Methode, mit der du arbeitest, auskennen.

Ich merke, dass vor allem Studierenden, die quantitativ oder qualitativ arbeiten müssen oder wollen, häufig die Grundlagen fehlen. So kannst du zum Beispiel nicht einfach irgendeine Umfrage machen oder Interviews führen, ohne methodischen Hintergrund. Du musst genau wissen, welche Forschungsfrage du mit welcher Methode bearbeiten kannst und wie diese Methode funktioniert.

 

Tipp: Wenn du Unterstützung in Sachen Statistik brauchst, kann ich dir Daniela Keller empfehlen, die auch eine große Facebookgruppe hat. Wenn du qualitativ arbeitest, schau dir doch mal die Website und den YouTube-Kanal von Andre Morgenstern-Einenkel an. Beide bieten auch Coachings an.

  

In diesem Video von mir findest du mehr Inputs zum Grundverständnis des wissenschaftlichen Arbeitens und Schreibens.

 

Das Exposé

Leider verlangen nach wie vor längst nicht alle Betreuerinnen und Betreuer ein Exposé. Manche wiederum fordern eines, aber das Exposé erfüllt nicht so richtig seinen Zweck, weil es zum Beispiel kein vorläufiges Inhaltsverzeichnis mit Seitenzahlen enthält. Ohne Exposé oder mit einem Exposé, das dein Projekt nicht präzise erfasst, verlierst du dann, wenn die Uhr tickt, wertvolle Zeit. Also, schreibe zuerst ein Exposé. Investiere da ruhig Zeit. Es zahlt sich aus.   

 

 

Wie du ein Exposé schreibst, mit dem du dann später nicht unnötig Zeit verlierst, habe ich in diesem Blogartikel genau erklärt.

Zwei Tipps zum Schluss

Wenn die Uhr erst tickt, sobald du deine Arbeit angemeldet hast, melde sie erst an, wenn du absiehst, dass du in dem vorgegebenen Zeitraum auch fertig wirst. 

Und egal, wie eng oder wie locker die zeitlichen Vorgaben deiner Uni bzw. FH sind: Schmiede einen Zeitplan, der auf dein Leben abgestimmt ist (Job, Kinder, weitere Herausforderungen wie zum Beispiel pflegebedürftige Eltern, eine körperliche Erkrankung, seelische Beeinträchtigungen etc.). Schau, ob du nicht da und dort für Entlastung sorgen kannst, um mehr Zeit für deine Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation zu haben.

 

Tipps für die wichtigsten Kapitel deiner Uni- Arbeit:

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