Bullet Journal: So organisiere ich damit meine To-dos!

Mein BulletJournal von außen (schwarz und A4)

 

Früher gab es Tage, an denen ich schon morgens das Gefühl hatte, in To-dos unterzugehen. Kaum hatte ich den PC geöffnet und E-Mails gelesen, verstärkte sich dieses Gefühl. E-Mails bedeuten nämlich für mich als Selbstständige vor allem eines: Arbeit. Inzwischen habe ich einen Weg gefunden, wie ich die Arbeitsberge besser bewältige und vor allem den Überblick behalte: Ich schreibe gnadenlos alle To-dos auf, und zwar in mein Bullet Journal! Im Bullet Journal habe ich alles beisammen, meinen Kalender, diverse Notizen und die To-do-Listen. 

Was ist ein Bullet Journal?

Ein Bullet Journal (verkürzt auch BuJo) ist ein leeres Notizbuch, das als Kalender dient und in dem aber auch Raum für viele andere Dinge ist: für Gedanken, das Tracken von Gewohnheiten, verschiedene Listen etc.


Jeder gestaltet sein BuJo so, wie er es möchte. Wer mag, zeichnet, wer das nicht mag, lässt es sein. Zeichnen zählt nicht zu meinen besonderen Begabungen und Lieblingsbeschäftigungen, daher schaut mein Bullet Journal minimalistisch aus. Dazu gleich mehr.

Wie ich mein Bullet Journal als Kalender nutze

Als ich mir zum ersten Mal überlegt habe, ob ein Bullet Journal eine bessere Option für mich ist als mein heißgeliebter Buchkalender der Buchbinderei Waniek, den ich bislang immer genutzt hatte, war mir nicht klar, wie ich damit langfristig planen sollte. Die meisten Bullet-Journal-BesitzerInnen legen jeweils zu Monatsbeginn einen Kalender für die nächsten vier Wochen an und füllen die auf den Kalender folgenden Seiten mit anderen Dingen. Das Ganze wiederholen sie Monat für Monat. Geplant wird also monatsweise.

 

Das geht bei mir nicht!

 

Als Selbstständige plane ich mindestens sechs bis neun Monate im Voraus und so weit muss eben auch der Kalender reichen, und mit „Kalender“ meine ich den detaillierten Wochenkalender.

Die Lösung, die ich für mich gefunden habe, sieht so aus:

Einblick in die Wochenübersicht
Mein BuJo: Eine Woche auf zwei Seiten
  • Ich nutze ein A4-Notizbuch von Leuchtturm, schwarz und punktkariert bzw. dotted. Wenn ich ein neues Bullet Journal kaufe, dann nur mehr dieses.
  • Ganz vorne habe ich einen Monatskalender für das gesamte Jahr, damit ich den Überblick behalte.
  • Die folgenden Seiten, genau gesagt die erste Hälfte des Notizbuchs, ist für den Kalender reserviert. Den gestalte ich nach dem Prinzip „Eine Woche auf zwei Seiten“ (siehe das Foto), wobei ich unten immer noch Platz für Notizen und eben To-do-Listen lasse.
  • Die zweite Hälfte des BuJos dient dem Sammeln von Ideen und Memos. Außerdem habe ich im zweiten Teil meines BuJos alle To-dos für mein Buchprojekt über den Barockbaumeister Jakob Prandtauer notiert, die ich dann schubweise nach vorne in den Kalenderteil übertrage, wenn sie spruchreif werden, also zur Bearbeitung anstehen. Insgesamt füllen die To-dos für mein Buchprojekt drei A4-Seiten der zweiten BuJo-Hälfte. 

 

  • So wie mir klar ist, dass die vordere Hälfte des Bullet Journals als Kalender dient, lege ich auch vorab fest, womit ich die zweite Hälfte befülle. Die einzelnen Abschnitte markiere ich mit bunten Registerkärtchen (siehe das Foto ganz oben), damit ich die Seiten rasch finde. Den Index, den viele Bullet-Journal-BesitzerInnen vorne anlegen und nach und nach befüllen, um in ihrem Bullet-Journal nachschlagen zu können, brauche ich also nicht.

So war das früher mit meinen To-dos

Wie ich inzwischen weiß, war es früher weniger die Zahl der To-dos, die mich belastet hat, sondern vor allem das Gefühl, nichts vergessen zu dürfen, bzw. die Frage, wie ich den Überblick behalte.

 

To-do-Listen und Kalender haben zunächst nebeneinander existiert, später habe ich dann die To-dos in den Kalender mit Bleistift eingetragen. Da man aber mit To-dos bekanntlich arbeitet, sie also durchaus auch einmal umorganisiert oder verschiebt, habe ich ständig im Kalender radiert, was alles andere als optimal war und auch nicht schön ausgesehen hat.

 

Dazwischen habe ich einen Teil der To-dos auch mit Trello verwaltet, aber so richtig zufriedenstellend war das nicht. So webaffin ich bin, logge ich mich doch nicht gerne erst irgendwo ein, um meine Aufgabenlisten zu sehen. Und ich schreibe sie auch lieber mit der Hand.  

So funktioniert es jetzt

To-dos mit dem Bullet Journal organisieren

In die Monatsübersicht ganz vorne trage ich meine Workshops, Urlaube und sonst noch alles ein, was einen Tag komplett in Anspruch nimmt und nicht verschiebbar ist. To-dos kommen dort nicht hinein.

 

In den Kalenderteil (wie gesagt: eine Woche auf zwei Seiten) übertrage ich diese Termine und ergänze sie laufend durch neue wie zum Beispiel Coachings, Arzttermine etc. Außerdem trage ich die To-dos, die ich an den einzelnen Tagen erledigen möchte, in die Wochenübersicht. Wenn ich noch nicht weiß, wann ich die To-dos abarbeiten möchte, schreibe ich sie unter die Wochenübersicht.

 

Ideen (das sind für mich vage To-dos) wandern in den zweiten Teil meines Bullet Journals.

Die Legende

Nicht nur die Wochenübersicht, sondern auch die Legende bzw. der Key ist bei mir minimalistisch gehalten. Während manche Bullet-Journal-BesitzerInnen verschiedene Symbole einsetzen, arbeite ich nur mit Kästchen:

Foto meiner Legende

     

  • Ein leeres Kästchen ist ein noch unerledigter To-do-Punkt. To-dos, die einen fixen Termin haben (zum Beispiel ein Telefonat mit einem Kunden zu einer bestimmten Uhrzeit), markiere ich rot.
  • Ein Kästchen mit einem Häkchen bedeutet, dass ich diesen To-do-Punkt erledigt habe.
  • Ein Kästchen mit einem Pfeil bedeutet, dass ich die Aufgabe verschoben habe, sei es auf einen anderen Tag oder in eine andere Woche. Wichtig: Wenn ich einen Pfeil setze, dann übertrage ich das To-do auch tatsächlich, notiere es also an einer neuen Stelle in den Kalender – für mich sicherlich einer der wichtigsten Hebel, um Druck zu reduzieren und die Übersicht zu behalten.
  • Ein X in dem Kästchen verweist auf einen To-do-Punkt, der sich von selbst erledigt hat oder mir einfach nicht mehr wichtig erscheint.

Bullet Journaling: Mein Fazit

Ein Bullet Journal ist ein großartiges Planungsinstrument!

Der eine schätzt seinen digitalen Kalender, der andere liebt seinen Tisch- oder Buchkalender. Für mich ist das Bullet Journal seit einem Jahr das optimale Planungstool. Mit Stift und Papier zu arbeiten, ist für mich ein zusätzlicher Reiz des Bullet Journalings.


Seitdem ich ein Bullet Journal führe, fühle ich mich weniger unter Druck, weil ich eine bessere Übersicht über alles, was ansteht, habe. Außerdem habe ich endlich einen Platz, an dem ich gebündelt meine tausend Ideen sammle. Hurra!

Sie müssen nicht zeichnen können

Wenn Sie überlegen, ein Bullet Journal anzulegen und sich im Web dazu informieren, lassen Sie sich nicht von den Kunstwerken verunsichern, auf die Sie sofort stoßen werden. Um ein Bullet Journal zu führen, müssen Sie nicht gut zeichnen können, ja, ein Bullet Journal funktioniert auch wunderbar ohne Zeichnungen.

Machen Sie sich für Ihr erstes BuJo ein Konzept

Wenn Sie mit einem Bullet Journal zum ersten Mal loslegen, überlegen Sie sich vorab, was dort alles hinein soll und wie Sie es aufteilen. Gerade beim ersten Bullet Journal hat es mir geholfen, ein kurzes Konzept auf einem Zettel zu erstellen. So richtig Tritt gefunden habe ich dann erst mit meinem zweiten.

Sie entscheiden, wie viel Zeit Sie in Ihr BuJo stecken

Viele Menschen meinen, ein Bullet Journal anzulegen, würde extrem viel Zeit brauchen. Das Gefühl habe ich nicht. Ein minimalistisches Bullet Journal ist rasch angelegt und das Ganze macht auch noch Spaß. Und sollte sich herausstellen, dass es Ihnen keine Freude macht oder Sie gar belastet, dann ist das Bullet Journaling eben nichts für Sie. Auch gut. Mehr als dass Sie ein Notizbuch umsonst gekauft haben, ist ja nicht passiert.

Gehen Sie mit Fehlern gelassen um

Während ich in meinem Kalender immer mit Bleistift geschrieben habe (damit ich unerledigte To-dos ausradieren und irgendwo neu eintragen konnte), schreibe ich in meinem Bullet Journal mit einem schwarzen Fineliner. Natürlich kommt es vor, dass ich mich einmal verschreibe. Am Anfang haben mich schreibtechnische Hoppalas sehr gestört, inzwischen weiß ich, dass sie dazugehören. Ich streiche sie durch oder überkritzle sie – und gut ist’s (siehe dazu auch dieses Video). Fehler passieren nun einmal!

Und zum Schluss ...

Wenn Sie gerne planen und sich gerne Notizen machen, kann Bullet Journaling zu einer Leidenschaft, ja vielleicht sogar zu einer Sucht werden. Aber keine Angst: Die Nebenwirkungen dieser Sucht sind vollkommen harmlos. Probieren Sie es aus!

Nützliche Links

  • Gettings things done von David Allen: Gtd hat zwar nichts mit dem Bullet Journaling zu tun. Die Idee, alles, was man nicht sofort erledigen kann, aufzuschreiben (wirklich alles!), war für mich wichtig. Ich habe mir das deutsche Hörbuch von David Allen zu Gtd angehört.
  • Ergänzend finden Sie auf YouTube unzählige Videos zum Thema "Bullet Journal", zum Beispiel das hier von Jasmin Arensmeier, das Ihnen ein BuJo-Setup zeigt. Jasmin hat auch einen Ratgeber in Buchform geschrieben, den ich selbst allerdings nicht gelesen habe, weil ich nicht auf die Idee komme, zu dem Thema auch noch Bücher zu wälzen. Ein Video, das ich übrigens besonders mag, ist dieses hier von Undine Almani (Achtung: Ironie!).  
  • Inspirationen für alle, die ihr Bullet Journal optisch anspruchsvoll gestalten wollen, gibt es haufenweise auf Pinterest.
  • Und wenn Sie sich mit anderen zum Thema "Bullet Journal" austauschen wollen, empfehle ich Ihnen die diversen deutsch- und englischsprachigen Facebook-Gruppen.
  • Ich selbst führe parallel zum Bullet Journal noch ein Tagebuch. Dort praktiziere ich ganz oft das Freewiting.

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Kommentare: 4
  • #1

    Angelika Pathe (Mittwoch, 21 Februar 2018 13:16)

    Vielen Dank für diesen tollen Tipp und die großartige Beschreibung!
    Ich bin begeistert!
    Alles Gute,
    Angelika

  • #2

    Mareike Engel (Sonntag, 11 März 2018 08:19)

    Vielen Dank für die Inspiration! Ich arbeite seit einiger Zeit ausschließlich mit Todoist und trello aber nach dieser Lektüre bekomme ich wieder Lust auf mein physisches Notizbuch. �

  • #3

    Martina (Sonntag, 09 Dezember 2018 17:38)

    Obwohl ich auch rein mit Software Tools meine Aufgaben organisiere habe ich noch ein Bullet Journal. Ich hab es versucht mir "selber zeichnen" aber das hat leider nicht geklappt. Hab mir dann ein Daily Journal von Local & Urban geholt. Die nehmen einem quasi die Arbeit ab, das Layout für das Journal festzulegen und es ist in schwarz weiß vorgezeichnet. Für mich war das aber genau die perfekte Lösung. Ich hab alle meine wichtigen Tracker im Journal und kann meine Termine und Aufgaben planen und schön aussehen tut es auch. Also kann ich nur empfehlen, wenn es jemanden interessiert. Man bekommt es bei Amazon https://www.amazon.de/dp/B07HDVNTHF oder im Shop von www.local-urban.de

  • #4

    Huberta Weigl (Montag, 10 Dezember 2018 19:53)

    Danke für den schönen Tipp!

    Herzlichen Gruß
    Huberta Weigl