Dissertation schreiben: Ja oder nein?

Mädchen, das am Boden sitzt und am Laptop schreibt

 

Überlegen Sie gerade, ob Sie eine Dissertation schreiben sollen? Eine Dissertation bzw. Doktorarbeit ist ein riesiges Projekt. Wenn Sie Ihre Dissertation nicht als Hobby betrachten oder in der Pension zum Vergnügen schreiben, sollten Sie sich vorab gut überlegen, ob sich der Aufwand für Sie auszahlt und ob Sie die Voraussetzungen mitbringen, um die Arbeit gut zu bewältigen.

Soll ich eine Dissertation schreiben?

Was spricht dafür, was dagegen?

Ich selbst habe promoviert. Vor diesem Hintergrund sowie vor den Erfahrungen als wissenschaftlicher Schreibcoach gibt es meiner Meinung nach fünf Fragen, die Sie sich stellen sollten, bevor Sie das Projekt Dissertation angehen.

1 Wie groß ist mein Durchhaltevermögen?

Habe ich genug Ausdauer für ein Projekt von drei oder mehr Jahren und mehreren Tausend Stunden? Eine Dissertation zu schreiben kann sehr bereichernd sein, gleichzeitig aber bedeutet sie in der Regel auch Verzicht (zum Beispiel auf Freizeit und/oder Einkommen). 

2 Wie finanziere ich meine Arbeit an der Dissertation?

Studierende stürzen sich oft ziemlich blauäugig in das Projekt Dissertation und übersehen dabei, dass es auch Geld kostet. Jede Stunde, die Sie an Ihrer Dissertation sitzen, bedeutet, dass Sie in dieser Zeit kein Geld verdienen können, obwohl dies mit Ihrem abgeschlossenen Studium ja durchaus schon möglich wäre. Anders ist die Situation natürlich mit einem Stipendium. Dann werden Sie für das Schreiben der Dissertation bezahlt und alles ist im Lot.

3 Was motiviert mich, eine Dissertation zu schreiben?

Sind es die besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt oder ist es "nur" der Wissenszuwachs? Die besseren Jobaussichten sind ein guter Grund, eine Dissertation zu schreiben. Wenn Sie beruflich in der Welt der Wissenschaft Fuß fassen wollen, kommen Sie gar nicht umhin, zu promovieren. Es gibt allerdings auch Studierende, bei denen die Dissertation eine Flucht ist. Sie starten sie deshalb, weil sie keinen Job finden oder den Sprung in die Arbeitswelt scheuen. Das sind keine guten Voraussetzungen, weil die Dissertation dann meist zu einer Art Kaugummi-Projekt wird, das sich überdurchschnittlich lang hinzieht oder im schlimmsten Fall sogar nie abgeschlossen wird.  

4 Wie ist es mir mit meiner Masterarbeit bzw. Diplomarbeit gegangen?

Habe ich diese Arbeit einigermaßen leicht und zügig gestemmt? Wenn ja, dann sind das gute Voraussetzungen für eine Dissertation. Wenn Sie hingegen schon bei Ihrer Masterarbeit bzw. Diplomarbeit mit dem Schreiben gekämpft und vor allem an Aufschieberitis gelitten haben, sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie ein Projekt starten, das mindestens dreimal so groß ist.

5 Was mache ich mit der fertigen Doktorarbeit?

Ich weiß: Kaum jemand überlegt sich zu Beginn, was denn dann am Ende mit der Doktorarbeit geschehen soll. Trotzdem lohnt es sich, darüber nachzudenken. Wenn Sie in Deutschland promovieren, müssen Sie Ihre Dissertation publizieren, um den Doktortitel tragen zu dürfen. Die Publikation der Doktorarbeit ist meist nochmals mit sehr viel Aufwand und auch Geld verbunden: Das Manuskript muss ein Buch werden, was eben oft auch bedeutet, dass es da und dort umgeschrieben werden muss. Abhängig davon, welchen Weg der Publikation Sie wählen, müssen Sie einen Verlag finden und Gelder für den Druck auftreiben. Das kostet Zeit und Energie.

Promovieren Sie in Österreich, müssen Sie die Dissertation nicht publizieren. Aber eine Dissertation einfach nur so schreiben und nicht publizieren? Das ist dann letztendlich in Anbetracht des Aufwandes doch schade. Wenn Sie also überlegen, eine Dissertation zu schreiben, haben Sie also auch im Auge, was nach dem Abschluss der Promotion noch an Arbeit auf Sie zukommt.

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