Literaturrecherche: Erste Tipps für Studierende der Kunstgeschichte

Geöffnetes Buch, auf dem eine Brille liegt

 

Ein Gastbeitrag von Simon Hemetsberger

 

Du studierst Kunstgeschichte im ersten oder zweiten Semester, hast gerade in der Lehrveranstaltung ein Thema ergattert oder – viel wahrscheinlicher – zugeteilt bekommen und sollst nun darüber ein Referat halten und/oder eine Hausarbeit bzw. Proseminararbeit oder Seminararbeit schreiben. Eines ist klar: Bevor du ans Schreiben gehen kannst, muss gelesen werden! Dafür musst du natürlich wissen, wie du wissenschaftliche Literatur, und zwar sowohl Bücher als auch Aufsätze, findest. Im Folgenden zeige ich dir, wie du eine Literaturrecherche angehst.

Von der Theorie zur Praxis: Auf in die Bibliothek!

Besorge dir einen Bibliotheksausweis

Wer lesen will, muss in die Bibliothek gehen, denn nach wie vor erscheinen viele Publikationen auf Papier und/oder sind vom eigenen PC aus nicht abrufbar. In die Bibliothek gehen – klingt logisch und einfach, aber in der Praxis sind dafür ein paar Vorbereitungen notwendig.

 

Als Studienanfängerin bzw. Studienanfänger brauchst du zunächst einmal einen Ausweis für deine Universitätsbibliothek! Der berechtigt dich zur Benutzung des gesamten Bibliothekenverbunds deiner Uni, also sowohl der Hauptbibliothek als auch der Fachbereichsbibliotheken (das sind Bibliotheken, die den einzelnen Instituten zugeordnet sind). Welche Unterlagen du mitnehmen musst, um einen Ausweis zu lösen (Studentenausweis, Meldezettel etc.), findest du auf den Websites der einzelnen Bibliotheken erklärt. Lies dort auf jeden Fall nach, bevor du startest!

 

Nimm neben Schreibzeug und Laptop auch einen USB-Stick zum Speichern von Scans und Fotos mit. Eine Kopierkarte kannst du in der Bibliothek kaufen.

Lerne die Bibliotheken deines Studienortes kennen

Neben der Hauptbibliothek und den Fachbereichsbibliotheken gibt es an deinem Studienort in der Regel weitere wichtige Bibliotheken, die du kennen solltest. In Wien (hier studiere ich) ist zum Beispiel die Österreichische Nationalbibliothek eine wichtige Anlaufstelle für Studierende der Kunstgeschichte. Wenn du in Berlin studierst, solltest du die Staatsbibliothek kennen, wenn du in München studierst, die Bayerische Staatsbibliothek etc.

 

Außerdem lohnt es sich, Museen und andere Kulturinstitutionen im Auge zu behalten: Sie verfügen meist ebenfalls über öffentlich zugängliche Bibliotheken und können je nach Thema deiner Arbeit für dich hilfreich sein, weil sie oft spezielle Literaturbestände haben.

 

Bei Bibliotheken außerhalb deiner Alma Mater kann die Benutzungsberechtigung kostenpflichtig sein. Informiere dich also auch hier vorab, welche Unterlagen du für die Benutzung brauchst, bevor du zum ersten Mal in eine Bibliothek gehst. Die Zahlungsbelege hebst du am besten auf – je nach Gesetzeslage können Ausgaben für Bildung steuerlich abgesetzt werden!

Die Literatursuche ist ein Handwerk, das du erst einmal lernen musst

Gerade am Anfang ist es wichtig, dass du Geduld mit dir hast. Du musst erst einmal lernen, wie eine Literaturrecherche, also die Suche nach wissenschaftlicher Literatur, funktioniert. Der Begriff „Literaturrecherche“ klingt zunächst so, als sei damit eine einzige, konkrete Tätigkeit gemeint. Tatsächlich sind aber zahlreiche Soft Skills gefordert: Du musst unter anderem lernen, wie

  • Datenbanken (z. B. Kubikat, JStor oder KVK) funktionieren,
  • du mit OPACs (Open Public Access Catalogue) umgehst,
  • du eine Schlagwortsuche machst,
  • du Literatur querliest und
  • die Literatur für deine Uni-Arbeit verwaltest (analog oder digital z.B. mit Citavi oder Zotero).

Im Rahmen deiner ersten Uni-Arbeit solltest du dieses Handwerkszeug kennenlernen. Bei den folgenden Arbeiten wirst du das Wissen schon vertiefen. Im besten Fall bist du dann, wenn du deine Bachelorarbeit anpackst, fit in der Literaturrecherche, die zu den Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens und Schreibens zählt.

 

In der Kunstgeschichte gehört übrigens auch die Suche nach Abbildungen zur Recherche: Hochwertige Bilder für dein Referat und deine Hausarbeit bzw. Proseminararbeit oder Seminararbeit findest du sowohl in einschlägigen Datenbanken wie zum Beispiel ArtStorBildindex oder Prometheus als auch in Print- und Onlinepublikationen.

Nutze das Schulungsangebot

An vielen Unis gibt es inzwischen eigene Lehrveranstaltungen oder Tutorien zum wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben. Dort bekommst du grundlegende Informationen zur Literaturrecherche und allem, was sonst noch zum Schreiben einer Uni-Arbeit dazugehört. Dabei kann es manchmal recht theoretisch zugehen, daher frag nach, wenn dir etwas unklar ist.

 

Praktische Hilfestellung bekommst du außerdem in der Universitätsbibliothek: Diese bietet meist kostenlose Schulungen zur Bibliotheksbenutzung und Datenbanksuche an. Auch Bibliotheksführungen lohnen sich – so kannst du dich mit dem neuen Ort vertraut machen und die Aufstellungssystematik der Bücher und Zeitschriften kennenlernen. Mein Tipp: Such dir ein paar Studienkolleginnen und -kollegen und geht gemeinsam zur Schulung. Zusammen überwindet ihr die Schwellenangst viel leichter!

 

Hast du Probleme, dich im Serviceangebot deiner Uni-Bibliothek zurechtzufinden, scheue nicht, dich persönlich an die Bibliothekarinnen und Bibliothekare zu wenden. Sie geben dir gerne Auskunft. Eine weitere Anlaufstelle für allgemeine Infos und Orientierung im Studierendenalltag ist gerade in den ersten Semestern deine Studienvertretung.

Erste Literaturtipps in der Lehrveranstaltung

Gerade in Lehrveranstaltungen, die sich an Studienanfänger/-innen wenden, wirst du als Neuling nicht allein gelassen. Oft geben die Lehrveranstaltungsleiter/-innen schon in der ersten Stunde Infos, die dir helfen können, deine Literaturrecherche in Gang zu bringen. Dazu zählen vor allem Hinweise auf grundlegende Publikationen zum Thema. Oft gibt es auch eine Pflichtlektüre, die garantiert, dass deine Kommilitoninnen und Kommilitonen und du in kurzer Zeit über denselben Wissensstand verfügen.

 

Empfohlene oder verpflichtende Lektüre wird oft zum Ausdrucken über eine digitale Lernplattform oder analog als sogenannter Semesterapparat in deiner Fachbereichsbibliothek bereitgestellt. Unter Semesterapparat versteht man eine knappe Literatursammlung mit den relevantesten Werken zum Thema, die das ganze Semester lang auf einem dafür reservierten Platz in der Bibliothek zugänglich sind. Erfahrungsgemäß darfst du die nicht ausleihen – so ist gewährleistet, dass alle Studierenden im Proseminar oder Seminar gleichermaßen Zugriff darauf haben.

 

Aufbauend auf diesen Materialien kannst du mithilfe des Schneeballprinzips beim Start deiner Literatursuche viel Zeit und Arbeit sparen. Sobald du nämlich ein, zwei Publikationen zu deinem Thema in der Hand hast, findest du dort weitere Literatur.

Was du tun kannst, wenn du mit der Literaturrecherche nicht vorankommst

Falls du auch nach intensiver Suche kaum Literatur gefunden hast oder den Eindruck hast, in Literatur unterzugehen, hol dir Hilfe. Sprich vor allem mit den Studienkolleginnen und -kollegen, die in der Lehrveranstaltung eng verwandte Themen bearbeiten.

 

Außerdem hast du natürlich die Möglichkeit, in die Sprechstunde deiner Seminarleiterin bzw. deines Seminarleiters zu gehen. Bereite dich auf die Sprechstunde vor, also schreib dir deine Fragen zusammen. Im Hinblick auf die Literaturrecherche kann es hilfreich sein, wenn du der Seminarleiterin bzw. dem Seminarleiter erklären kannst, wo und wie du bislang gesucht hast, und wenn du ihr bzw. ihm deine Literaturliste in ausgedruckter Form gibst. So kann sie bzw. er am leichtesten einhaken und dich unterstützen.

Auch für die erste Literatursuche gilt: Gut vorbereitet ist halb gewonnen. In diesem Sinne sollen dir diese Tipps helfen, unnötige Umwege zu gehen und direkt in die erfolgreiche Literaturrecherche einzusteigen.

Zum Autor

Simon Hemetsberger schreibt gerade seine Masterarbeit im Fach Kunstgeschichte an der Universität Wien, wo er mehrere Semester als Tutor tätig war. Derzeit arbeitet er für die Schreibwerkstatt und den Freundesverein des Kunsthistorischen Museums Wien.


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Abbildungsnachweis: 

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