Wie Sie Ihre Unternehmensgeschichte für Ihr Marketing nutzen können

Alte Stehlampe undein altes Sofa bezeichnet: Sie glauben, Ihr Unternehmen hat keine Geschichte? Dann lesen Sie weiter!

 

Ein Gastartikel von MMag. Dr. Friederike Hehle | historizing. Agentur für Geschichte

 

„Marketing mit der Unternehmensgeschichte? Das ist doch nur etwas für große Unternehmen oder Unternehmen, die schon lange am Markt sind!“ Solche und ähnliche Kommentare höre ich oft, wenn ich erzähle, was ich beruflich mache.

Mein Gegenüber denkt dann offenbar unter anderem an Marketingabteilungen mit mehreren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, an fünf- oder sechsstellige Werbebudgets und umfangreiche Kampagnen in verschiedenen Medien. Dies alles ist sicher hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. Meine Erfahrung zeigt nämlich, dass gerade auch kleine und kleinste Unternehmen mit wenig Ressourcen ihre Geschichte erfolgreich für ihr Marketing nutzen können, und zwar auch dann, wenn ihre Gründung noch gar nicht so lange zurückliegt. Wie das geht, lesen Sie in diesem Beitrag.

Was ist die „Unternehmensgeschichte“?

Jedes Unternehmen blickt auf verschiedene Ereignisse zurück wie beispielsweise seine Gründung, den Verkauf des ersten Produkts, die Entwicklung eines ganz besonderen Angebotes, die Anstellung der ersten Mitarbeiterin oder des ersten Mitarbeiters, den Gewinn eines Preises etc. Alle diese Ereignisse zusammen machen seine historische Entwicklung, also die Unternehmensgeschichte, aus.

Bei Unternehmen, die schon lange am Markt sind, gibt es sehr viele solcher Ereignisse, wie etwa bei der Wiener Süßwarenfabrik Manner und ihrem bekanntesten Produkt, der Manner Schnitte, bei jüngeren und kleineren Unternehmen ist die Zahl der Ereignisse entsprechend geringer. Das zeigt etwa die Geschichte des deutschen Müsli-Anbieters mymuesli, gegründet 2007 von drei Studenten. Obwohl die Geschichte des Unternehmens bis jetzt nur wenige Ereignisse umfasst, sind sie doch interessant für die Zielgruppe. Seine Geschichte ist also für mymuesli ein wichtiger Marketingbestandteil.

Was ist Marketing mit Unternehmensgeschichte?

Marketing mit Unternehmensgeschichte, auch „Geschichtsmarketing“ oder „History Marketing“ genannt, bedeutet, Marketing mit Hilfe der eigenen Vergangenheit zu betreiben. Es geht darum, die eigene Geschichte immer wieder zu thematisieren – sei es im Blog, auf Facebook, LinkedIn etc. Marketing umfasst mehrere Bereiche, mir geht es im Folgenden um die Kommunikation.

Was bringt Marketing mit Unternehmensgeschichte?

Jedes Unternehmen hat eine Geschichte, egal wie alt oder groß es ist oder in welcher Branche es arbeitet. Die eigene Geschichte für das Marketing zu nutzen, ist aus mehreren Gründen sinnvoll:

Die Unternehmensgeschichte

 

  • ist bei jedem Unternehmen einzigartig, niemand kann sie kopieren.
  • macht ein Unternehmen glaubwürdiger, weil sie zeigt, dass es erfolgreich am Markt tätig ist.
  • transportiert Emotionen, die ein Unternehmen nahbarer und sympathischer wirken lassen.
  • zeigt die Identität eines Unternehmens: was es speziell ausmacht und wie es dazu kam.
  • kostet nichts und gehört dem Unternehmen.

Storytelling als wichtiges Tool

Menschen merken sich Geschichten wesentlich besser als Zahlen, Daten und Fakten. Das gilt natürlich auch für die Geschichte Ihres Unternehmens. Bei einer bloßen Abfolge von Jahreszahlen und Stichworten ist die Gefahr groß, dass sich die Kundinnen und Kunden nichts davon merken. Erzählen Sie dagegen einzelne Ereignisse als Geschichte, so bleiben sie eher im Gedächtnis und helfen, Ihr Unternehmen sympathisch wirken zu lassen. Das könnte Kundinnen und Kunden bei ihrer nächsten Kaufentscheidung beeinflussen.

Mein Tipp, wenn Sie mehr zum Thema "Storytelling" wissen möchten:

Wie Storytelling konkret funktioniert, also was zu einer guten Geschichte gehört, das habe ich in diesem Blogbeitrag thematisiert. Außerdem empfehle ich Ihnen das Buch „Storytelling für Unternehmen“ von Miriam Rupp – es gilt inzwischen als eines der deutschsprachigen Standardwerke zu diesem Thema.

Nutzen Sie Ihre Geschichte!

Erzählen Sie Ihren Kundinnen und Kunden aus Ihrer Unternehmensgeschichte und heben Sie sich dadurch von Ihren Mitbewerbern deutlich ab!

Überlegen Sie, was Ihre Kundinnen und Kunden interessieren könnte. Was haben sie Sie denn schon einmal über Ihr Unternehmen gefragt? Was wollten sie unbedingt wissen? Mit diesen Geschichten können Sie beginnen.

Erzählen Sie von sich!

Ich stoße immer wieder auf Websites von Unternehmen, die scheinbar von Geisterhand geführt werden: keine Namen oder Fotos von Ansprechpartnerinnen bzw. Ansprechpartnern sowie neutrale E-Mail-Adressen, die mit office@, info@ oder ähnlich beginnen. Das wirkt nicht nur unprofessionell, sondern auch unpersönlich.

Graues, altes Sofa

Gerade bei kleinen Unternehmen, wo der direkte Kontakt eine große Rolle spielt, ist es besonders wichtig, die Menschen dahinter und ihre Geschichte(n) zu zeigen.

 

Wie sonst können die Kundinnen und Kunden entscheiden, wem sie ihre Informationen oder Projekte anvertrauen sollen?

 

Diese Fragen könnten Ihre Kundinnen und Kunden interessieren: 

  • Wie sind Sie zu Ihrer Geschäftsidee gekommen? Was hat die Gründung verzögert oder schwierig für Sie gemacht? Wer oder was hat Ihnen bei der Gründung geholfen?
  • Nach welcher Erfahrung / welchem (misslungenen) Projekt haben Sie Ihr Unternehmen in eine neue Richtung gelenkt? Was hat sich dadurch geändert? 
  • Was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass Sie etwas Innovatives gemacht haben, z. B. ein Patent oder eine Marke angemeldet, ein Produkt entwickelt oder einen Prozess aufgesetzt? Wie haben Ihre Kundinnen und Kunden darauf reagiert?

Der Kanal:

Der Image-Flyer zu Ihrem Unternehmen ist eine gute Möglichkeit, um mehr über Ihre Geschäftsidee zu erzählen. Und auch Ihre Website sollte unbedingt eine aussagekräftige „Über mich / Über uns“-Seite haben. Vielleicht ist auch im Blog Platz für Ihre Geschichten, so wie bei Huberta Weigl.

Mein Tipp:

Erzählen Sie unbedingt lebhafte Geschichten, in denen Emotionen Platz haben. Eine sachliche Aufzählung von Ereignissen aus Ihrer Unternehmensgeschichte berührt kaum. Aber wenn Sie erzählen, wie Sie sich in bestimmten Situationen gefühlt oder was Sie gedacht haben, dann bringen Sie das Kopfkino Ihrer Zielgruppe in Gang!

Feiern Sie regelmäßig Jubiläen!

Immer wieder gibt es im Unternehmen besondere Ereignisse, die Sie feiern können: den Tag, an dem Sie es ins Gewerberegister eintragen ließen, ein neues Büro bezogen, eine Filiale eröffneten, ein Produkt erstmals verkauften … Denken Sie in alle möglichen Richtungen, z. B. auch an Jubiläen, die für Ihre Branche interessant sind: Als Radhändler könnten Sie etwa die Erfindung des Fahrrads oder des Dynamos feiern. Seien Sie hier durchaus kreativ!

Der Kanal:

Schreiben Sie darüber in Ihrem Unternehmensblog und posten Sie Auszüge davon in Ihren Social-Media-Kanälen, etwa auf Facebook. Auch die (lokale) Presse könnte Interesse an Ihrem Thema haben, wenn Sie es mit einem größeren – etwa „200 Jahre Fahrrad“ – verknüpfen können.

Mein Tipp:

Führen Sie eine fortlaufende Excel-Liste mit dem Datum von Ereignissen, die für Ihr Unternehmen oder Ihre Branche wichtig sind. So sehen Sie regelmäßig auf einen Blick und nach Datum sortiert, wann das nächste Jubiläum ansteht.

Werfen Sie donnerstags den Blick zurück!

Am sogenannten „Throwbackthursday“, also am Rückblickdonnerstag (er findet jeden Donnerstag statt), können Sie die Geschichte(n) aus Ihrem Unternehmen erzählen. In den sozialen Medien ist #tbt der offizielle Hashtag für den Rückblick in die eigene Vergangenheit.

Dabei ist alles, was älter als fünf Jahre ist, besonders interessant. Holen Sie also ruhig etwas weiter aus und erzählen Sie Geschichten aus der grauen Vorzeit Ihres Unternehmens oder auch Ihrer Branche. Der Inhalt darf überraschend, witzig oder sogar dramatisch sein. Die Fotos, die Sie in diesem Zusammenhang verwenden, dürfen Ihre Botschaft ruhig mit einem Augenzwinkern vermitteln.

Der Kanal:

Die Klickzahlen auf solche Beiträge bei Instagram oder Facebook zeigen, dass es sich lohnt, mit diesem Hashtag zu posten.

Mein Tipp:

Sollten Sie einmal vergessen haben, am Donnerstag zu posten, dann holen Sie den Post einfach am Freitag mit #fbf für „Flashbackfriday“ nach.

Fazit

Seien Sie stolz auf Ihre Geschichte, egal wie alt Ihr Unternehmen ist und wie viel Sie zu erzählen haben! Denn die Geschichte Ihres Unternehmens ist eine wertvolle Ressource für Ihr Marketing. Lassen Sie sie nicht ungenützt, sondern schärfen Sie damit das Profil Ihres Unternehmens. Sie macht es greifbarer und sympathischer für Ihre Kundschaft und Sie heben sich mit ihr eindeutig von Ihren Mitbewerbern ab.

Über die Autorin: MMag. Dr. Friederike Hehle

Dr. Friederike Hehle, Foto
Foto: Angela Lamprecht

Dr. Friederike Hehle hat Kunstgeschichte und Handelswissenschaften studiert. 2013 hat sie schließlich in Dornbirn historizing – Agentur für Geschichte gegründet. Sie erforscht (auch in Archiven!) die Geschichte(n) von Unternehmen und schreibt im Auftrag von Unternehmen Bücher darüber.

 

Darüber hinaus berät sie, große und kleine Firmen sowie Selbstständige, wie sie ihre Geschichte im Marketing erfolgreich einsetzen können. Und natürlich bloggt sie auch regelmäßig zu diesem Themenkreis! 

Hier zwei exemplarische Einblicke in die Arbeit von Friederike Hehle:

Für den europaweit tätigen Recyling-Spezialisten Loacker hat Friederike Hehle die über 140-jährige Unternehmensgeschichte in Archiven und Bibliotheken recherchiert. Parallel dazu hat sie Gespräche mit ehemaligen und aktuellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt. Daraus ist ein rund 200 Seiten starkes Buch über die Vergangenheit und Gegenwart des Unternehmens, das mehr als 1 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, entstanden.

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Die elfjährige Geschichte von Vpack, einer Vereinigung Vorarlberger Verpackungshersteller, hat Friederike Hehle in einer Broschüre mit dem Titel "Elfer. Highlights aus elf Jahren Vpack" zusammengestellt. Die Broschüre wiederum war die Grundlage für eine Ausstellung, die im Vorarlberger Landhaus zu sehen war.

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Abbildungsnachweis:

Lampe und Sofa (mehrfach verwendet): Shutterstock.com, Nr. 66167818, Linus

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